Lebendige Erinnerung

13. Februar 2008

Henri Salvador

Henri Salvador (* 18. Juli 1917 in Sinnamary, Französisch-Guayana; † 13. Februar 2008 in Paris) war ein französischer Sänger. Salvador zählte zu den Begründern des französischen Rock ’n‘ Rolls. Er arbeitete mit Boris Vian, spielte aber ebenso Bebop oder Jazz, unter anderem mit Django Reinhardt. Ab 1975 war er Gastgeber einer Show im französischen Fernsehen. Er entdeckte Keren Ann und Art Mengo. Er erhielt 1996 den Ehrenpreis der Rose d’Or.

Der französische Chansonier, Komiker, Verleger, Musiker und Schauspieler Henri Salvador prägte das kulturelle Leben der Grande Nation viele Jahrzehnte. An der Seite von Django Reinhardt machte er als begnadeter Gitarrist erstmals auf sich aufmerksam, setzte früh auf die überwältigende Bilderwelt des Fernsehens, brachte Mitte der 1950er Jahre den Rock’n’Roll nach Frankreich, begeisterte später Kinder mit seinem leichten Humor und schaffte am Beginn des neuen Jahrtausends mit über 80 Jahren ein fulminantes Comeback. Sein Vater Clovis war spanischer Abstammung, seine Großmutter mütterlicherseits, Antonine Paterne, stammte aus der Karibik. Er hatte zwei Geschwister.

„Chambre Avec Vue“ ist das Album Salvadors betitelt, mit dem er sich 2000 auf einen Schlag bei der jungen Generation bekannt machte. Mit vielen talentierten jungen Songwritern an seiner Seite brachte Salvador südamerikanische Bossa-Rhythmen, jazzigen Swing, französischen Chanson und leichten Pop zusammen und eroberte damit die Herzen von Musikliebhabern rund um den Globus. Salvador traf mit seinem südländischen Entertainer-Charme einen ähnlichen Nerv wie die Musiker des Buena Vista Social Club mit ihren Songs.

Nach der Gold-Auszeichnung für „Chambre Avec Vue“ machte sich der junggebliebene Chansonier auf zu einer ausgedehnten Tournee, die ihn von Frankreich aus durch ganz Europa, Kanada, die USA und Brasilien bis in die Karibik führte. Zwischendurch nahm er das Album „Ma Chère Et Tendre“ auf, das den Erfolg von „Chambre Avec Vue“ wiederholen konnte und ihm die Ernennung zum Kommandeurs der Ehrenlegion einbrachte. Eine Ehre, die nur sehr wenigen Persönlichkeiten außerhalb des Militärs zuteil wird.

Henri Salvador kam am 18. Juli 1917 in Französisch-Guayana, an der Nordspitze des südamerikanischen Kontinents, als Sohn karibischer Eltern zur Welt. Als er sieben Jahre alt war, zogen Salvadors Eltern nach Paris, wo er noch im frühen Teenageralter die Jazzmusiker Louis Armstrong und Duke Ellington schätzen lernte. Seither stand sein Berufswunsch fest. Gegen den Widerstand der Eltern, die für ihren Spross eine bodenständige Anwaltskarriere ins Auge fassten, wollte Henri Salvador Musiker werden.

Von Beginn an zeigte Salvador außerordentliches musikalisches Talent. Zunächst noch der Geige und der Trompete zugetan, entdeckte er mit 16 Jahren seine Leidenschaft für die Gitarre und brachte es auf dem Instrument in kürzester Zeit zur Meisterschaft. Nach Gastspielen in verschiedenen Jazz-Combos machte Salvadors komödiantisches Talent ihn 1936 mit dem Violinisten Eddy South bekannt, was in einem gemeinsamen Auftritt endete. Im Anschluss daran lernte Salvador sein großes Idol Django Reinhardt kennen und begleitete ihn für eine kurze Zeit auf Konzertreisen.

