Trayvon Martin
Trayvon Martin (* 5. Februar 1995; † 26. Februar 2012 in Sanford, Florida) war ein afroamerikanischer Jugendlicher, der in Sanford im US-Bundesstaat Florida von George Zimmerman, einem 28 Jahre alten weißen Latino, erschossen wurde.
Abfolge der Ereignisse [Bearbeiten]
George Zimmerman, ein Mitglied einer Nachbarschaftswache in einer Gated Community von Sanford, sah Trayvon Martin, als dieser auf dem Weg von einer Tankstelle, wo er sich eine Packung Skittles und eine Dose Eistee gekauft hatte, zum Haus der Freundin seines Vaters war. Zimmerman rief die Polizei an und berichtete über verdächtiges Verhalten des Jugendlichen: This guy looks like he is up to no good. He is on drugs or something. („Dieser Junge führt nicht Gutes im Schilde. Er ist auf Drogen oder so etwas.“). Die Polizei wies ihn daraufhin an, zunächst nichts weiter zu unternehmen. Kurz darauf gab Zimmerman der Polizei durch, dass der Verdächtige zu laufen angefangen habe und er ihn verfolge. Die Polizei wies ihn daraufhin an, dies zu lassen: We don’t need you to do that. („Das brauchen wir nicht“), worauf dieser mit „OK“ antwortete. In einem Telefonat mit seiner Freundin beklagte sich Trayvon Martin darüber, dass ihn ein ihm unbekannter Mann verfolge, wenig später erschoss Zimmerman den unbewaffneten Jugendlichen.
Zimmermans Telefonat mit der Polizei (die rassistische Äußerung [fucking coons] wird nach 2 Min 21 Sek vermutet).
Nachdem der Täter die Erschießung als Notwehr dargestellt hatte, wurde er weder festgenommen noch weiter verhört. Nach der im Polizeibericht wiedergegebenen – und später im Orlando Sentinel veröffentlichten – Darstellung von Zimmerman habe Trayvon Martin ihn zunächst gefragt, warum er ihn verfolge. Nach seiner Rückfrage, was er hier mache, habe Martin ihn überraschend mit der Faust niedergeschlagen und, nachdem er am Boden lag, seinen Kopf mehrfach auf den Boden gehauen. Daraufhin schoß Zimmerman ihm in die Brust. Nach der Tat blutete Zimmermans Nase und sein T-Shirt war verschmutzt. Die sonst bei Tötungsfällen übliche Alkohol- oder Drogenkontrolle nahm die Polizei nicht vor. Das Notruftelefonat des Täters wurde von der Polizei aufgenommen. Es wurde vermutet, dass der Notruf eine halblaut gemurmelte rassistische Äußerung enthält. Dies konnte aber bisher nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Die Polizei hatte sich zunächst geweigert, dieses Gespräch zu veröffentlichen.
Der Fall löste eine Diskussion über die Voraussetzungen und Grenzen der Notwehr aus, insbesondere im Bundesstaat Florida. Von den Polizeibeamten war geltend gemacht worden, dass sie aufgrund des seit 2005 in Florida geltenden sogenannten „Stand-your-ground law“, das unter republikanischen Gouverneur Jeb Bush Gesetzeskraft erlangt hatte, keine Handhabe gegen Zimmerman hätten. Der Waffengebrauch sei bei Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit zur Notwehr zulässig und sie hätten keinen Anlass, an der Darstellung des Geschehens durch Zimmerman zu zweifeln.
Die Republikaner Durell Peaden und Dennis K. Baxley, die das „Stand Your Ground Law“ in den Gesetzgebungsprozess eingebracht hatten, erklärten allerdings, ihr Gesetz besage lediglich, dass gesetzestreue Menschen nicht dazu verpflichtet sind, vor einem Angreifer zurückzuweichen, sondern das Recht hätten, Gewalt mit Gewalt zu begegnen. An keiner Stelle des Gesetzes stehe aber, dass eine Person das Recht habe, die Konfrontation mit einer anderen Person provokativ herbeizuführen. Die Notruf-Telefonaufzeichnungen würden die Vermutung nahelegen, dass Zimmerman seine Grenzen überschritt, als er der Polizei durchgab, er werde Trayvon Martin folgen, und dann die Aufforderung der Polizei, dies nicht zu tun, einfach ignorierte. „In diesem Augenblick verlor er sein Recht auf Selbstverteidigung“, erklärte Peaden. „Als er sagte ‚Ich folge ihm’, verlor er sein Recht auf Selbstverteidigung.“
In den USA kam es zwei Wochen nach dem Tod Trayvon Martins zu bundesweiten Demonstrationen gegen Rassendiskriminierung und Polizeiwillkür. In diesem Zusammenhang wurden Ermittlungen des FBI aufgenommen, die sich sowohl gegen den Täter richten als auch das Verhalten der Polizeibeamten vor Ort untersuchen sollen. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, ob die Tat einen rassistischen Hintergrund hat, da für die Verfolgung eines sogenannten hate crime Bundesbehörden zuständig wären. Von Zimmermans Freunden, darunter auch Afroamerikanern, wurde bestritten, dass dieser ein Rassist sei und darauf hingewiesen, dass Zimmerman selbst ein Latino sei. Am 24. März 2012 protestierten erneut Tausende Demonstranten in Washington, New York, Chicago und Tampa gegen rassistische Tendenzen in den USA. Viele Demonstranten traten dabei ostentativ in Kapuzenjacken (hooded sweatshirts, “hoodies”) auf, wie sie gerne von afroamerikanischen Jugendlichen getragen werden.