Lebendige Erinnerung

24. August 2016

Walter Scheel

Walter Scheel (* 8. Juli 1919 nahe Solingen; † 24. August 2016 in Bad Krozingen)

Chapeau, was für ein Politikerleben!:

fast ein Leben lang Politiker der FDP (als die noch das Zünglein an der Waage der Bundestags- und Landtagswahlen war);
seit 1963 mehrfach und in verschiedenen Koalitionen Minister der Bundesrepublik Deutschland (mit Bonn als Bundeshauptstadt), zudem (als Außenminister) Vize-Kanzler, der nach dem Rücktritt Willy Brandts 1974 die Bundesregierung führte;
der vierte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (von 1974 bis 1979);
mehrfacher Vater, auch nach Adoption (der Tochter Cornelia seiner zweiten, ebenso berühmten Frau Dr.med. Miltred Scheel, tatkräftige Gründerin der ‚Deutschen Krebshilfe‘, der demnächst ein eigener Nachruf gelten soll);
1969 Krawattenmann des Jahres (und auch sonst dezent modebewusst);
nicht zuletzt begeisterter und stimmgewaltiger Hobby-Sänger, der deutsches Liedgut in die Welt trug.

An diesen grandiosen Auftritt des Männerchores, in dem Walter Scheel, längst ein bekannter Politiker, jahrzehntelang mitsang und nunmehr am 6. Dezember 1973 in der Fernsehshow „Drei mal Neun“ (mit dem ebenfalls unvergessenen Wim Thoelke als Gastgeber) für den guten Zweck der ‚Aktion Mensch‘ (die damals noch ‚Aktion Sorgenkind‘ hieß) durchaus hörenswert als Solist glänzen konnte, erinnern sich die Älteren unter uns als erstes – und das ist ein Kompliment:
Walter Scheel war beliebt, volksnah, dabei bescheiden und liebenswürdig.
Das seither noch häufiger als zuvor in der Schule und in Musikvereinen gesungene bzw. gespielte Lied wird das Markenzeichen seiner Präsidentschaft bleiben.

Als Präsident war er damals mit seinen erst 45 Jahren eher noch jung und brachte als erster jugendlichen Schwung in die ‚Villa Hammerschmidt‘: Das grandiose Ehepaar Scheel hatte drei Kinder – schon damals eine moderne ‚Patchwork-Familie‘.
Politisch handelte er stets verantwortungsbewusst und zum Wohle unseres Landes; die Annäherung an das andere Deutschland ist auch ihm zu verdanken.
Gemeinsam mit Willy Brandt galt und gilt er als „Vater der Entspannungspolitik“ und der neuen Deutschlandpolitik.
Ein US-Diplomat, der lange in Bonn stationiert war, nannte Scheel einmal respektvoll einen „imponierenden Hasardeur“. Tatsächlich (so der SPIEGEL vom 24.08.2016) hat „Walter Scheel in den entscheidenden Augenblicken seines politischen Lebens immer alles auf eine Karte gesetzt – und gewonnen. Vielleicht hat Hans-Dietrich Genscher deshalb einmal über seinen Vorgänger auf dem FDP-Chefsessel und im Außenamt geschwärmt: ‚Seine Geschichte liest sich wie die Geschichte vom Hans im Glück.‘…“

Lesens-, sehenswert sind die Nachrufe in den Medien von der Tageszeitung bis hin zum Fernsehen.
Lohnend ist darüber hinaus zunächst eine auf YouTube vorrätige Dokumentation von 2015:

„Walter Scheel. Die Besten im Westen“ – da können wir auch das Lied hören, das ihm, dem Bundespräsidentin, sogar bei Staatsempfängen als deutsche ‚Nationalhymne‘ gespielt wurde.

Und wenn wir ohnehin Online sind, lohnt sich auch die WDR-Dokumentation
„Mildred Scheel, die First Lady und der Kampf gegen den Krebs“:

Hoch zu Ross saß Walter Scheel zu Lebzeiten nie; vielleicht sitzt er nun aber mitten in einer extra reservierten Wolke „hoch auf dem gelben Wagen“, gemeinsam mit seiner Frau Miltred, den Alt-Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt, seinem Nachfolger als FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher – und sie singen gemeinsam: „Ich wäre so gern noch geblieben…“

Mehr als diese fünf passen nicht rein in die Kutsche; aber FDP-‚Enkel‘ Guido Westerwelle fährt in seinem Guidomobil fröhlich direkt hinterher – aus Respekt mit ein bisschen Abstand, versteht sich.

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

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