Lebendige Erinnerung

16. Mai 2012

Kurt Felix

Kurt Paul Felix (* 27. März 1941 im Kanton St. Gallen; † 16. Mai 2012 ebenda) war ein schweizerisch-italienischer Fernsehmoderator und Fernsehjournalist – und bleibt ‚auf ewig‘ eine Fernsehlegende. Gestern wäre er 75 Jahre geworden.

Felix heißt lateinisch ‚der Glückliche‘. Dies war Kurt Felix lange, wenn auch nicht ganz bis zu seinem Lebensende; vor allem aber hat er Generationen von Fernsehzuschauern glücklich gemacht – und nach ihrem eigenen Bekenntnis seine Frau und Witwe Paola, die als Gralshüterin seines Lebenswerkes die Erinnerung an ihn wachhält.
Zugegeben, ein großer Fan des bekanntesten von ihm erdachten Fernsehformats ‚Verstehen Sie Spaß?‘ war ich nie: Das Entsetzen und die Schadenfreude, mit denen hier „mit konstanter Boshaftigkeit“ (ein Zitat von Kurt Felix selbst) oft nicht sonderlich originell gespielt wurde, tat manchmal richtig weh.
Nicht mit echtem, ungetrübten Spaß ansehen konnte ich mir u.a.
ein versenktes vermeintlich nagelneues Auto;
während der Festrede zu einer Vernissage umstürzende, tatsächlich wertvolle Glasbilder (ein klarer Fall von mutwilliger Sachbeschädigung und Kunstvandalismus);
Softeis zum Abwinken aus einer vermeintlich defekten Maschine;
ein hilflos-verzweifeltes Kind in einer manipulierten Drehtür;
einen zu Recht gegen den Kommerztourismus wetternden Reinhold Messner auf einem frühmorgens eigens installierten Kiosk auf dem Matterhorn – wobei ich Kurt Felix dafür bewundert habe, wie er sich mit einer Champagnerflasche und zwei Gläsern aus schwindelnder Höhe von einem Hubschrauber abseilen ließ: Respekt!

Diese Verärgerung, Enttäuschung und Verzweiflung der sich über Minuten geschädigt, geprellt, womöglich um ihr Lebenswerk betrogen fühlenden Opfer vordergründigen Klamauks will ich mir bis heute nicht anschauen, auch weil Kurt Felix‘ Nachfolger allesamt und bis heute nicht an ihn herankommen.
Das Sendekonzept selbst wird vielfach, auch von der Medienkritik als Eingriff in die Privatsphäre und das Persönlichkeitsrecht empfunden; tatsächlich sind in der BRD heimliche Aufnahmen in nichtöffentlichen Räumen laut Strafgesetzbuch untersagt, woran auch eine nachträglich eingeholte Genehmigung nichts ändert.
Die Macher der Sendung bewegten / bewegen sich also auch rechtlich am Rande der Legalität.
Immerhin, im Gegensatz zu ‚Einer wird gewinnen‘, ‚Wetten dass…‘, ‚Auf los geht’s los!‘ lebt die Sendung noch – oder wird mühsam zumindest am Leben erhalten.
Und dies schon seit Jahrzehnten, seit Kurt Felix gemeinsam mit seiner (als Sängerin und Moderatorin) kongenial begabten Ehefrau Paola Del Medico nicht mehr selbst moderiert – vielleicht auch aus der Einsicht in die moralische Fragwürdigkeit des Fernsehformats.

Auf diesem Portal betrachten und würdigen wir freilich Persönlichkeiten, die einen Nachruf verdient haben – keineswegs ausschließlich ihres Berufslebens wegen.
Als Mensch, als aufmerksamer Gastgeber wie als kluger Gesprächspartner mit Witz und Charme sucht Kurt Felix bis heute seinesgleichen – und als liebenswerter Ehemann!
Bereits 1988 wurden er und seine Paola in einer repräsentativen Umfrage (des Meinungsforschungsinstitutes Emnid) von den Zuschauern zum beliebtesten Moderatorenpaar im deutschen Fernsehen gewählt; sie waren auch das mit Abstand attraktivste.
Kurt Felix und Paola waren ein Traumpaar und sind es noch – auch wenn er vor einigen Jahren von uns ging, den langen Kampf gegen die nach wie vor gefährliche, immer wieder tödliche Krankheit Krebs beim zweiten Mal nicht überlebte.
Und seine Witwe zeigt uns, wie ein Weiterleben ohne den geliebten Partner in Würde möglich ist.

