Dr. Uli Däster
Dr. Uli Däster, geboren im Raum Lenzburg am 12. März 1942, kurz vor seinem 70. Geburtstag an den Folgen eines Krebsleidens am 2. März 2012 verstorben, zuletzt wohnhaft gewesen in Nussbaumen bei Baden, war ein vorzüglicher Schweizer Gymnasiallehrer aus dem Kanton Aargau mit Verdiensten als Erforscher des Werkes von Johann Peter Hebel, als Kunstkritiker und Verfasser von Kunstbänden sowie allgemein als Publizist und einflussreicher Kulturpolitiker.
Der Sohn einer Lehrerfamilie studierte an der Universität Zürich Germanistik, Latein und Kunstgeschichte. Ab 1968 lehrte er an der 1961 gegründeten Kantonsschule Baden Deutsch und Latein. Gründungsrektor Dr. Fritz Schaufelberger engagierte in den sechziger Jahren eine Riege von vielseitigen jungen Gelehrten, so nebst anderen den Theatergründer, Theatermacher und späteren Politiker Dr. Anton Keller einerseits und den publizistisch begabten Dr. Uli Däster andererseits. Beide gehörten, nacheinander, einer der bedeutendsten Kulturförderungsorganisationen der Schweiz an, nämlich dem Aargauer Kuratorium für die Förderung des kulturellen Lebens. Dem Kuratorium stand es zu, eines der fortschrittlichsten Kulturgesetze der Schweiz, das Aargauer Kulturgesetz, mit Inhalt und Leben zu füllen. Dazu vermochten die beiden Badener Kantonsschullehrer dank einer ausgeprägt breiten Allgemeinbildung, weitem Horizont, stupender vielseitiger Sachkenntnis wie auch mit dem nötigen kulturpolitischen Gespür Wesentliches beizutragen.
Unter den Gymnasiallehrern seiner Generation gehörte Uli Däster gewiss zu denjenigen, die trotz eines vollen Engagements im Schulzimmer noch und noch Publikationen von Rang und einem eindrucksvollen Grad an Beachtung in den Druck gegeben haben. Dästers biographische Studie über Johann Peter Hebel erreichte als Rowohlt-Monographie in den siebziger Jahren acht Auflagen. Auch über den Musiker und Künstler Peter Mieg (1906 – 1990), über den Meister des magischen Realismus Wilhelm Schmid (1892 – 1971), über die für den Aargau seit den siebziger Jahren wegweisende Künstlerin Gillian White (*1939) und über den am Hallwilersee lebenden vielseitig engagierten Kunstschaffenden David Zehnder (* 1952) hat Uli Däster repräsentative Publikationen herausgebracht, nicht zu vergessen seine mannigfache Mitarbeit bei Kunstkatalogen und Kunstausstellungen, zumal im aufblühenden Aargauer Kunsthaus Aarau zur Zeit der für das Renommee dieser Institution massgeblichen Direktoren Heini Widmer (1927 – 1984) und Beat Wismer (*1953).
Der Germanist Dr. Uli Däster aus der Tradition der Zürcher Schule der Emil Staiger, Rudolf Hotzenköcherle und Max Wehrli hat sich einen Namen als Literaturkritiker und als hellsichtiger Begleiter des aargauischen Literaturschaffens gemacht, so betreffend den wohl am weitesten ausstrahlenden Autor der letzten Jahrzehnte, Hermann Burger (1942 – 1989) und die Autorin Claudia Storz (*1948). Über seine Tätigkeiten als Gymnasiallehrer, Kunstkritiker, Kolumnist und kulturpolitischer Kurator hinaus nahm Dr. Däster auch seine staatsbürgerlichen Pflichten wahr, so einige Amtszeiten lang im Amt des Einwohnerrates der Gemeinde Obersiggenthal. Gewählt wurde er als Vertreter der Evangelischen Volkspartei. Uli Däster war kein sich ereifernder, aber ein guter und besonnener Rhetoriker. Eine der wohl bedeutendsten Reden seines Lebens hielt er in der Stadthalle Lörrach vor dem Hebelbund zum Thema “Der Heimatdichter Hebel”, welche im Band 23 einer prominenten Reihe von Veröffentlichungen über den grossen Erzähler publiziert worden ist.
Nach dem Zeugnis seines langjährigen Kollegen, Alt-Nationalrat Dr. Anton Keller (*1934), war Uli Däster ein pädagogisch vorzüglicher verständnisvoller und doch gestrenger, auf sprachliche Form achtender Lehrer, welcher sich weder in der Epoche um 1968 noch später seinen Schülerinnen und Schülern angebiedert habe. Er lebte das Ethos eines Lehrers, der sich selber und seinen Schülern einiges abverlangte und die Überzeugung praktizierte, sowohl der Schule als auch einer weiteren Öffentlichkeit einiges schuldig zu sein. Schulqualität also im Geiste des Gründungsrektors Dr. Fritz Schaufelberger, zu dessen programmatischen Publikationen eine Studie über Schiller und Pestalozzi zu zählen ist. Qualität war im Sinne der Pioniere der Kantonsschule Baden also nicht primär das, was man heute “Qualitätsmanagement” nennt, sondern geistige Auseinandersetzung und behutsames Hören auf die bedeutendsten Stimmen der Geistesgeschichte. Zugleich aber galt es, den aktuellen Strömungen der Gegenwart Gesicht und Stimme zu geben. In diesem Sinne hat Dr. Uli Däster das Profil einer humanistischen Persönlichkeit gewonnen. Eine eher leise Stimme, kein Alphatier, weder vor der Klasse noch im kulturpolitischen Engagement. Er verdient nicht nur ein liebevoll-anerkennendes Gedenken seiner zahlreichen ehemaligen Schülerinnen und Schüler, sondern in nicht geringerem Ausmass auch den Dank der Republik. Dr. Uli Däster hinterlässt gemäss Todesanzeige seine Gattin Margrit Däster-Senn sowie zwei Töchter und ebenso viele Enkel.
Dr. phil. Pirmin Meier
Gymnasiallehrer und Schriftsteller
CH-6215 Beromünster