Lebendige Erinnerung

8. Januar 2012

Roland Baader

Roland Baader, geboren am 14. Februar 1940 in Kirrlach unweit Karlsruhe, gestorben am 8. Januar 2012 ebendort, war ein deutscher Diplom-Volkswirt und einer der bekanntesten Kritiker des Euro wie auch des Brüsseler Zentralismus, mit inbegriffen die von ihm als sozialistisch gebrandmarkte Ideologie des Versorgungsstaates. Als einstiger Schüler des erzliberalen Theoretikers Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) gewann Baader Profil als bekannter Buchautor und kritischer, auf Wirtschaftsthemen spezialisierter Mitarbeiter nicht weniger liberaler und rechtskonservativer Zeitungen und Zeitschriften, in Deutschland zuletzt der “Jungen Freiheit” und “eigentümlich frei”, in der Schweiz der von Ulrich Schlüer redigierten europakritischen und erzföderalistischen Postille “Schweizerzeit”. Als Mitglied der Mont Pelerin Society und hauptsächlich als unverblümter Verfechter der Wirtschaftstheorien von Wilhelm Röpke (1899 – 1966) und Ludwig von Mises (1881 – 1973) darf er als ein antitotalitärer Liberalkonservativer eingeschätzt werden. Mehrfach war er Referent bei dem in Zürich domizilierten Liberalen Institut, bei welcher Gelegenheit der Verfasser dieses Nachrufs den besonders in Fragen der Geld- und Ordnungspolitik versierten deutschen Publizisten Baader zusammen mit Lord Ralf Dahrendorf (1929 – 2009) und dem ex-Revolutionär und heutigen liberalen Denker Thomas Held als Referenten auf dem selben Podium persönlich kennenlernen durfte.
Als eine langfristig bedeutsame Publikation ist Baaders Ludwig-von-Mises-Brevier einzuschätzen, welches im Jahre 2000 im Ott-Verlag in Thun erschienen ist. Nach Meinung seiner Kritiker warb Baader in seinen Veröffentlichungen für einen Minimalstaat. Er klassifizierte in seinem Buch “Die belogene Generation” beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland als Umverteilungs- und Wohlfahrtsstaat und stellte ein nur mangelhaft ausgeprägtes Marktwirtschaftsprinzip fest. Zugleich warnte er davor, dass die Reste marktwirtschaftlicher Prinzipien nach und nach weiter bis zur vollständigen Beseitigung eingeschränkt würden.

Zum Tode von Roland Baader schrieb die Zeitung “Junge Freiheit”:

“Roland Baader galt als einer der wichtigsten Vordenker des modernen Liberalismus in Deutschland. Baader hat in den letzten zwei Jahrzehnten etliche Bücher verfaßt, die sich mit den Auswüchsen des totalen Wohlfahrtsstaates befassen. Als unerbittlicher Marktwirtschaftler und logischer Denker brachte er in wenigen Worten seine Thesen auf den Punkt, worin er sich in erfrischender Weise von den meisten Theoretikern abgrenzt, die oft seitenlange Erklärungen für die einfachsten Dinge brauchen. ‘Politische Gewalt fängt mit Geschenken an’, ‘Das Wort Steuergerechtigkeit ist genauso absurd wie die Wörter Raubgerechtigkeit oder Diebstahlsgerechtigkeit’ oder ‘Wer den Markt verhöhnt, verachtet damit die Menschen’ sind typische Sätze von Roland Baader. In einem Minimum an Worten führt er die ganze Ideologie der gesellschaftlichen Umverteilung ad absurdum. Es waren diese als Freiheitsfunken titulierten Aphorismen, die Baader in den letzten Jahren noch regelmäßig in Zeitschriften und Büchern veröffentlichte. Mehr schaffte er nicht mehr. Die Österreichische Schule verliert mit diesem Friedrich-August-von-Hayek-Schüler einen Vordenker. Er hinterläßt zwei Söhne und eine Tochter – und das Vermächtnis, die Freiheit in Deutschland hochzuhalten.”

Angeblich hatte Roland Baader weder wesentliche Gegner noch sei das, was er vertreten habe, grundsätzlich kritisiert und in Frage gestellt worden, schreibt die “Junge Freiheit” zu seinem Hinschied. Dies ist wohl doch nur mit Einschränkungen wahr. Als Kritiker der Europäischen Union und Euro-Gegner begab sich Baader, auch wenn viele mit ihm in vielem einverstanden sein mochten, im Hinblick auf den politischen Mainstream klar ins Abseits. Vielleicht auch aus diesem Grunde war er wiederholt als Hauptpreisträger bei der schweizerischen “Stiftung für abendländische Kultur und Ethik” zwar im Gespräch, ohne jedoch diese durchaus verdiente Auszeichnung dann wirklich erhalten zu können. Trotz seiner erzliberalen Grundlagen, zumal seiner Verankerung im Denken des konsequent antinationalistischen und antikommunistischen Wilhelm Röpke, beschränkten sich seine Publikationsmöglichkeiten mehr und mehr auf eher rechtsstehende, gelinde gesagt aussenseiterische Blätter. Der liberale Publizist war in der letzten Dekade seines Lebens durch eine schwere Krankheit sehr eingeschränkt, so daß er öffentlich nur noch selten in Erscheinung trat und sein Arbeitspensum drastisch reduzieren mußte. Wie die “Junge Freiheit” schreibt, habe er die lange Leidensphase – den Tod stets vor Augen – mit stoischer Gelassenheit ertragen. Am Sonntag, den 8. Januar ist dieses Leben erloschen. Viele seiner Auffassungen und Ansichten haben in den letzten Jahren spürbar Auftrieb erhalten, wenngleich eher bei der sogenannten schweigenden Mehrheit als in der veröffentlichten Meinung.

Dr. phil. Pirmin Meier
Gymnasiallehrer und Schriftsteller
Beromünster

Einträge:

Roland Baader durfte ich 1992 ersönlich bei einer Vortragsveranstaltung in der ehemaligen DDR kennenlernen. Das Buch “Kreide für den Wolf oder die tödliche Gefahr vom untergegangenen Sozialismus” war gerade erschienen.
Und wie hat sich alles bewahrheitet. Stasi- Mitarbeiter aus Ost- u. West sitzen in Deutschen Bundestag und den Geldsozialismus kann jeder am eigenen Leibe erfahren. Wie immer dauert es lange bis die schweigende Mehrheit reagiert.

Peter Frank
seit einem halben Jahr im “Ruhestand”

Eintrag by Peter Frank am 19.Februar 2012


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