Kurt Felix‘ Leben ist u.a. im Internet nachzulesen:
Er wuchs nach der Scheidung seiner Eltern bei Pflegeeltern auf. Einige seiner schon zu Schulzeiten verfassten Hörspiele, damals ein und modernes Genre für das beliebte Medium Radio, wurden gesendet. Neben seinem Hauptberuf als Lehrer arbeitete er in den 60er Jahren als Radio- und Fernsehreporter, ehe er 1965 als idealer Programmgestalter für die Abteilung Kultur und Wissenschaft zum Schweizer Fernsehen wechselte, dort eigene erfolgreiche Sendeformate entwickelte (‚Verstehen Sie Spaß?‘, ‚Teleboy‘).

Wenn‘s am schönsten und erfolgreichsten ist, sollte man aufhören – was freilich den wenigsten gelingt. Hierzu braucht es Gespür und die Fähigkeit, erstens loszulassen und sich zweitens nicht allzu wichtig zu nehmen.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere und zu seinem 50. Geburtstag wechselte Felix hinter die Kamera, entwickelte jedoch weitere Samstagabendshows, schrieb Fernsehkolumnen und genoss zu Wasser wie in den Bergen sein wahrhaft glückliches Leben an der Seite seiner Traumfrau – bis erstmals im Jahr 2003 eine Krebserkrankung ausbrach und ihn zwang, sich endgültig ins Privatleben zurückzuziehen.
Unvergessen, wie er 2003 seinen Lebenswerk-‚Bambi‘ mit einer charmanten Liebeserklärung seiner gemeinsam mit uns Zuschauern sichtlich gerührten Frau widmete.

Die intensive medizinische Behandlung und seine eiserne Disziplin besiegten den Krebs nur scheinbar – ein Pyrrhussieg: Denn Anfang April 2010 kehrte er zurück, gnadenlos wie auch in anderen Fällen (? Westerwelle, ? Maranow, ? Willemsen, ? Jonny Heimes).
Im März 2012, mit 71 Jahren erlag Kurt Felix im St. Gallener Krankenhaus seiner tückischen Krankheit, schloss für immer seine zuvor so wachen, offenen Augen, aus denen über Jahrzehnte der Schalk geblitzt hatte.
„Es war für ihn eine Erlösung, für immer einschlafen zu dürfen“, schrieb Paola voller Traurigkeit, aber auch voll Trost – und berichtet von den letzten Augenblicken angesichts des Todes: „Mit einem Lächeln im Gesicht ist Kurt von dieser Welt gegangen.“

Erlaubt uns dieses Lächeln, die Heiterkeit und ‚Gelöstheit‘ in dieser Situation, die Angehörige in tiefste Trauer und Verzweiflung stürzt, Schlussfolgerungen auf die ‚Welt‘, die wir nach unserem irdischen Tod betreten und die auch Kurt der Glückliche betrat?
Sicher ist, dass er mit dieser heiteren Haltung die grausame Krankheit besiegt hat – und vielleicht auch den Tod. Sicher ist weiterhin, dass er seine geliebte Ehefrau Paola nicht wirklich verlassen hat, weil sie in Gedanken weiterhin bei ihm ist.
Dass er nun u.a. mit seinen allesamt großartigen Kollegen Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, Peter Frankenfeld, Wim Thoelke auf deren Stammwolke zusammensitzt, ist zumindest eine tröstliche Vorstellung, die uns hilft, den Verlust zu ertragen – und die eigene Angst vor dem sicheren Tod, aber dessen Ungewissheit zu mindern.

Ehefrau Paola (allein schon ihr Mädchenname ‚Paola Del Medico‘ ist reine Musik) hatte einige schöne Lieder, z.B. ‚Blue Bayou‘, nahm zwischen 1969 und 1980 für die Schweiz am ‚Grand Prix Eurovision de la Chanson‘ teil, jeweils unter den fünf Besten.
Paola singt heute nur noch selten – aber wenn, dann ganz bestimmt auch für ihren geliebten, auch für uns unvergesslichen Ehemann, für Kurt Felix:

http://www.clipfish.de/musikvideos/video/4061808/paola-blue-bayou-zdf-hitparade-11121978/

Berührend ist ein einfühlsamer Rückblick auf ein wahrhaft ‚glückliches‘, zugleich beglückendes Leben, der diesen Nachruf würdig abschließen soll; ich jedenfalls war den Tränen nahe bei diesen sorgfältig ausgesuchten Szenen aus dem Leben der Fernsehlegende Kurt Felix teilweise in (halbwegs verständlichem) Schwyzerdütsch, das er und Paola selbstverständlich auch beherrschten.

Wahrlich, wir sollten ihm „auf ewig dankbar sein!“
RIP Felix!

 

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

Einträge:

Im Gedenken an Kurt Felix…..er hat soviel gemacht und erschaffen, viel lustiges und schönes….und wird somit unvergessen bleiben, seine versteckte Kamera und seine anderen Show’s und Sendungen…..schade, dass er nicht mehr unter uns weilt…..Licht und Liebe….auch für seine Familie…..wo immer Du auch bist….Antonia

Eintrag by Antonia Markowski am 24.Januar 2013


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