Lebendige Erinnerung

 

23. Juni 2010

Jörg Berger

Jörg Berger (* 13. Oktober 1944 in Gotenhafen, heute Gdynia (Gdingen), Polen; † 23. Juni 2010) war ein deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer.

In seiner aktiven Zeit als Fußballer spielte Berger für den DDR-Oberligisten 1. FC Lok Leipzig. Wegen einer Muskelverletzung musste er seine Karriere als Oberligaspieler allerdings sehr früh abschließen und studierte dann an der DHfK Leipzig. Daran schloss er seine Trainerlaufbahn an. Berger war in der DDR ein angesehener Fußballtrainer, der vorgesehen war, irgendwann die Nationalmannschaft als Nachfolger von Georg Buschner zu übernehmen.

Berger war Trainer der Nachwuchs-Auswahlmannschaft der DDR, als er 1979 ein Spiel in Jugoslawien nutzte, um in den Westen zu flüchten. Dort übernahm er als erste Cheftrainerstelle 1979 die Mannschaft von SV Darmstadt 98 (2. Bundesliga). Als DDR-Flüchtling sah er sich Bedrohungen ausgesetzt, die von der Stasi im Westen organisiert wurden. So überlebte er als Trainer von KSV Hessen Kassel Mitte der 1980er Jahre einen Giftanschlag. Beweise für die Morddrohungen erhielt er aber erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 nach Durchsicht seiner Stasiakten.

In der Frühphase seiner Trainerkarriere verpasste Berger 1984 und 1985 zweimal als 4. der 2. Fußball-Bundesliga knapp den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Danach trainierte der Motivationskünstler Jörg Berger mehrere Bundesligavereine, die er oft vor dem Abstieg rettete, wodurch er sich seinen Spitznamen „Feuerwehrmann“ verdiente. Jedoch bekam er selten die Chance, eine Mannschaft über längere Zeit aufzubauen. Seine Bestleistungen als Trainer erreichte er mit zwei dritten Plätzen in der Bundesliga mit Eintracht Frankfurt 1990 und dem FC Schalke 04 1996. Im Oktober 1996 wurde er bei Schalke entlassen und von Huub Stevens abgelöst. Er konnte deshalb den Schalker UEFA-Pokal-Gewinn in derselben Saison nicht mehr als Trainer feiern .

Letzter großer Erfolg von Jörg Berger war der Einzug ins Finale um den DFB-Pokal mit dem Zweitligaverein Alemannia Aachen. Jedoch wurde der Vertrag von Berger nach der Niederlage gegen den amtierenden deutschen Meister Werder Bremen und bei gleichzeitigem Nichtaufstieg in die 1. Bundesliga in Aachen einvernehmlich zum 30. Juni 2004 aufgelöst.

Vom 17. November 2004 bis zum 14. August 2005 war er Cheftrainer von Hansa Rostock. Dort wurde er nach einer 1:4-Niederlage gegen den TSV 1860 München nach dem 2. Spieltag der 2. Liga entlassen.

Weiterhin war er als TV-Experte, u.a. für die 2. Liga, beim Fernsehsender Premiere tätig.

Am 6. März 2009 erschien seine Autobiografie Meine zwei Halbzeiten: Ein Leben in Ost und West, in der sein Leben in der DDR und die von seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1979 bis 1990 reichende Verfolgung und Beobachtung durch die Staatssicherheit der DDR sowie sein Leben nach der Wende und seine Krebserkrankung dargestellt werden. Das Buch stieg bis auf Platz 8 der Spiegel-Bestsellerliste. Die erste Auflage war innerhalb von wenigen Tagen nach Erscheinen ausverkauft.

Am 19. Mai 2009 wurde er als neuer Trainer von Arminia Bielefeld vorgestellt. Berger trat damit die Nachfolge von Michael Frontzeck an, der am 17. Mai 2009 beurlaubt wurde. Nachdem der Abstieg der Arminia dennoch nicht verhindert werden konnte, verließ Berger den Verein bereits wieder am 24. Mai 2009.

Berger war in zweiter Ehe verheiratet und Vater von drei Kindern, einem Sohn aus erster Ehe und Zwillingstöchtern aus zweiter Ehe.

Während des Jahres 2002 pausierte Berger längere Zeit als Trainer von Alemannia Aachen wegen einer Operation (Darmtumor). Im Jahre 2005 unterzog er sich erneut einer Operation (Lebermetastasen). Seit November 2008 machte er wieder eine Chemotherapie. Jörg Berger erlag am 23. Juni 2010 seinem langen Krebsleiden.



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