Lebendige Erinnerung

 

1. Mai 2008

Philipp Freiherr von Boeselager

Philipp Freiherr von Boeselager (* 6. September 1917 auf Burg Heimerzheim bei Bonn; † 1. Mai 2008 in Altenahr auf Burg Kreuzberg) war der letzte Überlebende des innersten Kreises der militärischen Widerstandsgruppe gegen Hitler um Generalmajor Henning von Tresckow und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Er wurde 1917 als viertes von acht Kindern des Freiherrn Albert von Boeselager (1883–1956) und seiner Gattin Freiin Maria-Theresia von Salis-Soglio (1890–1968) geboren. Zu seinen Verwandten zählte auch der Diplomat Wilhelm Freiherr von Ketteler. Sein Elternhaus war geprägt vom rheinischen Katholizismus.

Im Jahre 1936 legte Boeselager sein Abitur im Aloisiuskolleg des Jesuitenordens in Bad Godesberg ab. Zunächst wollte er Jura studieren, um in den Auswärtigen Dienst gehen zu können. Sein Großvater riet ihm wegen der Nazis ab und empfahl ihm stattdessen, in die Armee einzutreten. 1936 trat Boeselager in das Kavallerie-Regiment in Paderborn ein. Als Ordonnanzoffizier von Generalfeldmarschall Günther von Kluge lernte er 1942 Henning von Tresckow bei dessen täglichem Lagevortrag in der besetzten Sowjetunion kennen und schloss sich seiner Widerstandsgruppe an.

Im März 1943 war Freiherr von Boeselager als Offizier der Wehrmacht an einem versuchten Attentat auf Hitler beteiligt. Im elitären Infanterieregiment 11 hatte er während des Zweiten Weltkrieges eine heerestechnische Versuchseinheit aufgebaut und sich somit verschiedene deutsche und erbeutete Sprengstoffe besorgen können. Hieraus traf er nach Versuchen eine Auswahl für zwei Bomben, die Hitler im Flugzeug nach einem Besuch an der Ostfront töten sollten. Fabian von Schlabrendorff verbrachte die als Cognacflaschen getarnten Bomben in das Flugzeug Hitlers. Das Attentat scheiterte, wie Boeselager sagte, da die Zünder im unbeheizten Gepäckraum des Flugzeugs eingefroren waren. Er selbst war äußerst überrascht von der Nachricht der sicheren Landung von Hitlers Flugzeug in der Wolfsschanze.

Zusammen mit seinem Bruder Oberst Georg Freiherr von Boeselager gehörte er zu den Verschwörern des 20. Juli 1944. Er kommandierte am 18. Juli 1944 sechs Schwadronen (1200 Mann), die mit den Pferden zunächst in Richtung Brest-Litowsk ritten. Dann sollten sie mit Lastkraftwagen nach Warschau fahren und von da aus mit Flugzeugen zum „führerlosen“ Berlin fliegen, um die beiden Teile des Reichssicherheitshauptamtes zu besetzen. Als er vom Scheitern des Anschlages auf Hitler erfuhr, ließ er sofort kehrtmachen, um wieder zu den alten Stellungen zurückzukehren und unbemerkt zu bleiben. Er überlebte, weil alle Mitverschwörer – selbst unter der Folter – über seine Beteiligung schwiegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Jura und Volkswirtschaft. 1948 heiratete er Rosa Maria Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg (* 1924), mit der er vier Kinder bekam, und zog auf die Burg Kreuzberg in Altenahr. In den 1950er Jahren gehörte er zum Personalgutachterausschuss, der über die Einsetzung von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren in die Bundeswehr entschied.

Bereits am 13. März 1946 wurde Boeselager in den Malteserorden aufgenommen und gehörte mit zu den Gründern des Malteser Hilfsdienstes. Auch die von der Deutschen Assoziation des Ordens durchgeführten Lourdes-Wallfahrten gehen auf seine Initiative zurück und er war lange Jahre als Lourdes-Kommissar des Ordens tätig. Boeselager hatte zuletzt im Malteserorden den Rang eines Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli in Obedienz. Sein Sohn Albrecht setzt diese Tradition fort.



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