Lebendige Erinnerung

10. Mai 2012

Gunnar Sønsteby

Gunnar Fridtjof Thurmann Sønsteby DSO (* 11. Januar 1918 in Rjukan; † 10. Mai 2012) war ein norwegischer Widerstandskämpfer aus der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens zwischen 1940 und 1945. Er war 2012 der am höchsten dekorierte Staatsbürger des Königreiches.

Zusammen mit Max Manus war Sønsteby 1943 bis 1945 einer der führenden Köpfe der so genannten Oslogjeng (Oslobande) und war im Laufe des Krieges an einer Vielzahl von Sabotageaktionen beteiligt. Er operierte unter 30 bis 40 verschiedenen Decknamen (u. a. Kjakan, Nr. 24). Erst gegen Ende des Krieges gelang es der Gestapo, seinen richtigen Namen herauszufinden. Doch obwohl sie ihm zeitweise eng auf den Fersen war, gelang es ihr letztlich nie, ihn festzunehmen.
Kindheit und Jugend

Sønsteby wuchs in der kleinen südnorwegischen Industriestadt Rjukan in Telemark auf. Bereits als Schüler verbrachte er mit Kameraden viel Zeit auf Wandertouren in den umliegenden Bergen.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums 1937 zog Sønsteby nach Oslo, wo er seinen Wehrdienst ableistete und ein Studium der Sozialökonomie begann. Auch dort pflegte er seine Leidenschaft für Bergtouren und das Skifahren. Viele seiner Tourkameraden – unter ihnen Knut Haugland, Halvor Rivrud, Olav Skogen, Leif Nilsen, Rolf Solem, Turjus Aarnes, Knut Berge und Einar Nordgaard – waren später ebenfalls im norwegischen Widerstand aktiv.
Besetzung und Widerstand

Als deutsche Truppen am 9. April 1940 Norwegen besetzten, arbeitete Gunnar Sønsteby als Assistent der Buchhaltung. Er schloss sich norwegischen Einheiten im Osten des Landes an und folgte ihnen ins Østre Gausdal, musste jedoch bald darauf mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus.

Noch im selben Jahr begann Sønsteby, sich in der aufkeimenden Widerstandsbewegung in Norwegen zu engagieren, wo er zunächst im Kreis um den Studentenführer Knut Møyen aktiv war. Er war – unter anderem mit Max Manus – auch an der Herausgabe der verbotenen Zeitung Vi vil oss et land (Wir fordern ein Land für uns) beteiligt.

1941 ging er nach Schweden, wo er in Kontakt mit der Special Operations Executive (SOE) kam, einer geheimen britischen Militäreinheit mit dem Auftrag, Sabotageaktionen in von Deutschland besetzten Ländern zu organisieren und zu fördern. Nach einem erfolglosen Versuch, unbemerkt nach Großbritannien zu gelangen – Sønsteby zog sich auf dem Weg nach Ålesund Erfrierungen am Bein zu – führte er für die Britische Vertretung in Stockholm in der Folge verschiedene Kurier- und Aufklärungsaufträge in Norwegen durch. 1942 wurde er von der schwedischen Polizei interniert und saß drei Monate im Gefängnis, bis es ihm schließlich gelang, sie zu überzeugen, nicht der gesuchte Gunnar Sønsteby zu sein.

Im weiteren Verlauf des Jahres stationierte ihn die SOE als britischen Geheimagent und Vertrauensmann im besetzten Oslo. Unter dem Decknamen „No. 24“ baute er ein Netzwerk an konspirativen Wohnungen und Kontakten zu anderen Widerstandsgruppen auf. Unter anderem arbeitete er während dieser Zeit mit der Organisation 2A und Asbjørn Sundes Osvald-Gruppe zusammen. Der Kontakt zur Milorg bestand über Knut Møyen.

Am 23. Februar 1943 wurde Sønstebys Vater Gustav in Sippenhaft genommen und bis Dezember 1944 im Gefangenenlager Grini interniert.

Nachdem er im April 1943 selbst nur knapp der Gestapo entkommen war, flüchtete Sønsteby erneut nach Stockholm. Von dort wurde er nach Großbritannien geschickt und im Juni 1943 in die Kompanie Linge (norw. Kompani Linge, eigentlich Norwegian Independent Company No. 1 (NORIC 1)) eingebunden. Nach einer geheimdienstlichen Ausbildung wurde er im Oktober mit dem Fallschirm wieder über Norwegen abgesetzt und arbeitete zunächst als „Mann für alle Fälle“ für seinen Freund Knut Haugland. Später übernahm er die Rolle des Aktionschefs in der zentralen Führung der Milorg sowie die Leitung der Sabotagegruppe Oslogjengen.



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