Seit 2004 zahlt die gesetzliche Krankenkasse kein Sterbegeld mehr. Seitdem tragen Angehörige die Kosten einer Bestattung vollständig selbst, und die sind höher, als die meisten vermuten. Eine einfache Bestattung kostet 3.000 bis 5.000 Euro. Mit Grabstein, Trauerfeier und Grabpflege summieren sich die Kosten auf 8.000 bis 13.000 Euro.

Genau in diese Lücke zielt die Sterbegeldversicherung. Ob diese Versicherung sinnvoll ist, hängt von fünf Faktoren ab.

1. Was eine Sterbegeldversicherung leistet

Die Sterbegeldversicherung ist eine kleine Kapitallebensversicherung. Diese Versicherung zahlt im Todesfall eine vorher festgelegte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen, üblicherweise zwischen 2.000 und 15.000 Euro.

Drei Eigenschaften unterscheiden sie von anderen Policen:

  • Keine Gesundheitsprüfung. Die meisten Anbieter verzichten darauf oder stellen nur wenige Fragen. Auch mit Vorerkrankungen bekommen Sie einen Vertrag.
  • Aufnahme bis ins hohe Alter. Der Abschluss ist meist bis 80 Jahre möglich, bei einigen Versicherern bis 85.
  • Lebenslange Leistung. Anders als bei der Risikolebensversicherung endet der Schutz nicht mit einem festen Ablaufdatum.

Der Preis dafür ist eine Wartezeit. In den ersten ein bis drei Jahren zahlt die Sterbegeldversicherung bei Tod durch Krankheit meist nur die eingezahlten Beiträge zurück. Bei einem Unfall greift der volle Schutz sofort.

2. Was eine Bestattung tatsächlich kostet

Um die passende Versicherungssumme zu bestimmen, brauchen Sie realistische Zahlen:

Position Typische Kosten
Bestatter (Grundleistung, Sarg, Überführung) 2.000–4.000 €
Friedhofsgebühren und Grabnutzung 1.000–3.500 €
Grabstein oder Grabmal 1.500–5.000 €
Trauerfeier, Blumen, Musik 500–2.000 €
Traueranzeigen und Danksagungen 300–800 €
Trauerkaffee 300–1.000 €
Grabpflege (über 20 Jahre) 2.000–6.000 €

Kosten einer Bestattung in Deutschland, je nach Region und Bestattungsart unterschiedlich.

Die Unterschiede zwischen den Bestattungsarten sind erheblich. Eine anonyme Urnenbestattung kostet ab etwa 1.500 Euro, eine klassische Erdbestattung mit Familiengrab und Grabstein leicht das Zehnfache. Auch bei der Grabstelle selbst gibt es große Spannen, wie sich an modernen Grabgestaltungen zeigt, die von schlicht bis aufwendig reichen.

Wer sich vorab informieren möchte, findet beim Bundesverband Deutscher Bestatter Hinweise zu Ablauf und Leistungen. Ein Kostenvoranschlag mehrerer Bestatter lohnt sich, weil die Preise regional stark schwanken.

3. Für wen die Sterbegeldversicherung sinnvoll ist

Die Antwort hängt stark vom Alter und der finanziellen Situation ab:

Sinnvoll für Menschen zwischen 55 und 80 Jahren, die keine ausreichenden Rücklagen haben und ihren Angehörigen die Bestattungskosten nicht hinterlassen wollen. In diesem Alter ist eine günstige Risikolebensversicherung meist nicht mehr zu bekommen, die Sterbegeldversicherung dagegen schon.

Sinnvoll bei Vorerkrankungen. Wer wegen seiner Gesundheit bei anderen Versicherungen abgelehnt wird, findet in der Sterbegeldversicherung eine der wenigen Möglichkeiten zur Vorsorge.

Sinnvoll für Alleinstehende ohne nahe Angehörige. Die Versicherungssumme lässt sich direkt an einen Bestatter abtreten, sodass die Bestattung wie gewünscht abläuft. Wer keine Angehörigen hat, sollte seine Wünsche zusätzlich schriftlich festhalten, damit später niemand raten muss.

Weniger sinnvoll für jüngere Menschen unter 50. Wer noch 30 Jahre in die Sterbegeldversicherung einzahlt, kommt am Ende oft auf mehr Beiträge, als ausgezahlt wird. Hier ist ein Sparplan die bessere Wahl.

Weniger sinnvoll bei ausreichendem Vermögen. Wer über 15.000 Euro liquide verfügt, braucht keine zusätzliche Absicherung für die Bestattung.

4. Was die Beiträge kosten

Die Beiträge richten sich nach Eintrittsalter, Versicherungssumme und Laufzeit. Zwei Beispiele für eine Versicherungssumme von 8.000 Euro:

  • Eintritt mit 55 Jahren: etwa 30 bis 45 Euro monatlich, Beitragszahlung bis 85
  • Eintritt mit 70 Jahren: etwa 60 bis 90 Euro monatlich, meist bis Lebensende

Rechnen Sie bei jeder Sterbegeldversicherung die Summe der Beiträge gegen die Versicherungssumme. Wer mit 55 einsteigt und 35 Euro über 30 Jahre zahlt, kommt auf 12.600 Euro eingezahlte Beiträge bei 8.000 Euro Leistung. Die Rechnung geht nur auf, wenn der Versicherungsfall früher eintritt.

