Lebendige Erinnerung

3. Februar 2017

Martin Gotthard Schneider

„Danke!“
Martin Gotthard Schneider (* 26. April 1930 in Konstanz; † 3. Februar 2017 ebenda) war ein bedeutender deutscher Kirchenmusiker, Kirchenmusikdirektor und Landeskantor, der mit seinem Lebenswerk mehr für den christlichen Glauben erreicht hat als mancher Bischof, Kardinal oder Theologieprofessor.
Berühmt ist Martin Gotthard Schneider vor allem für ‚sein‘ Lied bereits von 1961, das rasch auch das unsere wurde: „ ‚Danke‘ kennt irgendwie jeder“. (Deutschlandradio Kultur vom 05.05.2012)

1964 lernte ich als achtjähriger Zweitklässler einer Mannheimer Grundschule (‚Albrecht Dürer-Schule“) im Religionsunterricht dieses damals noch ganz neue und neuartige Kirchenlied singend kennen und seither ließ es mich nicht mehr los – auf Augenhöhe mit Bonhoeffers Widerstandsgedicht „Von guten Mächten“, das der noch lebende, ‚erst‘ 70jährige deutsche Liedermacher und Bildhauer Siegfried Fietz kongenial vertont hat und hier selbst gekonnt singt:

Der damals noch junge spätere Kirchenmusikdirektor und Landeskantor Schneider hat freilich beides geschrieben: den schlichten, aber ergreifenden Text und die genau hierzu passende ebenso schlichte, ergreifende Melodie. Solche Doppelbegabung zu Ehren Gottes ist höchst selten.
„Schneider hielt den Ängsten des Kalten Krieges [die Kuba-Krise] eine Art Fundamentalismus der Sorglosigkeit entgegen“, schreibt Lucas Wiegelmann in Nachruf für die ‚Welt‘.
Der besondere Kniff des Liedes besteht in seiner strophenweisen, jeweils angenehm überraschenden Modulation immer einen Halbtonschritt höher (indem sich jeweils an die Tonika eine umgedeutete Dominante anschließt) – Symbol für die Unendlichkeit des Glaubens und Unerforschlichkeit Gottes, zugleich eine musikalische Herausforderung auch für uns Nachspielende, Nachsingende.
Als junger Pädagogik- und Schulmusikstudent improvisierte ich es am Klavier, als Lehrer brachte und bringe ich es meinen Schüler(inne)n bei – zu einer einfachen, aber wirkungsvollen Orff-Begleitung.

Alle paar Jahre dachte ich daran, Martin Gotthard Schneider zu kontaktieren, diesem in seinem christlichen Glauben und seinem unvergleichlichen Lebenswerk lebenslange Vorbild ganz persönlich „Danke!“ zu sagen bzw. zu schreiben. Es ist vielleicht falsch, sich hier als falscher Bescheidenheit oder meist unbegründeter Angst vor Zurückweisung zurückzuhalten – und nun ist es zu spät…

Wer das berühmte und bereits damals preisgekrönte, auch in schulischen Musikbüchern enthaltene Lied kennenlernen möchte, kann dies am besten in der damaligen Botho Lukas-Chor:

Danke für diesen guten Morgen

Ein zweites Kirchenlied ist fast ebenso bekannt:
„Ein Schiff das sich Gemeinde nennt“

Schneiders eigene Variante seines Dank-Liedes „Danke für diese Abendstunde“ erleben wir auf YouTube in einem Gottesdienst:

Wer mag, kann sich den Kirchenlied-Klassiker auch von Heino (volkstümelnd) oder den ‚Ärzten‘ (als halber Rap) anhören, als etwa bemühte Orgelimprovisation (Toccata über „Danke für diesen guten Morgen“)

oder umgeschriebenes Hochzeitslied.
Ich selbst halte mich an meine beiden Erstversionen: unsere im Klassenzimmer und die des Botho Lukas-Chors.
Martin Gotthard Schneider hat in seinem langen Leben Großes, Bleibendes geleistet: Endgültig auf den Spuren wandelte Martin Gotthard Schneider mit seiner umfangreichen Kantate „Herr, wir brauchen den Hirten“

Zum einen gründete er 1961 in Freiburg die Heinrich-Schütz-Kantorei, die er bis 2009 leitete – im Alter von 78 Jahren!
Zum anderen war er ein ausgezeichneter Musiker über die Kirche und die Orgel hinaus, wie seine Cembalo-Einspielung der 32 gerade in Schneiders Improvisation hörenswerten Sonaten des klassischen italienischen Komponisten Domenico Cimarosa beweist, der vor allem Opern geschrieben hat:

Wie haben wir uns die Ankunft des großen Kirchenmusikers im Himmel vorzustellen?
Zu sphärischen Klängen aus einer überirdischen Improvisation seines Kirchenlied-Hits, die sich unser begrenztes menschliches Ohr nicht vorzustellen vermag, hört der noch von seiner letzten Reise leicht Benommene, leicht Desorientierte, wie eine gütige Stimme aus dem Off der Unendlichkeit und Unsterblichkeit eindringlich spricht: „Danke, Bruder Martin – und herzlich Willkommen!“
Heinrich Schütz, Johann S. Bach, Anton Bruckner werden ihn als einen der ihren empfangen und ein Engelschor wird für ihn seine Lieder gesungen haben: Dies ist für uns Trauernde zumindest eine schöne, tröstliche Vorstellung.

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

Gedanken und Erinnerungen an Martin Gotthard Schneider hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

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