Lebendige Erinnerung

 

1. Juni 2008

Yves Saint Laurent

Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent (* 1. August 1936 in Oran, Algerien; † 1. Juni 2008 in Paris) war ein französischer Modeschöpfer von Haute Couture und Prêt-à-porter, der bis 2002 in Paris tätig war.

Saint Laurent war der Sohn des leitenden Versicherungsangestellten Charles Saint-Laurent und dessen Frau, Lucienne Mathieu. Die Großeltern beider Familien wiederum kamen aus Elsaß-Lothringen und flohen während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nach Nordafrika. Er wuchs in Oran, Algerien, auf und besuchte dort das Gymnasium bis zum Baccalauréat. Bei einer Theateraufführung von Molières „Critique de l’École des femmes“ (Kritik der Schule der Frauen) entdeckte er seine Leidenschaft für Kostüme. So fertigte er bereits im Alter von elf Jahren Skizzen und Entwürfe für die Bühne an. Die Welt der Mode war für den jungen Saint Laurent auch eine Zuflucht vor dem Mobbing seiner Mitschüler, die den femininen Jungen als Außenseiter betrachteten und quälten.

1953 kam er mit 17 Jahren nach Paris, wo er eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner an der Modeschule der Chambre Syndicale de la Haute Couture absolvierte. Während der Ausbildung gewann er einen Modezeichner-Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats IWS für den Entwurf eines Cocktailkleides. Seine Modezeichnungen wurden in der Vogue veröffentlicht. Michel de Brunhoff, der Direktor der Vogue, stellte den jungen Designer Christian Dior vor. Bei ihm arbeitete er bis zu dessen Tod im Jahre 1957. Während des Begräbnisses von Dior lernte Saint Laurent seinen späteren Geschäftspartner und Lebensgefährten Pierre Bergé kennen. Saint Laurent wurde im Alter von 21 Jahren zum Art Direktor befördert, um das Modehaus vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Seine erste Kollektion für das Unternehmen Christian Dior Ligne Trapéze wurde ein überwältigender, weltweiter Erfolg. 1958 präsentierte er seine erste eigene Kollektion bei Dior. Er befreite die Kostüme von Wattierungen und Versteifungen an Taille, Brust und Schultern, ohne jedoch auf die Pracht und die Fülle der Kostüme à la Dior zu verzichten.

1960 wurde er zum Militärdienst nach Algerien eingezogen, wo seit 1955 der Algerienkrieg wütete, und erlitt nach wenigen Tagen einen Nervenzusammenbruch. Er wurde in eine psychiatrische Anstalt überwiesen, dort behandelte man ihn mit Elektroschocks und Drogen (Sedativa). Eine lebenslange Abhängigkeit von Drogen war die Folge. Sein Arbeitgeber, das Modehaus Dior, entband ihn daher von seinem Arbeitsvertrag. Bergé dagegen glaubte an Saint Laurents Talent und unternahm alles, ihn wieder aus der Psychiatrie frei zu bekommen. 1961 endlich konnte er sich mit ihm selbständig machen. Fortan schneiderte Saint Laurent nur noch für das Modehaus Bergé. Das Paar trennte sich 1976 in freundschaftlicher Verbundenheit, doch blieben sie weiterhin Geschäftspartner.

Nachdem sich Saint Laurent 2002 aus dem Modegeschäft zurückgezogen hatte, lebte er weitgehend zurückgezogen in Paris. Er starb dort am 1. Juni 2008 nach langer Krankheit.

Seine Kollektionen galten in den 1960er-Jahren teilweise als skandalös. Er war einer der ersten Modeschöpfer, die transparente Stoffe verwendeten (Nude-Look). Seine konsequente Verwendung schwarzer Stoffe und die Verwendung des Materials Jersey fand in den frühen 1960er-Jahren wenig Gefallen, bis sich auch dies als Trend durchsetzte. Während der 1960er- und 1970er-Jahre popularisierte die Firma Modetrends wie den Beatnik-Look, Tweed-Anzüge, enge Hosen und enge, schenkelhohe Stiefel, und 1966 auch den klassischen Hosenanzug für Frauen. Im selben Jahr eröffnete er in Paris auch seinen ersten Laden für bezahlbare Prêt-à-porter-Mode und erschloss sich neue Käuferschichten. Der eher publikumsscheue Modeschöpfer und sein Label YSL erlangten internationale Beachtung. Bekannte Musen Saint Laurents waren Loulou de La Falaise, Betty Catroux und Catherine Deneuve.

1993 wurde das Modehaus Saint-Laurent an den Pharmakonzern Sanofi für nahezu 600 Mio. US-Dollar verkauft. 1999 kaufte Gucci das YSL-Markenzeichen und der amerikanische Modedesigner Tom Ford übernahm die Verantwortung für die Prêt-à-porter-Sparte Yves Saint-Laurent Rive Gauche, während Saint Laurent weiterhin die Haute Couture-Kollektionen gestaltete.

2002 zog sich Yves Saint Laurent mit einem vielbeachteten und betrauerten Modedefilée aus dem Geschäft zurück. Die Prominenz aus der Modewelt und dem kulturellen Leben verabschiedete sich von Saint Laurent. Seine Lieblings-Models Naomi Campbell, Jerry Hall und Laetitia Casta traten ein letztes Mal für ihn auf, und Catherine Deneuve sang ein Liebeslied.[2]

Aktueller Designer des Hauses Yves Saint Laurent ist der Italiener Stefano Pilati. Originalkleider und Accessoires von Saint Laurent werden in einem Privatmuseum in dem Pariser Stadtteil La Villette aufbewahrt.



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