Kurze Zeit später legte der heraufziehende Krieg in Europa seinen Schatten auch über die Karriere von Henri Salvador. Er verpflichtete sich 1937 für vier Jahre bei der Armee, wo er bis 1941 Dienst tat. Er floh schließlich in das unbesetzte Frankreich und von dort weiter nach Spanien. In der Band von Ray Ventura tourte er bis zum Ende des Krieges durch Südamerika und kehrte 1945 nach Frankreich zurück, wo er sein Karriere als Solomusiker in Angriff nahm.

Aus Südamerika brachte Salvador neue Rhythmen mit, die den Einfluss seines großen Vorbildes Django Reinhardt in den Hintergrund drängten und ihm dabei halfen, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Seine ersten Schallplatten im 7“-Format erblickten 1947 das Licht der Welt und bereiteten den Weg für einen der größten Klassiker aus der Feder von Henri Salvador: „Le Loup, La Biche Et Le Chavalier (Une Chanson Douce)“ aus dem Jahr 1949.

In den 1950er Jahren zeigte Salvador einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit. Zu Beginn des Jahrzehnts noch ständiger Gast auf den Bühnen Frankreichs, gab er 1955 sein ersten Gastspiel in den Vereinigten Staaten. Der Musikliebhaber wurde sofort vom anbrechenden Rock’n’Roll-Hype erfasst, so dass er nach einem Auftritt in der Ed Sullivan Show und seiner Rückkehr nach Frankreich zu einem der Pioniere des Rock’n’Roll wurde.

Zusammen mit seinem Songwriting-Partner Boris Vian machte Salvador unter dem Pseudonym Henri Cording die Franzosen mit den neuen Grooves vertraut. Die Zusammenarbeit der beiden dauerte bis zu Vians Tod im Jahr 1959. In der kurzen Zeit komponierte das Duo über 400 Songs. Das folgende Jahrzehnt wurde zum populärsten von Henri Salvador. Den Startschuss gab das Livealbum „Alhambra“ aus dem Jahr 1960, dem zahlreiche Hitsingles auf Salvadors neu gegründetem Label Disques Salvador folgten.

„Le Lion Est Mort Ce Soir“ von 1962 gehört genauso zu seinen größten Hits wie „Syracuse“ oder „Juanita Banana“, die beide auf Salvadors Label Rigolo erscheinen, das er zusammen mit seiner Frau Jacqueline ins Leben ruft. Fernsehshows in Italien und Frankreich machen den lebenslustigen Franzosen auch auf der Mattscheibe zum Star, bevor er sich in den 1970er Jahren als erfolgreicher Sänger von Kinderliedern profiliert. Vertonungen der Disney-Soundtracks zu „Robin Hood“ und „Pinocchio“ fallen in diese Zeit.

1979 ließ Salvador die Zeit mit Vian in Form des Longplayers „Salvador/Vian“ nochmals aufleben und kehrte 1982 auf die Bühne zurück, was sein Album „Live du Spectacle De La Porte De Pantin“ eindrücklich dokumentiert. Die neuerwachte Bühnen- und Aufnahmeaktivität von Henri Salvador fand 1996 in einem Duett mit Ray Charles ihren vorläufigen Höhepunkt. Nach vierjähriger Pause meldete sich der über 80-jährige Lebemann 2000 mit dem Erfolgsalbum „Chambre Avec Vue“ zurück und gab 2004 seinen Fans auf der DVD „Bonsoir Amis“ einen Eindruck seiner trotz des hohen Alters noch immer jugendlichen Bühnenpräsenz.

Auch diverse Ehren wurden Henri Salvador zuteil. 2005 etwa erhielt er den brasilianischen Ehrenorden für kulturelle Verdienste, der ihm vom Sänger und Kulturminister Gilberto Gil und dem brasilianischen Präsidenten Lula überreicht wurde. Mit dem Preis sollte sein Einfluss auf die brasilianische Kultur, vor allem auf Bossa Nova, gewürdigt werden.

2006 veröffentlichte Salvador ein neues Album. In „Reverence“ zeigte er seine tiefe Zuneigung Brasilien gegenüber, das Album wurde auch teilweise dort aufgenommen. Gastmusiker auf der Platte waren unter anderem Gilberto Gil und Caetano Veloso.


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