Vincenzo Consolo
Vincenzo Consolo (* 18. Februar 1933 in Sant’Agata di Militello bei Messina; † 21. Januar 2012 in Mailand) war ein italienischer Schriftsteller. Er ist im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit in Mailand verstorben. Er gehörte, wie der Folio-Verlag Bozen mitteilt, zu den wichtigsten literarischen Stimmen Italiens. Enger Freund Leonardo Sciascias, jahrelanger Berater für den Einaudi-Verlag, Gewinner des renommierten Premio Strega.
Vincenzo Consolo wurde im sizilianischen Sant’Agata di Militello in der Nähe von Messina geboren, seit 1969 bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er hauptsächlich in Mailand. Mit dreißig Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman La ferita dell’aprile (1963; dt. Die Wunde im April, 1990), mit dem er nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland bekannt wurde. Mit Il sorriso dell’ignoto marinaio (1975; dt. Das Lächeln des unbekannten Matrosen, 1984) konnte er seinen Ruf als großer Stilist und Moralist festigen. Höchste literarische Qualität verband er mit brisanten politischen Aussagen. L’Unità sprach von der “Einzigartigkeit, höchste stilistische, semantische und kulturelle Spannung mit einem Maximum an gesellschaftlicher Anklage zu verbinden”.
1977 wurde er literarischer Berater für den Einaudi Verlag und arbeitete eng mit Italo Calvino und Natalia Ginzburg zusammen. Seine Romane sind “poetisch, expressiv und reichhaltig versetzt mit Visionen und Verweisen auf die Literaturen aller Zeiten, von Homers Odyssee über Cervantes Don Quijote bis zu James Joyes Ulysses, eine Verbeugung vor der kulturellen und literarischen Vielfalt des Mittelmeerraumes” (FAZ).
Für den Schriftsteller war die Geschichte immer ein Spiegel der Gegenwart. Seine Bravour lag in der Schilderung des historischen Italiens, sein großes Thema war seine Heimatinsel Sizilien, die stets in seinen Werken auftaucht. Sprachlich virtuos beschrieb er im Roman Retablo (1987; dt. Folio 2005) eine barocke sizilianische Liebesgeschichte aus der Epoche der Aufklärung, in Nottetempo, casa per casa (1992; dt. Bei Nacht, von Haus zu Haus, Folio 2003) die sizilianischen 1920er Jahre und den aufkommenden Faschismus. In seinem jüngsten Roman Lo spasimo di Palermo (1998; dt. Palermo. Der Schmerz, Folio 2008) erzählte Vincenzo Consolo vielstimmig und andeutungsreich von Sizilien seit den 1960er Jahren, von Mafiamorden, schuldhafter Verstrickung, von Werteverlust und vom Niedergang politischer Eliten im Italien der Nachkriegszeit.
Vincenzo Consolo wurde mit einer Vielzahl an Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter mit dem Premio Grinzane Cavour, dem renommierten Premio Strega und dem Premio Internazionale Unione Latina. Außerdem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Palermo und die der Universität Rom “Tor Vergata”. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Nach einer Mitteilung des Folio-Verlages bearbeitet von Dr. phil. Pirmin Meier, Gymnasiallehrer und Schriftsteller, CH-6215 Beromünster