Peter W. Loosli
Peter W. Loosli, Bürger von Sumiswald BE, geboren in Hilterfingen am Thunersee im Kanton Bern, wurde am 29. Oktober 1919 in Sumiswald (Emmental) geboren. Verstorben ist er am 9. Dezember 2011 in seinem Heim im alten Schulhaus Herrschmettlen (Bubikerstrasse 2) in Ottikon Gossau (Kanton Zürich). Europaweit bekannt wurde Loosli durch seine tausendfach erfolgreichen Puppenspielaufführungen von “Der kleine Prinz”, dem berühmtesten poetischen Werk des französischen Piloten und Schriftstellers Antoine de Saint-Exupèry (1900 – 1944).
Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, machte Loosli eine Lehre als Flachmaler und Autolackierer im Zürcher Vorort Altstetten, bevor er sich zwischen 1942 und 1944 am Bühnenstudio Zürich zum Schauspieler ausbilden liess. 1943 praktizierte er erstmals als Puppenspieler, doch blieb er bis 1952 hauptsächlich als Rundfunksprecher und seiner Ausbildung gemäss als Theaterschauspieler in Chur, Bern und Luzern aktiv. In Luzern inszenierte er 1948 ”Das Puppenspiel von Doktor Faust” und 1949 ”Die Geschichte vom Soldaten” mit Marionetten.
Nach einer Eintragung im Schweizer Historischen Lexikon arbeitete er ab 1952 als Filmaufnahmeleiter, als Rundfunksprecher wie auch Schauspieler. In den fünfziger Jahren trat er im damals berühmten Zürcher Kabarett “Fédéral” auf. Der Durchbruch als Puppenspieler gelang ihm 1955 mit der schon genannten Produktion von “Der Kleine Prinz”, mit deren internationalem Erfolg er das Seine beitrug zum absoluten Weltruhm eines der wohl bedeutendsten poetischen Werke nicht nur der Kinderliteratur im 20. Jahrhundert. Fortan betrieb er das Puppenspiel zusammen mit seiner Frau Trudi Loosli, geborene Zihlmann, hauptberuflich. Unter dem Namen Loosli-Marionetten (später Looslis Puppentheater) entstanden, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem grossartigen Schweizer Jugendbuchautor Max Bolliger Handpuppenspiele für Kinder mit Gastspielen im In- und Ausland.
Eines der wichtigsten Stücke dieser Art trägt den Titel “Die Kinderbrücke”. Mit Erfolg spielte Loosli auch “Pinocchio”.1969 ersetzte der bekannteste Puppenspieler der Schweiz den Guckkasten durch eine offene Bühne, was als eine Art Popularisierung des Marionettentheaters galt. Die Marionetten “kommen der Fantasie der Kinder sehr entgegen”, hatte Peter W. Loosli gemäss einer Meldung der Schweizerischen Depeschenangentur stets betont. Im “Märchenalter” von vier bis acht Jahren würden die Kinder an die Existenz von Gespenstern, Kobolden und Feen glauben. In diesem Alter sprächen sie daher besser auf Puppen an als auf menschliche Darsteller. Der Zuspruch des jungen Publikums habe diese Einsicht immer wieder bestätigt. Zu seinem 90. Geburtstag am 29. Oktober 2009 hatte es im Theater am Hechtplatz in Zürich Aufführungen von “Pinocchio” gegeben.
Nun ist Peter W. Loosli nach längerem Leiden zu Hause in Ottikon sanft entschlafen, wie es in der in der Neuen Zürcher Zeitung und im Tages-Anzeiger am 15. Dezember veröffentlichten Todesanzeige vermerkt wird.
Schon früh wirkte Tobias, der Sohn von Peter W. und Trudi Loosli, beim Puppenspiel mit. 2001 übernahm Tobias Loosli das Theater von seinen Eltern. Zusammen mit Gattin Lois führt der ehemalige Schüler der Ecole d’humanité in Hasliberg (Berner Oberland) nunmehr die Puppenspieltradition weiter.
“Pole Poppenspäler” heisst die wohl berühmteste Geschichte um einen Menschen wie Peter W. Loosli aus der Feder von Theodor Storm. Was nach Loosli nur noch in der Kinderphantasie von Vier- bis Achtjährigen weltbewegend ist, war für den Philosophen dieser Zwischenwelt, den Schweizer Arzt Theophrastus Paracelsus (1493 – 1541) wie auch für die Sagenwelt zum Beispiel im Alpenraum und in Island einst die geistige Wirklichkeit des Volkes aller Generationen. Vor mehr als zweihundert Jahren haben die Romantiker diese Welt in Poesie verwandelt.In unserer Zeit haben Peter W. Loosli, seine Frau, Sohn Tobias und Schwiegertochter Lois diese Welt im Puppenspiel noch einmal aufleben lassen.
Dabei darf man nicht vergessen, dass schon Goethe seinen “Faust” als Kind über das Medium des Puppenspiels kennengelernt hat. Das Lebenswerk von Peter W. Loosli bleibt von hoher kulturhistorischer Relevanz. Der Künstler starb im 200. Todesjahr von Heinrich von Kleist, dessen Abhandlung “Über das Marionettentheater” zu den bedeutendsten Texten deutschsprachiger Ästhetik zu zählen ist.
Dr. phil. Pirmin Meier
Gymnasiallehrer und Schriftsteller
Beromünster