Lebendige Erinnerung

14. November 2011

Franz Josef Degenhardt

Franz Josef Degenhardt (* 3. Dezember 1931 in Schwelm, Nordrhein-Westfalen; † 14. November 2011 in Quickborn, Schleswig-Holstein) war ein deutscher Liedermacher, Schriftsteller und promovierter Rechtsanwalt. Die Wochenzeitung DIE ZEIT bezeichnete ihn 1986 als „singenden Anwalt“ und „schreibenden Barden“.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Köln und Freiburg 1952–1956 und Ablegen des ersten juristischen Staatsexamens 1956 sowie des zweiten juristischen Staatsexamens 1960 arbeitete er ab 1961 für das Institut für Europäisches Recht der Universität des Saarlandes. Er promovierte 1966 mit einer Studie über „Die Auslegung und Berichtigung von Urteilen des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften“. 1968 verteidigte Degenhardt als Rechtsanwalt in mehreren Prozessen Sozialdemokraten oder Kommunisten, die wegen Aktionen der APO angeklagt waren. 1972/73 verteidigte er Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe.

1961 trat Degenhardt der SPD bei, wurde jedoch 1971 ausgeschlossen, weil er in Schleswig-Holstein zur Wahl der DKP aufgerufen hatte. 1978 trat er in die DKP ein.

Als Liedermacher war er eine Stimme der 68er-Bewegung, engagierte sich für die Ostermarschbewegung, die Proteste gegen den Vietnamkrieg, die Notstandsgesetze, die „Berufsverbote“. Seine ersten Auftritte hatte er auf den Burg-Waldeck-Festivals. 1965 erschien sein Album Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, dessen Titellied ihn berühmt machte. 1967 produzierte er im Quartett mit Hanns Dieter Hüsch, Wolfgang Neuss und Dieter Süverkrüp die gemeinsame Platte „Da habt ihr es!“. Im Album Wildledermantelmann (1977) kritisierte er die sozial-liberale Einstellung vieler seiner ehemaligen Kampfgenossen. Er schrieb auch eine deutsche Fassung des Songs Here’s to you über Sacco und Vanzetti.

Degenhardt trat auch bei den UZ-Pressefesten der DKP sowie bei zahlreichen Konzerten der westdeutschen Friedensbewegung auf. In mehreren Liedern setzte er sich mit dem Zweiten Weltkrieg, dem Vietnamkrieg und der Gefahr eines Atomkriegs auseinander.

Er verfasste mehrere Romane mit zum Teil autobiografischen Zügen, in denen meist Rechtsanwälte oder Liedermacher die Protagonisten sind, unter anderem „Brandstellen“, „Für ewig und drei Tage“ und „Der Liedermacher“. Sein Roman-Erstling „Zündschnüre“ (1973) erzählt eine Episode unter Edelweißpiraten am Ende des Zweiten Weltkriegs in der bergischen Kleinstadt Schwelm in der Nähe von Wuppertal. Er war ein großer Erfolg und wurde fürs Fernsehen verfilmt. Sein zweiter Roman „Brandstellen“ erzählt vom Widerstand einer Bürgerinitiative gegen einen Truppenübungsplatz der NATO. Als literarischer Anstoß diente der (vergebliche) Kampf der Gemeinde Klausheide gegen den NATO-Bombenabwurfplatz Nordhorn Range in den Jahren 1971 bis 1973. Der Roman wurde 1977 von der DEFA (DDR) verfilmt (Drehbuch Gerhard Bengsch, Regie Horst E. Brandt).

Der Buchmarkt berichtet 2011 zum belletristischen Gesamtwerk von Franz Josef Degenhardt:

„… als Schriftsteller hat er sich als Chronist der Entwicklung Deutschlands betätigt. Im Kulturmaschinen-Verlag erscheint zu Degenhardts 80. Geburtstag nun eine Werkausgabe seiner belletristischen Arbeiten … zum ersten Mal … als geschlossene Reihe.“

Degenhardt war seit 1983 bis zum Ende der DDR korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Er trat dort seit den 1970er Jahren mehrmals beim Festival des politischen Liedes auf.

Seine beiden Söhne Jan Degenhardt und Kai Degenhardt haben als Liedermacher bereits ebenfalls Soloalben veröffentlicht. Degenhardt war ein Cousin des 2002 verstorbenen Paderborner Kardinals Johannes Joachim Degenhardt und Schwager der Illustratorin Gertrude Degenhardt, die für ihn mehrere Plattencover illustriert hat. Franz Josef Degenhardt wohnte in Quickborn, Kreis Pinneberg. Dort verstarb er am 14. November 2011 im Kreise seiner Familie.



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Einträge:

1968 hörte ich das erste Mal Lieder von Franz Josef Degenhardt …. und die Spuren finden sich immer noch. Ich trauere um ihn.

Eintrag by Ina Citron am 8.Dezember 2011


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