Achten Sie außerdem auf diese Punkte im Vertrag:

  1. Beitragsfreistellung ab einem bestimmten Alter. Gute Tarife enden mit der Beitragszahlung bei 85, schlechtere kassieren bis zum Tod.
  2. Überschussbeteiligung. Sie erhöht die Versicherungssumme über die Jahre und gleicht einen Teil der Inflation aus.
  3. Wartezeit. Drei Jahre sind lang. Es gibt Anbieter mit nur zwölf Monaten.
  4. Weltweiter Schutz. Wichtig, wenn eine Überführung aus dem Ausland nötig werden könnte.

5. Die Alternativen im Vergleich

Eine Sterbegeldversicherung ist nicht der einzige Weg zur Vorsorge. Drei Alternativen kommen infrage:

Das eigene Sparkonto. Die einfachste und flexibelste Lösung. Sie zahlen monatlich einen festen Betrag auf ein Tagesgeldkonto, bekommen Zinsen und kommen jederzeit an das Geld. Der Nachteil: In den ersten Jahren reicht die Summe noch nicht, und im Todesfall ist das Konto Teil des Nachlasses. Bis zur Klärung der Erbfolge können Wochen vergehen, in denen Angehörige die Rechnungen vorstrecken müssen. Wer sich einen Überblick über die Formalitäten nach einem Todesfall verschafft, erkennt schnell, wie eng die Fristen dabei sind.

Der Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhandkonto. Sie vereinbaren die Bestattung im Detail mit einem Bestatter und zahlen den Betrag auf ein Treuhandkonto ein. Das Geld ist insolvenzgeschützt und fällt nicht in den Nachlass. Die Bestattung läuft genau so ab, wie Sie es festgelegt haben. Nachteil: Sie legen sich auf einen Bestatter fest.

Die Risikolebensversicherung. Für jüngere Menschen die deutlich günstigere Versicherung. Bei einem 40-Jährigen kostet eine Absicherung über 100.000 Euro oft weniger als eine Sterbegeldversicherung über 8.000 Euro. Wer die Absicherung der Familie insgesamt regeln will, sollte die Risikolebensversicherung als Alternative prüfen, bevor er sich für eine reine Bestattungsvorsorge entscheidet.

Lösung Vorteil Nachteil
Sterbegeldversicherung keine Gesundheitsprüfung, sofort im Todesfall verfügbar teuer bei langer Laufzeit
Sparkonto flexibel, verzinst fällt in den Nachlass, anfangs zu klein
Treuhandkonto beim Bestatter insolvenzgeschützt, Wünsche festgelegt Bindung an einen Bestatter
Risikolebensversicherung sehr günstig bei jungem Eintritt Gesundheitsprüfung, endet mit Ablauf

Die passende Lösung hängt vor allem vom Alter beim Abschluss ab.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?

Orientieren Sie sich an den tatsächlich geplanten Kosten, nicht an Pauschalen. Eine praktikable Rechnung:

  • Einfache Urnenbestattung mit kleiner Feier: 4.000 bis 6.000 Euro
  • Erdbestattung mit Trauerfeier und Grabstein: 8.000 bis 12.000 Euro
  • Zusätzlich Grabpflege für 20 Jahre: plus 2.000 bis 6.000 Euro

Wählen Sie die Versicherungssumme lieber etwas höher, weil die Kosten über die Jahre steigen. Eine Überschussbeteiligung fängt einen Teil davon auf.

Wichtig für Angehörige: Die Auszahlung erfolgt meist innerhalb weniger Tage nach Vorlage der Sterbeurkunde. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einem Sparkonto, weil Bestatterrechnungen oft binnen zwei Wochen fällig werden. Das entlastet Angehörige in einer Situation, in der ohnehin viele Formalitäten zu erledigen sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2004 gibt es kein gesetzliches Sterbegeld mehr, Angehörige tragen die Bestattungskosten allein.
  • Eine Bestattung kostet je nach Art zwischen 3.000 und 13.000 Euro.
  • Eine Sterbegeldversicherung lohnt sich vor allem zwischen 55 und 80 Jahren und bei Vorerkrankungen.
  • Unter 50 Jahren ist ein Sparplan oder eine Risikolebensversicherung meist günstiger.
  • Achten Sie auf Wartezeit, Ende der Beitragszahlung und Überschussbeteiligung.

Die ehrlichste Antwort auf die Frage, ob eine Sterbegeldversicherung sinnvoll ist, lautet: Es kommt auf das Alter an. Für einen 65-Jährigen ohne Rücklagen ist diese Versicherung eine der wenigen praktikablen Möglichkeiten. Für einen 40-Jährigen mit Sparplan ist sie ein teurer Umweg.