Lebendige Erinnerung

 

1. Januar 2009

Johannes Mario Simmel

Johannes Mario Simmel (* 7. April 1924 in Wien; † 1. Januar 2009 bei Zug, Schweiz) war ein österreichischer Schriftsteller.

Simmels Eltern stammten aus Hamburg. Sein Vater Walter Simmel war Chemiker, seine Mutter Lisa geb. Schneider Lektorin bei der Filmgesellschaft Wien-Film.

Er wuchs in Österreich und England auf und machte an der höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für chemische Industrie die Matura als Chemieingenieur.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in der elektrochemischen Forschungsabteilung des Elektrokonzerns Kapsch eingesetzt.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Journalist, Übersetzer und Dolmetscher für die US-Militärregierung. Bei der Wiener Tageszeitung Welt am Abend verfasste er als Kulturredakteur Filmkritiken und Feuilletons.

1947 veröffentlichte er seine erste Novellensammlung unter dem Titel Begegnung im Nebel. Ab 1950 war Simmel für die Illustrierte „Quick“ in München tätig. In ihrem Auftrag unternahm er Reporterreisen durch Europa und nach Übersee.

Simmel schrieb unter verschiedenen Pseudonymen Tatsachenberichte und Serienromane. Zwischen 1950 und 1962 verfasste er allein oder mit anderen Autoren insgesamt 22 Drehbücher. Nach seinem ersten großen Erfolg mit der „Quick“-Serie Es muss nicht immer Kaviar sein (1960) widmete er sich vor allem dem Schreiben von Unterhaltungsromanen, die sich aber jeweils mit aktuellen gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzten wie etwa Gewalt gegen Ausländer, Drogenhandel oder Genmanipulation. Dabei waren journalistische Recherchen an den Schauplätzen und im Milieu, in dem seine Romane spielten, die Grundlage.

Leitmotive in vielen seiner Werke sind die Relativierung von Gut und Böse und ein leidenschaftlicher Pazifismus. Seit Jahrzehnten gehört er zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Werke wurden von Regisseuren wie Alfred Vohrer und Roland Klick verfilmt.

Simmel wurde von den Literaturkritikern lange Zeit als Trivialautor, „Bestseller-Mechaniker“ oder Fließbandschreiber geschmäht. Erst mit dem Roman Doch mit den Clowns kamen die Tränen (1987) fand er allgemeine Anerkennung. Dreimal verheiratet, lebte er zuletzt im schweizerischen Städtchen Zug. Der nächste (letzte) Roman war nach seinen Angaben noch in Arbeit.

Ein Autor, der Simmel in Stil und Aufmachung seiner Werke zu kopieren suchte, war Michael Burk. Simmel suchte dessen Tun vergeblich gerichtlich zu unterbinden.

Simmel starb nach Angaben seines Schweizer Anwalts am 1. Jänner 2009 im Alter von 84 Jahren.


Dieser Eintrag basiert auf den gleichnamigen Artikel aus
der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz
fuer freie Dokumentation. Unter diesem Link sind in der Wikipedia
der original Beitrag sowie eine Liste der Autoren verfuegbar.


Einträge:

Niemals geht man so ganz… fiel mir ein, als ich vom Tod von Johannes Mario Simmel hörte. 2004 schrieb mir Johannes Mario Simmel: “das neue Buch wird eine reine, große Liebesgeschichte zum Thema haben, und es wird nur von Liebe (und natürlich zuletzt vom Tod) die Rede sein.”
Ich hoffe, dass das Buch bald veröffentlicht wird; und kann mir sehr gut vorstellen, dass er die Liebe und den Tod eines Autor beschreibt. In stillen Gedenken an einen großartigen Autor, der immer sich selbst blieb.

Eintrag by Niki Gabel am 6.Januar 2009


Johannes Mario Simmel war der meistgelesene und damit erfolgreichste Schriftsteller, der je im Herzen der Schweiz (Kanton Zug) gelebt hat. Dies ist von der offiziellen und halboffiziellen Kulturszene kaum zur Kenntnis genommen worden. Auch wenn es gewiss nicht notwendig war, Simmel mit Literaturpreisen zu fördern, hätte er, gerade von Autoren, sog. Kollegen, mehr Anerkennung und Hochachtung verdient. “Wer nicht eine Million Leser erwartet, soll keine Zeile schreiben.”, vermerkte einmal kein Geringerer als Goethe. Simmel hat offenbar dieser Maxime nachgelebt und sie auf bewundernswerte Weise realisiert. Überdies war er ein wahrer Humanist, gewiss weit mehr als nur ein schreibender “Gutmensch”. Die Schweiz, Deutschland, Europa schuldet diesem eindrucksvollen Autor Dank für ein Lebenswerk, das zwar nicht als besonders zeitüberdauernd einzuschätzen ist (was auch für viele andere, weniger erfolgreiche Belletristik gilt), aber doch auf seine Weise tief in die Zeit gewirkt hat.

Ein Minimum an Respekt hätte sich ausdrücken lassen, wenn der Verband Schweizer Autoren oder zumindest der Innerschweizerische Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverband diesen in den Dimensionen des Erfolges unvergleichlichen Schreiber noch zu Lebzeiten zum Ehrenmitglied erhoben hätten.

Dr. phil. Pirmin Meier, Autor, Träger des Innerschweizer Literaturpreises 2008, Beromünster/Schweiz

Eintrag by Pirmin Meier am 19.Januar 2009


Gedanken und Erinnerungen an Johannes Mario Simmel hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

© 2012 Portal der Erinnerung ist ein Projekt von hassheider koeln
Wp | Anmelden |