Lebendige Erinnerung

 

28. April 2008

Heinz Droßel

Heinz Droßel (* 21. September 1916 in Berlin; † 28. April 2008 in Waldkirch) war im Zweiten Weltkrieg Oberleutnant der deutschen Wehrmacht, wurde nach dem Krieg Richter und Gerechter unter den Völkern.

Im November 1939, einen Tag nach seiner juristischen Staatsprüfung, wurde Heinz Droßel zum Dienst in der Wehrmacht eingezogen. Sein Auswanderungsversuch ein Jahr zuvor war gescheitert. Er nahm 1940 am Feldzug in Frankreich und von 1941 bis 1945 am Russlandfeldzug teil. Trotz starker Ablehnung gegen den Militärdienst und Abscheu dem Nationalsozialismus gegenüber war er bestrebt, seine soldatische Pflicht gewissenhaft zu erfüllen.

Im Sommer 1941 nahm seine Einheit an der Kriegsfront einen sowjetischen Offizier gefangen. Statt ihn zur weiter hinten liegenden Kompanie zu bringen, wo er nach dem völkerrechtswidrigen Kommissarbefehl hingerichtet worden wäre, ließ er ihn in der Nähe der sowjetischen Truppen heimlich laufen.

Auf Heimaturlaub im Jahr 1942 half Heinz Droßel in Berlin einer Frau, einer Jüdin, die zunächst von seiner Uniform in Angst versetzt flüchten und von einer Brücke springen wollte. Er beruhigte die Frau, ließ sie bei sich zu Hause ausruhen und gab ihr auch Geld, um ihr die Suche nach einem Versteck zu erleichtern.

Ein Heimaturlaub im Februar 1945 brachte ihn zu seinen Eltern nach Senzig. Eine jüdische Familie hatte dort unter dem Decknamen Hesse seit Jahren Unterschlupf gefunden. Als ein Nachbar im Begriff war, die Familie zu verraten, bat diese die Familie Droßel um Hilfe. Heinz Droßel gab der Familie den Schlüssel zu seiner Berliner Wohnung, gab ihr eine Pistole und vernichtete verräterische Dokumente.

Am 4. Mai 1945, vier Tage vor Kriegsende, weigerte sich Heinz Droßel, seine Einheit auf ein Selbstmordkommando zu schicken. Er wurde deshalb zum Tode verurteilt. Die Kapitulation rettete ihm das Leben.

Nach dem Krieg beendete Heinz Droßel seine juristische Ausbildung. Er wurde Richter und beschloss seine Laufbahn als Präsident des Sozialgerichts in Freiburg. Er erhielt den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Später, im Jahr 2001, erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Bis zu seinem Tod lebte Droßel in Simonswald, wo er oft bei Spaziergängen interessierten Passanten aus seinem Leben erzählte.

Die Zivildienstschule in Seelbach im Schwarzwald trägt seit 2006 den Namen „Heinz-Droßel-Bildungszentrum“.

Heinz Droßel wurde am 27. April 2008 ins Krankenhaus eingeliefert, wo er noch in der Nacht an den Folgen einer schweren Lungenentzündung starb. Er wurde 91 Jahre alt.



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Einträge:

Herr Droßel,
als ich im Zuge meines Zivildienstes im Oktober 2002 die Zivildienstschule in Seelbach besuchte, hielten Sie dort einen Vortrag über Ihr Leben.
Ihre Lebensgeschichte und die Art wie Sie sie erzählten haben mich tief beeindruckt. Mittlerweile bin ich Lehrer geworden und Sie und Ihr Buch sind für mich beruflich und privat nach wie vor eine unschätzbare Inspiration.
Ich danke Ihnen dafür.

Eintrag by Christian am 17.Oktober 2010


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