Werner H. Welz
Werner H. Welz (*18. 3. 1916 in Siersleben ; † 08.01.2008 in Bochum) war ein liebevoller Ehemann, Vater und Opa.
“Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.” Dietrich Bonhoeffer< !
Werner Hugo Welz ist geboren am 18. 3. 1916 in Siersleben in Sachsen-Anhalt, wohin es den Vater beruflich verschlagen hatte. Als er noch ein kleiner Junge war, ging es dann mit der Mutter und den drei älteren Geschwistern wieder zurück ins Ruhrgebiet, nach Bochum-Riemke. Dort lebte er unter manchmal sehr beengten finanziellen Verhältnissen, die alleinerziehende Mutter hatte viel zu leisten, um die Familie durchzubringen.
Als kleiner Junge hatte er schon eine Leidenschaft: Tiere. Er lief oft zu Fuß zum Markt nach Sodingen, weil er da Kaninchen, Ferkel und was es früher auf den Märkten sonst an Kleintieren noch gab, beobachten konnte.
Sein Lebensweg war ein für damalige Zeit normaler, die wirtschaftlichen Verhältnisse machten den Besuch einer weiterführenden Schule nicht möglich.
Volksschule, Berufsausbildung, Arbeitsdienst, dann der zweite Weltkrieg, den er zum Teil in Frankreich erlebte. Noch während des Krieges Heirat mit seiner Frau Alma, mit der er über 60 Jahre verheiratet war. Nach dem Krieg kam er in Gefangenschaft, da war schon der älteste Sohn Werner Erich geboren. Der zweite Sohn Wolfgang kam in der Nachkriegszeit, der „schlechten“ Zeit, wie er oft erzählte, als man nicht genug zu essen hatte.
Nach dem Krieg fing Werner Welz dann an, auf den Stahlwerken Bochum zu arbeiten. Hier wurden manche seiner hervorragenden Charakterzüge deutlich:
Er hatte einen eisernen Willen, Pflichtgefühl und Ehrgeiz.
In den darauf folgenden Jahren hat er sich emporgearbeitet vom Assistenten des Arbeitsdirektors bis zum angesehenen und allseits geachteten Leiter der Sozialabteilung.
In den 50er Jahren wurde das Haus am Grüner Weg gekauft und die Tochter Birgit geboren.
Mit dem Hauskauf kam ein neues Hobby: Die Gartenarbeit. Werner Welz war immer stolz auf seinen Garten, freute sich, wenn Blumen und Sträucher blühten, zog Gemüse und erntete Obst. Bis zuletzt, bis in sein 92. Lebensjahr hinein, hat er im Garten gearbeitet und Haus und Grundstück selbstständig versorgt.
Die Liebe zu den Tieren war geblieben. Waren es erst die eigenen Hunde, hatte er in den letzten Jahren Freude an den Hunden des ältesten Sohnes Werner.
Eine letzte Leidenschaft entwickelte sich, da war er im schon hohen Alter: Die Familie kaufte einen alten Bauernhof in Frankreich, und dort hat er in den letzten elf Jahren viel Zeit mit Kindern, Schwiegerkindern und den Enkeln verbracht, hat tatkräftig mit angepackt, um aus dem alten Hof ein Schmuckstück zu machen.
Aber neben der Liebe zu Hunden, Haus und Garten und dem Besitz in Frankreich: An erster Stelle stand für ihn immer die Familie. Er war bis zuletzt der Mittelpunkt, nahm an allem Anteil, interessierte sich für jeden, war stets zur Stelle, wenn Kinder oder Enkel Hilfe und Unterstützung brauchten. Dabei hielt er sich jedoch zurück, mischte sich nicht in das Leben der einzelnen ein. Er riet da, wo er gefragt wurde, er half, wo er gebraucht wurde.
Immer war sein Blick in die Zukunft gerichtet. Er hielt es mit Martin Luther: Und würde morgen die Welt untergehen, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Von daher galt sein besonderes Interesse auch seinen Enkelinnen und Enkeln und er war froh, dass die Kontakte untereinander nicht abrissen, als die Kinder groß wurden.
Silja war das erste Enkelkind. Als Kind hat sie viel Zeit bei den Großeltern verbracht und auch in den letzten Monaten seiner Krankheit hat sie – obwohl berufstätig und in Frankfurt wohnend – ihren Opa so oft wie möglich besucht. Silja ist besonders traurig, dass er nun sein erstes Urenkelkind, dass sie im Mai erwartet, nicht mehr sehen wird.
Linda wurde als zweites Enkelkind geboren und damit hatten die Großeltern endlich ein Enkelkind mehr in der Nähe wohnen. Bei Linda hat er gespannt ihr Studium verfolgt und mit ihr gebangt, als sie das erste Staatsexamen als Juristin machte.
Meike war das dritte Mädchen in der Runde und auch sie hatte, wie die beiden anderen, stets engen und regelmäßigen Kontakt zu ihrem Opa, der sich immer freute, wenn der regelmäßige Telefonanruf aus Köln kam. „Sie hat immer soviel zu erzählen“, sagte er dann schmunzelnd.
Mit Martin wurde der erste Enkelsohn geboren. Weil seine Mutter, Opas Schwiegertochter Jutta damals schwer erkrankt war, hat der Opa damals noch das Windelnwickeln gelernt und sich intensiv erst mit dem Baby, dann mit dem Heranwachsenden befasst.
Max ist der jüngste Enkelsohn, der als Nachkömmling in der Familie willkommen geheißen wurde. Auch mit Max, der in Speyer wohnt, waren die regelmäßigen Telefongespräche selbstverständlich und er freute sich sehr, dass Max in diesem Jahr zur Konfirmation gehen würde.
Stolz war der Opa auf alle seine Enkelkinder: Alle haben Abitur gemacht, was für ihn, dem eine solche Schulbildung versagt blieb, sehr wichtig war. Und auch bei Max erwartete er selbstverständlich, dass er in diese Fußstapfen treten würde.
Schwierige Zeiten brachen an, als seine Frau Alma an Alzheimer erkrankte. Er übernahm selbst die Pflege, auch wenn ihn die Belastung an den Rand seiner Kräfte brachte, aber auch da waren es sein eiserner Wille und sein Pflichtgefühl, die ihn die schweren Zeiten meistern ließ.
Im Leben half ihm auch sein Humor, er lachte gern, auch über sich selbst, und so gibt es viele Anekdoten, die man über sein fast 92jähriges Leben erzählen kann.
Werner Welz war gütig, hilfsbereit und hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Oft war er der Ansprechpartner, wenn es im Kollegenkreis oder in der Nachbarschaft Probleme gab. Bei ihm wusste man seine Sorgen gut aufgehoben und bekam aufrichtige Unterstützung. Der Begriff „Solidarität“ bedeutete ihm etwas, aber auch Tugenden wie Ehrlichkeit und Pünktlichkeit.
Im letzten Jahr dann hatte er schwere Krankheiten zu ertragen. Ab Mai begann eine Leidenszeit, die ihn in viele Krankenhäuser führte. Dennoch behielt er seinen Lebensmut und seinen Lebenswillen bis zuletzt.
Stolz machte ihn, dass seine Familie in dieser schweren Zeit immer für ihn da war und ihn unterstützte und dass alle zusammenhielten und damit auch seinen Weg fortsetzten.
Ein letztes Weihnachtsfest war ihm noch im Kreise der Familie vergönnt, da war er aber schon sehr krank und schwach.
Trotz seines Leidens aber war sein Geist bis zuletzt wach und rege.