Lebendige Erinnerung

6. November 2017

Karin Dor

Karin Dor auch Rose Dor (* 22. Februar 1938 als Kätherose Derr in Wiesbaden; † 6. November 2017 in München) war und bleibt eine große deutsche Schauspielerin, die auch international erfolgreich war.

Wer wie ich bereits vor einem guten halben Jahrhundert (1966, in einem Mannheimer Kino, gemeinsam mit meiner Mutter) den Filmtod der unglücklichen, an der Ermordung Siegfrieds mitschuldigen Brunhild miterlebt hat (wobei ihr ‚Bilanzselbstmord‘ eine freilich glaubhafte filmfiktionale Hinzufügung ist), wunderte sich seither mehrmals, dass deren Darstellerin bis heute noch immer lebte und sogar angesichts ihres Alters (am Ende von knapp 80 Jahren) noch immer ihre einst ‚sagenhafte‘ Schönheit bewahrt hatte.
Vor ein paar Tagen verstarb die große Karin Dor im Alter von (je nach Sichtweise immerhin / erst) 79 Jahren in einem Pflegeheim. Nach einem schweren Sturz im vergangen Jahr konnte sie sich nicht mehr recht erholen – ganz ähnlich wie bei meiner Mutter, die Anfang 2017 ebenfalls gestürzt war, erst im Rollstuhl saß, sodann bettlägerig wurde, ins Koma fiel und schließlich (allerdings mit stolzen 93 Jahren) leise starb.

Karin Dors Biografie können wir mehrfach nachlesen bzw. auf YouTube anschauen; ich möchte lieber an einige ihrer Filme erinnern, auch weil sie dort auch weiterhin so lebendig wirkt.

Höhepunkte sind zwei Literaturverfilmungen.
Beginnen wir mit dem Trailer des aufwendigen Spielfilms „Die Nibelungen I“ von 1966.

 

Auch in der Fortsetzung „Die Nibelungen II“ von 1967 spielt Karin Dor soeben noch eine Rolle.
Schauen wir den Trailer:

 

 

 

In „Winnetou II“ (1964) erleben wir Karin Dor als schöne Häuptlingstochter Ribanna, die aus Stammesraison nicht den Mann heiraten darf, den sie liebt – auch eine Tragödie.
Hier der Trailer auf ‚YouTube‘:

Diesen Originaltrailern sieht man ihr Alter an, was bei einem Nachruf auf eine bedeutende Schauspielerin des Nachkriegskinos in Ordnung geht.
Wer Appetit auf mehr und auf die beiden abendfüllenden Spielfilme bekommen hat, besorge sich recht preiswert die restaurierten Fassungen auf DVD.

Sie machte auch international Karriere: Bis heute ist Karin Dor (an der Seite von Sean Connery) das einzige deutsche Bond-Girl, 1967 in dem Thriller „Man lebt nur zweimal“.

Auch hier der Trailer:

Wer will, kann sich auch Bilder vor allem der nahen Vergangenheit (z.B. von der hübschen „Traumschiff“-Folge von 2009) anschauen:

https://www.bing.com/images/search?q=Traumschiff+%22Karin+Dor%22+&FORM=HDRSC2

Ich selbst nehme mir demnächst lieber die beiden Nibelungen-Verfilmungen vor – für mich die Höhepunkte Karin Dors als Charakterdarstellerin und darüber hinaus ebenso traurig, wie wir Filmfreunde nach ihrem allzu frühen Tod nun sind.
Karin Dor war nicht nur ‚schön‘: Ihr nahmen wir jede ihrer Rollen ab, weil sie mit ihnen verschmelzen konnte. Ihre Persönlichkeit, ihre Aura, ihr Charisma bewirkten auch, dass sie selbst im Alter attraktiv blieb – ein Vorbild angesichts der zahlreichen ‚Sternchen‘ und allenfalls seimi-erotischen Abziehbilder von heute!

Jeder hat seine eigenen Lieblingsszenen, in denen Karin Dor unglaublich präsent war.
Pierre Brice, 2015 verstorben, verriet im SPIEGEL einmal die seine:
„Die Szene in der Tropfsteinhöhle [in ‚Winnetou II‘] ist meine allerliebste, wenn Karin Dor mir zuruft ,Was sagt Winnetous Herz?‘ und ich antworte ,Ribanna‘…“
Uwe Beyer, den bereits 1992 verstorbenen Siegfried-Darsteller von 1966, und Prof. Rolf Henninger, ihren unglückseligen Filmgatten Gunther von Burgund, können wir nicht mehr fragen.
Aber vielleicht gab es ja längst ein frohes Wiedersehen in einer Sphäre, von der wir kurzsichtigen und kurzlebigen Hinterbliebenen keine Ahnung haben.

RIP Karin-Ribanna-Brunhild!

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

 

(Pierre Brice singt das schöne Lied „Ribanna“.)

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Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

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