Clemens Thoma
Clemens Thoma (* 2. November 1932 in Kaltbrunn im Kanton St. Gallen; † 7. Dezember 2011 in Baar ZG) war ein Schweizer Theologe und Steyler Missionar. Er war emeritierter Professor für Judaistik und Theologie und Begründer des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) der Universität Luzern.
Clemens Thoma wuchs als eines von elf Kindern in einer Bauernfamilie im Kanton St. Gallen auf.
Nach theologischen Studien in St. Augustin bei Bonn und St. Gabriel bei Wien erfolgte 1961 seine Priesterweihe. An der Universität Wien studierte er unter Kurt Schubert Judaistik. 1966 legte er seine Dissertation Die Zerstörung des Jerusalemischen Tempels im Jahre 70 n. Chr., Geistig-religiöse Bedeutung für Judentum und Christentum nach den Aussagen jüdischer und christlicher Primärliteratur vor.
Von 1967 bis 1971 war er Assistenzprofessor am Institut für Jüdische Studien der Universität Wien. In dieser Zeit beschäftigte er sich vermehrt mit der Frage des Antijudaismus im Neuen Testament und begann sein Engagement im christlich-jüdischen Dialog.
1971 wurde er als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Judaistik und Bibelwissenschaft der Theologischen Hochschule Luzern berufen. Bereits 1972 veranstaltete er in Luzern ein erstes jüdisch-christliches Symposium und organisierte auch in den Folgejahren zahlreiche Symposien, Tagungen und Meetings, welche dem interreligiösen Dialog oder der jüdisch-christlichen Forschung gewidmet waren.
1981 gründete er das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF), das er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2000 leitete und das heute integraler Bestandteil der Universität Luzern ist. Thoma verfolgte mit der Institutsgründung zwei Ziele:
Wissenschaftliche Erarbeitung jüdischer Primärquellen
Konstitutierung der Judaistik als einer von Haus aus im philosophisch-philologisch-geschichtlichen Bereich beheimateten Wissenschaft zu einem auch in die Theologie hineingehörenden Fach.
Als Fachmann für den interreligiösen Dialog wurde er 1976 Konsultor der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und beriet die Schweizer Bischofskonferenz hinsichtlich des christlich-jüdischen Gesprächs. Thoma war Initiator der Theologischen Realenzyklopädie, die ab 1977 herauskam und tat sich durch zahlreiche Werke und Herausgeberschaften hervor. 1994 wurde er Hauptschriftleiter des Freiburger Rundbriefs Neue Folge, Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung.