Charlie Mariano
Charlie Mariano (gebürtig: Carmine Ugo Mariano; * 12. November 1923 in Boston, Massachusetts; † 16. Juni 2009 in Köln) war ein US-amerikanischer Jazz-Saxophonist und Flötist.
Mariano, der als Kind Klavierunterricht bekam und erst mit 17 Jahren zum Saxophon wechselte, studierte in Berklee College of Music in Boston (wo er später auch unterrichtete) und begann bereits 1941 in professionellen Showbands. 1948 arbeitete er mit Shorty Sherock zusammen, dann mit Larry Clinton, Nat Pierce, sowie in der Band von Chubby Jackson und Bill Harris.
1953-1955 spielte er bei Stan Kenton. An der Westküste spielte er von 1956 bis 1958 mit Shelly Manne und war einer der führenden Mitglieder seiner Formation Shelly Manne & His Men, für die er die Suite „The Gambit“ (1957) schrieb. 1958/59 arbeitete er mit Herb Pomeroy. Mariano arbeitete aber auch mit vielen weiteren Jazzgrößen, u. a. Charlie Parker, Dizzy Gillespie und McCoy Tyner zusammen. Bereits 1949 veröffentlichte er Schallplatten unter eigenem Namen. Insbesondere seine Solos auf der Plattenaufnahme der suitenartigen Musik “The Black Saint and the Sinner Lady” (1963) von Charles Mingus zeigen, welche Ausdrucksstärke und Intensität Mariano auf dem Altsaxophon, seinem Hauptinstrument, entwickeln konnte.
Ende der sechziger Jahre verbrachte er längere Zeit in Südindien, um die dortige Musik und insbesondere das Blasinstrument Nagaswaram zu studieren. Daraus resultierten andauernde Kooperationen mit südindischen Musikern wie denen des Karnataka College of Percussion (diverse Tourneen, zuletzt 2005).
Seit Anfang der 1970er arbeitete Mariano vornehmlich in Europa. Dabei hat er sich einerseits dem Rockjazz zugewandt, in den er Elemente der südindischen Musik einfließen ließ (bei Embryo und in Jasper van’t Hofs “Pork Pie”). Andererseits betonte er - insbesondere in eigenen Gruppen, aber auch in der Gruppe von Eberhard Weber und im Zusammenspiel mit Zbigniew Seifert - das lyrische Spiel. Mit dem belgischen Gitarristen Philip Catherine und Jasper van´t Hof nahm er 1979 Sleep my Love auf. Mariano gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern des United Jazz and Rock Ensemble, der “Band der Bandleader”. Neben vielen anderen Besetzungen, auch mit jüngeren Musikern, trat er häufig im Trio mit Ali Haurand und Daniel Humair auf. Seit seiner Zusammenarbeit für das Album “Savannah Samurai” (1998) mit dem Freiburger Jazzbassisten Dieter Ilg unterhielten Mariano und Ilg ein kammermusikalisches Jazz-Duo.
Nicht nur in der Pop-Musik hat er seine Spuren durch Mitwirkung auf zahlreichen Alben ( z. B. von Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker) hinterlassen, sondern auch im Kontext der sog. Weltmusik bei Rabih Abou-Khalil, mit Dino Saluzzi oder den Dissidenten. Mariano hat insgesamt an mehr als 300 Schallplatten und CDs mitgewirkt.
Von 1959 bis 1967 war er mit der Jazzpianistin und Bandleaderin Toshiko Akiyoshi verheiratet, mit der er auch zusammen musizierte. 1963 wurde eine gemeinsame Tochter, die Sängerin und Schauspielerin Monday Michiru, geboren. Nachdem Mariano längere Zeit ein Nomadenleben zwischen den USA, Europa und Asien geführt hatte, lebte er seit 1986 mit seiner Frau, der Malerin und Bühnenbildnerin Dorothee Zippel-Mariano, in Köln.