Günter Kießling
Günter Kießling (* 20. Oktober 1925 in Frankfurt (Oder); † 28. August 2009 in Rendsburg) war promovierter Volkswirt und General der Bundeswehr. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er erst durch die Umstände seiner Entlassung aus der Bundeswehr im Zuge der sogenannten Kießling-Affäre bekannt.
Kießling wurde als Sohn eines Werkmeisters geboren und wuchs in Berlin auf. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er im Alter von 14 Jahren in die Unteroffizierschule in Dresden aufgenommen und im Zweiten Weltkrieg als Leutnant der Infanterie an der Ostfront eingesetzt. Nach Kriegsende schlug er sich als Bauhilfsarbeiter durch. Nebenher besuchte er in Berlin die Abendschule, um auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur (1947) nachzuholen. Er trat in den Bundesgrenzschutz ein. In seiner wachfreien Zeit studierte er in Bonn und Hamburg Wirtschaftswissenschaften und wurde in Bonn zum Doctor rerum politicarum promoviert. 1956 wechselte er als Oberleutnant in die neuaufgestellte Bundeswehr. 1971 wurde Kießling im Alter von 46 Jahren zum jüngsten General der Bundeswehr befördert. Vor seiner Entlassung war er Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte und Stellvertreter des Obersten Alliierten Befehlshabers Europa.
1983 wurde Kießling aufgrund von Aussagen anderer Militärangehöriger und des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) der Homosexualität bezichtigt; damit wurde er aufgrund einer möglichen Erpressbarkeit als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft, was im Dezember 1983 zu seiner vorzeitigen Pensionierung führte. Im Zuge der Aufarbeitung der Kießling-Affäre im Jahre 1984 wurden diese Behauptungen, die sich zudem als völlig haltlos erwiesen hatten, zurückgenommen, Kießling für kurze Zeit wieder in Dienst gestellt und am 26. März 1984 mit dem „Großen Zapfenstreich“ in den ehrenhaften Ruhestand versetzt.
Zum Jubiläum der Bundeswehr 1985 war er als einziger Viersternegeneral nicht eingeladen.
Kießling erhielt 1997 noch einmal die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch seine Trauerrede für Oberst Joseph W. Rettemeier.
General a. D. Günter Kießling lebte bis zu seinem Tode in Rendsburg.