Karl Gass
Karl Gass (* 2. Februar 1917 in Mannheim; † 29. Januar 2009 in Kleinmachnow) war ein deutscher Regisseur für Dokumentarfilme, Reportagen und Porträts sowie in verschiedenen administrativen Funktionen im Filmbereich tätig. Er zählte mit seinen über 120 Werken zu den wichtigsten Dokumentarfilmern in Ostdeutschland und galt als Wegbereiter und Nestor des DEFA-Dokumentarfilms.
Gass wuchs in Mannheim auf. Nach fünf Jahren Kriegsdienst in der Wehrmacht hoffte er auf einen völligen Neubeginn im Nachkriegsdeutschland. Als Radiojournalist in Köln wollte er die Aufarbeitung der NS-Zeit voranbringen. Als er merkte, dass er dafür unter den Journalistenkollegen und demokratisch Aktiven zu wenig Mitstreiter fand, zog er die Konsequenz und ging 1948 von Westdeutschland nach Ost-Berlin.
1962 drehte er die Dokumentation Schaut auf diese Stadt über die Stadt West-Berlin und die Reaktion auf den Mauerbau aus Sicht der DDR. Mit der Dokumentation „Feierabend“ von 1964 über den Arbeitsalltag von Bauarbeitern zeigte er sich kritisch, jenseits des im „Sozialistischen Realismus“ Üblichen. Sein Porträt einer Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaft mit dem Titel „Ecken und Kanten“ von 1980 wurde lange nicht zur öffentlichen Aufführung freigegeben. Erneut zog er notgedrungen die Konsequenz und wandte sich von da an eher historischen Stoffen zu.
Gass war Mitbegründer der Leipziger Dokfilmwoche. Von ihm beeinflusst wurden unter anderem die Dokumentarfilmer Volker Koepp und Gitta Nickel, Winfried Junge und Eduard Schreiber. Konrad Weiß nannte ihn einen „redlichen Filmemacher, der seine schützende Hand über uns hielt“.
International erfolgreich war er besonders mit seiner Dokumentation Das Jahr 1945 (1985), mit der er mehrere Preise gewann. Der Streifen konnte im Erscheinungsjahr 1985 zwei Millionen Zuschauer in die Kinos locken und wurde damit zum erfolgreichsten DEFA-Film des Jahres. Des Weiteren war Gass auch als Autor und als Fernsehmoderator der DDR-Fernseh-Quizsendungen „Sind Sie sicher?“ und „Sie und er und 1000 Fragen“ erfolgreich.
Gass, der seit 1961 mit seiner Ehefrau, der Film-Schnittmeisterin Christel Gass, zusammenarbeitete, lebte zuletzt in Kleinmachnow.