Lebendige Erinnerung

 

8. Juni 2008

Peter Rühmkorf

Peter Rühmkorf (* 25. Oktober 1929 in Dortmund; † 8. Juni 2008 in der Nähe von Hamburg im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein); Pseudonyme: Leo Doletzki, Leslie Meier, Johannes Fontara, Lyng, John Frieder, Hans-Werner Weber, Harry Flieder, Hans Hingst) war ein deutscher Schriftsteller, Essayist und Pamphletist und zudem einer der bedeutendsten Lyriker der Zeit nach 1945.

Peter Rühmkorf wuchs als Sohn der Lehrerin Elisabeth Rühmkorf, einer Otterndorfer Pastorentochter, in Warstade (heute Ortsteil der Stadt Hemmoor) bei Stade auf und machte am Athenaeum Stade 1951 sein Abitur. Er ist ein Patenkind von Karl Barth. Von 1951 bis 1956/57 studierte er zunächst Pädagogik und Kunstgeschichte, später Germanistik und Psychologie in Hamburg. Sein ursprüngliches Studienziel, Volksschullehrer zu werden, gab er nach einigen Semestern auf, das Studium brach er ab, offenbar nach einem Konflikt mit seinen Professoren. Zusammen mit dem Lyriker und Essayisten Werner Riegel gab er von 1951 bis zu dessen Tod 1956 die hektographierte Literaturzeitschrift Zwischen den Kriegen im Eigenverlag heraus, als zugleich lyrische und politische Plattform des “Finismus”; in der Rückschau eine bedeutende Heftreihe jener Jahre. Er war auch einer der Gründer des und Hauptschreiber im – für die junge widerständische Intelligenz der 1950er Jahre sehr bedeutsamen – Studentenkurier, später in dessen Folge-Zeitschrift konkret.

Von 1958 bis 1964 arbeitete Rühmkorf als Verlagslektor im Rowohlt Verlag. Seither war er freier Schriftsteller und Dichter in Hamburg. Er erhielt zahlreiche literarische Preise und war häufig Gastdozent an deutschen und internationalen Universitäten (u.a. Austin, Texas 1969/70, Essen 1977, Warwick 1978, Frankfurt am Main 1980 Hanover, New Hampshire 1983 und Paderborn 1985/86). Immer wieder trug Rühmkorf seine eigenen Gedichte öffentlich vor (z.T. mit der Jazz-Begleitung von Michael Naura und Wolfgang Schlüter; vgl. Kein Apollo-Programm für Lyrik u. a. m.). 1966 nahm er an einer Open-Air-Veranstaltung Jazz und Lyrik auf dem Adolphsplatz in Hamburg teil. In den 1960er Jahren arbeitete Rühmkorf auch als Dramatiker, die drei damals entstandenen Theaterstücke waren jedoch – nicht zuletzt wegen tagespolitischer Konstellationen in beiden Teilen Deutschlands – wenig erfolgreich.

Er war Mitglied der Gruppe 47, des P.E.N. sowie der Akademie der Künste (Berlin), der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, und der Freien Akademie der Künste, Hamburg.

1964 heiratete er die Psychologin Eva-Marie Titze, die unter dem Ehenamen Eva Rühmkorf als Leiterin einer Strafanstalt, Gender- und Kultuspolitikerin und als Ministerin in Schleswig-Holstein arbeitete. Mit ihr lebte er bis zu seinem Tode in Oevelgönne am Hamburger Elbufer.

Zu seinem 75. Geburtstag (2004) zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine Ausstellung zu Werk und Leben (Rühmkorf Revue – Ein Bilderbogen zum 75sten) mit etwa 850 Exponaten, die eine bedeutende zeitgeschichtliche Einsicht in das umfangreiche Privatarchiv des Dichters gaben.

Peter Rühmkorf starb am 8. Juni 2008 im Alter von 78 Jahren an Krebs.


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