Lebendige Erinnerung

16. Mai 2013

Heinrich Rohrer

Heinrich Rohrer, geboren am 6. Juni 1933 in Buchs (Kanton St. Gallen), verstorben kurz vor seinem 80. Geburtstag am 16. Mai 2013 in Wollerau (Kanton Schwyz), war ein Schweizer Nobelpreisträger für Physik, eine aussergewöhnlich kreative und originelle naturwissenschaftliche Persönlichkeit. Bekannt wurde er auch durch seine Warnung, die Jugendlichen, auch hochbegabte, nicht zu früh auf das Feld der Spezialisierung zu schicken, sondern einer möglichst breiten, reflexionsorientierten Allgemeinbildung den Vorrang zu geben. So in einem Gastvortrag kurz vor der Jahrtausendwende im Saal des Studienheims Don Bosco vor den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Kantonsschule Beromünster (Kanton Luzern).

Der Schweizer Vater der Nanotechnologie und Nobelpreisträger von 1986 verstarb am nach langer Krankheit im 80. Altersjahr zu Hause in Wollerau SZ, wie die Familie am Pfingstsonntag 2013 mitteilte.

Rohrer wurde gemäss einer Mitteilung der Schweizerischen Depeschenagentur in Buchs im St. Galler Rheintal geboren, als Bruder einer Zwillingsschwester, die eine halbe Stunde vor ihm zur Welt gekommen war. Er studierte Physik an der ETH Zürich, wo er sein Studium mit einer Dissertation zum Thema «Druck- und Volumeneffekte in der Supraleitung» abschloss.
Nach Studien- und Forschungsjahren im In- und Ausland kam er 1963 ans IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon ZH. Dort erforschte er kleinste Fehler auf der Oberfläche von Silizium-Kristallen, die einer weiteren Miniaturisierung von Computerchips im Wege standen. 1978 holte Rohrer den deutschen Physiker Gerd Binnig nach Rüschlikon, weil dieser auf demselben Gebiet forschte.

Gemeinsam bauten sie das Raster-Tunnel-Mikroskop. Mit diesem Instrument liessen sich erstmals die kleinsten Teilchen – Atome und Moleküle – sichtbar machen, neu arrangieren und erforschen. Rohrer und Binnig schufen damit den Grundstein für die Nanotechnologie. Für ihre Erfindung erhielten sie, wie es bei den Naturwissenschaften üblich ist, gemeinsam den Nobelpreis für Physik.

Nach der Auszeichnung als 19. Schweizer Nobelpreisträger sagte Rohrer in einem Interview, er habe längere Zeit nicht gewusst, was er studieren wolle. Am Ende habe er sich aber mit einiger Überzeugung für ein naturwissenschaftliches Studium entschieden. «Es war aber nicht so, dass Physiker mein Kindertraum war. Ich war vielmehr mehrfach interessiert und neugierig.»

Dr. phil. Pirmin Meier
Gymnasiallehrer und Schriftsteller
Beromünster

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