Lebendige Erinnerung

 

1. November 2008

Jacques Piccard

Jacques Piccard (* 28. Juli 1922 in Brüssel; † 1. November 2008 in La Tour-de-Peilz) war ein Schweizer Ozeanograf und einer der bedeutendsten Pioniere der Tiefseeforschung. Er war ein Sohn von Auguste Piccard und der Vater von Bertrand Piccard.

Nach dem Studium von Wirtschaft und Geschichte war er als Mitarbeiter seines Vaters Auguste Piccard an der Konstruktion und am Bau des Tiefseetauchgeräts (Bathyscaph) Trieste beteiligt. Die US-amerikanische Marine war von dem U-Boot sehr angetan, finanzierte Probetauchgänge vor der italienischen Insel Capri, erwarb die Trieste daraufhin und stellte Jacques Piccard als wissenschaftlichen Berater an. Kurz vor dem Rekordtauchgang wollten die US-Amerikaner ihn gegen einen ihrer Landsleute austauschen, was er jedoch erfolgreich verhindern konnte.

Am 23. Januar 1960 tauchten Piccard und der amerikanische Marineleutnant Don Walsh auf den Grund des Challengertiefs im Marianengraben. Sie erreichten eine Tiefe von 10.910 Metern. In verschiedenen Nachschlagewerken wird fälschlich eine Tiefe von über 11.000 Meter angegeben. Die Differenz ist auf die fehlerhafte Kalibrierung des Tiefenmessgerätes zurückzuführen, die im Süßwasser durchgeführt wurde. Der Tauchrekord von Jacques Piccard wurde später nie wieder erreicht. Daraufhin wurde er durch die Presse weltbekannt und musste den Medienrummel über sich ergehen lassen.

In den folgenden Jahren entwickelte Jacques Piccard das Tauchboot Auguste Piccard für den Genfersee bei der Landesausstellung 1964 in Lausanne. Auguste Piccard wurde von der Schweizer Regierung in Auftrag gegeben, jedoch musste Piccard sich gegen diverse naturwissenschaftliche Experten durchsetzen, die nie ein U-Boot betreten hatten, da seinem U-Boot-Konzept misstraut wurde, da sein Konstrukteur kein studierter Ingenieur war. Piccard bekam das Boot am Ende genehmigt. Ausserdem war es das grösste jemals gebaute Tourismus-U-Boot, ebenso das grösste nicht-militärische Unterwasserfahrzeug.

1969 startete das von ihm erdachte U-Boot, die Ben Franklin, zur Erforschung des Golfstroms. Zwei Tage vor dem Start der Mondlandemission Apollo 11 ging das Boot vor der Küste Floridas nahe Palm Beach in See. Die Crew von sechs internationalen Wissenschaftlern wurde von Piccard als Missionsleiter angeführt. In etwa 300 bis 350 Metern Tiefe liess sich die Crew vier Wochen unter Wasser den Golfstrom entlang treiben. Nach gelungener Mission besucht ihn der deutsche Raketenkonstrukteur Wernher von Braun und besichtigte das U-Boot. Die NASA interessierte sich sehr für die Missionsauswertungen in Hinblick auf neue Techniken für Raumkapseln und über die psychischen Auswirkungen während einer so langen Mission auf die Crew und deren Leistungsfähigkeit. Diese Erkenntnisse flossen in die Skylab-Missionen und das Space-Shuttle-Programm ein. Daraufhin entwickelte Piccard das U-Boot F. A. Forel, um die Schweizer Seen zu erforschen. Alle seine Tauchfahrzeuge existieren noch heute und sind teilweise als Ausstellungsstücke zu besichtigen.

Piccard setzte sich intensiv für die Bewahrung und die Erforschung des marinen Lebens ein, mit der von ihm gegründeten Stiftung in Cully. Bis ins hohe Alter, mit 82 Jahren, nahm er noch an Tiefseeexpeditionen teil.

Zu seinem 85. Geburtstag gab er der Neuen Zürcher Zeitung ein Interview in dem er gestand, dass er auch gerne Astronaut geworden wäre. Am 1. Februar 2008 wurden er und sein Sohn Bertrand zu Ehrendoktoren der Université catholique de Louvain ernannt.

Am 1. November 2008 verstarb Jacques Piccard in seinem Haus am Genfersee 86-jährig, wie ein Sprecher des Projekts Solar Impulse den Medien am selben Tag mitteilte.


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Einträge:

Jacques Piccard hat noch etwas von den Visionen eines Jules Verne in seine Existenz verinnerlicht. Sein Leben hatte etwas von einem Traum.

Pirmin Meier, Autor, Beromünster/Schweiz

Eintrag von Pirmin Meier am 19.Januar 2009


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