Ignaz Britschgi
Ignaz Britschgi, geboren am 6. Oktober 1919 in Alpnach, gestorben am 4. November 2011 in Sarnen, war ein Schweizer Bildungspolitiker und Regierungsrat (Obwalden), zugleich einer der massgeblichen Kulturpolitiker im Raum Zentralschweiz. Als Autor und Herausgeber gepflegter Sachbücher hat er sich für die Rezeption von Kultur und Literatur in den innerschweizerischen Kantonen verdient gemacht.
Die bedeutendsten Titel haben mit der Landschaft Obwalden zu tun, aber auch mit dem Schriftsteller Heinrich Federer und dem Schweizer Landesheiligen mit Obwaldner Wurzeln, Bruder Klaus von Flüe. Als Präsident der Heinrich-Federer-Stiftung wie auch als Bildungsdirektor des Kantons Obwalden hat sich Ignaz Britschgi mit Herz und Sachkompetenz um die Kulturförderung verdient gemacht.
Der gebürtige Bauernsohn aus Alpnach studierte in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 die Rechtswissenschaften im uechtländischen Freiburg und in Lausanne, wo er zum Dr. iur. promovierte. In Sarnen betätigte er sich einige Jahre als Redaktor des “Obwaldner Volksfreundes”, der repräsentativen Zeitung des Kantons, welche zuvor vom späteren Bundesrat Ludwig von Moos betreut worden war. Zwischen 1948 und 1970 war er erster Vorsteher des kantonalen Arbeitsamtes, dazu zwischen 1960 und 1974 Mitglied der damals noch auf Milizbasis organisierten Regierung des Kantons Obwalden, nach seinem Rücktritt aus der Regierung Bankratspräsident der Obwaldner Kantonalbank. Politisch bemerkenswert war ausserdem die Gründung der Christlichsozialen Partei im Kanton Obwalden, die sich bewusst von der mehr konservativen Christdemokratischen Partei abgrenzte und die heute (seit den Wahlen vom 23. Oktober 2011) den einzigen Nationalrat Obwaldens in der Vereinigten Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft stellt.
Ignaz Britschgi war, über sein soziales Engagement hinaus, etwa in seiner Eigenschaft als Jugendanwalt des Kantons Obwalden, ein ausgeprägt kulturkonservativer Politiker. Sein Engagement, auch als Publizist, galt zum Beispiel der Erhaltung von Kirchen und Kapellen, sodann auch der Erinnerung an den bedeutenden katholischen Obwaldner Heimatschriftsteller Heinrich Federer sowie der Geschichte der Spiritualität in der Innerschweiz. “Armes reiches Land Obwalden” lautet der Untertitel einer charakteristischen Publikation. Dass Ignaz Britschgi ab 1969 Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung für das Freilichtmuseum Ballenberg am Brienzersee war, scheint für die Art seines kulturellen Engagements einigermassen charakteristisch. Friedrich Nietzsche nennt diese Art Traditionspflege die “antiquarische Historie”.
In der Amtszeit von Ignaz Britschgi wurde die Umwandlung der Benediktinerschule Kollegium Sarnen unter Rektor Pater Dr. Leo Ettlin in die Kantonsschule Obwalden in die Wege geleitet, die 1974, im Jahre des Rücktritts von Ignaz Britschgi, von seinem Amtsnachfolger Alfred von Ah dann vollzogen wurde.
Zuletzt veröffentlichte Ignaz Britschgi das Buch “Bild und Geheimnis” über den heiligen Niklaus von Flüe, arbeitete bis kurz vor seinem Tode an seinem Erinnerungsbuch “Was mir lieb und theuer war”. Seit 1951 war er mit Jutta Portmann verheiratet, aus welcher Ehe die beiden Söhne Hannes und Markus hervorgegangen sind. Hannes Britschgi gehört zu den bedeutenden Publizisten der Schweiz, der Kunsthistoriker Prof. Markus Britschgi hat sich zusammen mit Doris Fässler als Verleger von Kunstbüchern einen Namen gemacht. Ignaz Britschgi gehörte während seiner Aktivzeit als Regierungsrat und wohl auch später noch zu verdienstvollsten Bildungs- und Kulturpolitikern der Schweiz. Er hat die Idee des kulturellen Föderalismus nicht bloss programmatisch vertreten, sondern diese auch gelebt und während Jahrzehnten mit fruchtbringenden Inhalten erfüllt.
Dr. phil. Pirmin Meier
Gymnasiallehrer und Schriftsteller
Beromünster