Lebendige Erinnerung

 

30. Juli 2007

Michelangelo Antonioni

Michelangelo Antonioni (* 29. September 1912 in Ferrara, Italien, † 30. Juli 2007) in Ferrara, war ein italienischer Avantgarde-Filmregisseur, Autor und Maler.

Sein Vater war Gutsbesitzer. Antonioni schloss ein Universitätsstudium an der Universität von Bologna als Diplomvolkswirt ab und verfasste Filmkritiken für den Corriere Padano.

1939 ging er nach Rom, „um sein Leben dem Film zu widmen“. Er schrieb für L’Italia libera. Erste Entwürfe für Drehbücher entstanden in jener Zeit. In der Filmstadt Cinecitta studierte er am Centro esperimentale di Cinematografia die Filmtechnik. Hier traf Antonioni einige Künstler, mit denen er später zusammenarbeiten sollte, darunter Roberto Rossellini.

Ebenfalls in Rom schrieb er für die Zeitschrift Cinema, die von Mussolinis Sohn Vittorio herausgegebene, offizielle Filmzeitschrift. In den 40er Jahren erschienen hier auch die oft zitierten Würdigungen faschistischer und antijüdischer Propagandafilme wie Hitlerjunge Quex oder Jud Süß, die Antonioni später eine Reihe böser Kommentare einbrachten. Wegen politischer Differenzen wurde Antonioni schließlich bei Cinema entlassen, wo er vorher große Privilegien besaß.

1985 erlitt Antonioni einen Schlaganfall, dessen Folgen ihm bis zu seinem Tod nur die Realisierung von Kurzfilmen oder kurzen Reisedokumentationen erlaubten.

Einige seiner frühen Filme werden mit dem italienischen Neorealismus assoziiert. Dabei beschäftigte er sich mit der Nachkriegsgesellschaft, menschlicher Isolation, aber auch dem Ausbruch aus Konventionen. Während sich jedoch der reine Neorealismus mit der äußeren Entfremdung des einfachen Menschen von seiner Umwelt beschäftigt, kehrt Antonioni dieses Motiv um. Seine Anfang der 1960er Jahre entstandene Trilogie, bestehend aus L’avventura (1960), La notte (1961) und L’eclisse (1962), setzt sich vor allen Dingen mit der inneren Entfremdung und Zerissenheit der Protagonisten, die ausschließlich in oberen Gesellschaftsschichten verkehren, auseinander.

Ein weiteres Thema sind die Möglichkeiten von Medien, Dinge zu zeigen und gleichzeitig zu hinterfragen, wie in seinem bekanntesten Film Blow Up, in dem ein Fotograf auf einem seiner Negative eine Leiche zu sehen glaubt, und dem Fall nachgeht.

Zabriskie Point ist eine Hommage an die 68er-Bewegung, mitten in der gewalttätigen Studentenrevolte brechen ein Student und eine Angestellte kurz aus ihrem alltäglichen Leben und der Konsumgesellschaft aus, und treffen sich in der Wüste, die Flucht misslingt jedoch ebenso wie die Revolte.

Antonioni beschrieb sich selbst als marxistischen Intellektuellen.

1995 unterstützt Wim Wenders den Filmregisseur bei der Inszenierung einer Adaption eigener fragmentarischer Skizzen aus früheren Jahren in Form eines Anthologiefilms (Jenseits der Wolken). Wenders hält diese Erfahrung in seinem Tagebuch fest und veröffentlicht dieses später unter dem Namen Meine Zeit mit Antonioni.


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