Lebendige Erinnerung

 

24. September 2007

Kurt Goldstein

Kurt Julius Goldstein (* 3. November 1914 in Dortmund; † 24. September 2007 in Berlin) war ein jüdischer Journalist und ehemaliger Rundfunkintendant.

Kurt Goldstein wurde 1914 in Dortmund-Scharnhorst geboren. Seine Eltern waren der während des ersten Weltkrieges gefallene, pazifistisch orientierte Ladenbesitzer Emil Goldenstein aus Hamm (Westfalen) und Ida Cohen aus Wittmund. Bereits in der Schule machte er Erfahrung mit dem aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland.

Zunächst Mitglied des linken jüdischen Jugendbundes Kameraden, schloss er 1928 sich dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD) an und trat 1930 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. 1932 wurde er „wegen kommunistischer Umtriebe“ von der Schule gewiesen. 1933 konnte er den Nazis entkommen, die ihn doppelt verfolgten – als Juden und als Kommunisten.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 floh er zunächst nach Luxemburg, dann nach Frankreich, wo er sich der zionistischen Organisation Hechaluz anschloss. Dort erlernte er in einem von dieser Organisation betriebenen Hachschara-Lager landwirtschaftliche Fähigkeiten, welche ihn auf die Auswanderung nach Palästina vorbereiten sollten, wo er sich von 1934 bis 1936 aufhielt. 1936 bis 1939 kämpfte Goldstein als Interbrigadist im Spanischen Bürgerkrieg, wo er bei Seguro los Baños verwundet wurde und später als Politkommissar einer Einheit in Vic und später in Santa Colona de Paneres fungierte. Nach dem Sieg Francisco Francos wurde er in Frankreich in den Internierungslagern Gurs, Saint-Cyprien und nach Beginn des zweiten Weltkrieges in Le Vernet für drei Jahre gefangen gehalten und im Juli 1942 nach der deutschen Besetzung an Deutschland ausgeliefert und über das KZ Drancy nach Auschwitz deportiert. Bei der Zwangsarbeit im Nebenlager Jawischowitz in den Kohlengruben leistete er weiter Widerstand und erhielt von der SS den Spitznamen „Judenkönig“. Goldstein überlebte 30 Monate im Konzentrationslager und im Januar 1945 den „Todesmarsch nach Buchenwald“. Hier wurde er am 11. April 1945 befreit.

Nach dem Krieg engagierte sich Goldstein zunächst in Berlin in der KPD/SED. Er arbeitete als Jugendsekretär der KPD und wurde Vorsitzender des Landesjugendausschusses in Thüringen. 1946 kehrte Goldstein in seine Heimatstadt Dortmund zurück und agitierte auch hier für die KPD. Später war er 1. Sekretär des FDJ-Zentralbüros in der Bundesrepublik. 1951 siedelte er in die DDR über.

In der DDR wurde Goldstein politischer Mitarbeiter der Westabteilung des Zentralkomitee der SED und wechselte 1956 zum Rundfunk der DDR, wo er bis zu seiner Pensionierung 1978 als Funktionär in leitender Stellung tätig war. 1957 kam er zum Deutschlandsender, dessen Intendant er von 1969 bis 1971 war. 1971 bis 1978 war Kurt Goldstein Intendant des Senders Stimme der DDR. 1976 wurde Goldstein Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und von 1982 bis 1991 Sekretär der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer in Wien. Seit 1994 war er Ehrenvorsitzender des Interessenverbandes der Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, der Verfolgten des NS-Regimes und der Hinterbliebenen (IVVdN).

Goldstein war Träger des Bundesverdienstkreuzes, arbeitete für viele internationale Organisationen, war Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz Komitees und Ehrenvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten. Seit 1996 war er Ehrenbürger Spaniens. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit ehrte am 20. Mai 2005 Kurt Julius Goldstein im Auftrag des Bundespräsidenten mit dem „Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Bis zu seinem Lebensende berichtete er unermüdlich in Zeitzeugengesprächen, bevorzugt an Schulen, über die NS-Zeit.

Goldstein war seit 1951 verheiratet und hatte 5 Kinder. Kurt Goldstein verstarb am 24. September 2007 in Berlin.

„Ich hatte keine Lust, in eisiger Kälte an der Rampe zu stehen und mir von den Rednern, unter anderen den deutschen, anzuhören, wie gut sie doch alle mit der Vergangenheit umgehen. Ich finde das zum Kotzen.“

– Kurt Goldstein auf die Frage, warum er dem 60. Gedenktag in Auschwitz fernblieb.


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