Jörg Immendorff
Jörg Immendorff (* 14. Juni 1945 in Bleckede bei Lüneburg; † 28. Mai 2007 in Düsseldorf) war ein deutscher Maler und Bildhauer. Immendorff war Hauptschullehrer für Kunst an der Dumont-Lindemann-Schule in Düsseldorf, bevor er eine der bekanntesten deutschen Nachkriegs-Künstlerpersönlichkeiten wurde.
Immendorff studierte in den sechziger Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf zuerst Bühnenbild bei Teo Otto und anschließend ab 1964 Kunst bei Joseph Beuys. Während seiner Studienzeit engagierte sich Immendorff politisch in der Außerparlamentarischen Opposition und wurde Mitglied der maoistischen KPD/ML, für die er Flugblätter grafisch gestaltete. Seine provokanten neodadaistischen Aktionen führten schließlich zu einem Verweis von der Akademie.
Danach war er einige Jahre als Kunsterzieher tätig, bevor er sich ganz der freien Kunst widmete. Er malte – im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Malern, die sich nach 1945 der gegenstandslosen Kunst zuwandten – schon früh gegenständliche Bilder mit politisch-gesellschaftskritischen Inhalten. Diese Werkgruppe mit plakativen Bildern aus der Mitte der siebziger Jahre figuriert unter der Bezeichnung „Agitprop“.
Schließlich wurde Immendorff zum Vertreter einer neuen Historienmalerei in Deutschland. 1968 sorgte er für Aufsehen, indem er sich bei seiner ersten „LIDL“-Kunstaktion einen schwarz-rot-goldenen Klotz ans Bein band und damit bis zum Einschreiten der Polizei vor dem Bundestag auf und ab lief. 1972 nimmt er an der documenta 5 teil. 1976 begann eine Freundschaft mit dem damals noch in der DDR lebenden und dort offiziell verpönten Künstler A. R. Penck. 1976 nimmt er an der Biennale von Venedig teil. 1982 ist er bei Zeitgeist, 1984 bei der Ausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf vertreten. Im selben Jahr eröffnete er in St. Pauli die „La Paloma“-Bar und schuf eine Plastik von Hans Albers. Eine Zeit lang stand er einigen Malern der „Jungen Wilden“ nahe. Bekannt wurde Immendorff vor allem durch eine Serie von 16 großformatigen Bildern, die „Café Deutschland“ betitelt sind. Die figurenreichen Szenen spielen sich auf einem bühnenartigen Raum ab und wurden von Renato Guttusos „Caffè greco“ inspiriert. „Café Deutschland“ steht dabei für den Namen einer Düsseldorfer Diskothek, deren fiktive politische und kulturelle Gäste den damaligen Ost-West-Konflikt symbolisieren. Des weiteren war Immendorff für etliche Bühnenbildgestaltungen, etwa für die Festspiele in Salzburg, verantwortlich. Auch an der künstlerischen Gestaltung des „Luna Luna“-Vergnügungsparks von André Heller war er beteiligt. 1989 erhielt Immendorff eine Professur am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main, ab 1996 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Neben seinen Bildern schuf Immendorff auch expressive Plastiken. Außerdem porträtierte Immendorff Gerhard Schröder für die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt.
Am 28. Mai 2007 erlag Immendorff der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer tödlichen Nervenkrankheit, an der er bereits seit 1997 litt. Als Todesursache wird derzeit ein durch die Krankheit verursachter Herzstillstand angenommen, wie sein behandelnder Arzt, der Neurologe Thomas Meyer an der Berliner Charité, mitteilte. Bereits am 23. November 2005 war er nach einstündiger notärztlicher Behandlung in die Düsseldorfer Universitätsklinik eingeliefert worden. Aufgrund einer Schwächung der Atemfunktion wurde ein Luftröhrenschnitt als Zugang für die maschinelle Beatmung durchgeführt. Danach musste er weiterhin beatmet werden. In den letzten Monaten vor seinem Tod konnte Immendorff im typischen Verlauf von ALS seine Arme und Beine nicht mehr bewegen. Wie sein Arzt mitteilte, wurde auf Wiederbelebungsversuche Immendorffs Wunsch entsprechend verzichtet. Jörg Immendorff starb im Alter von 61 Jahren.[1]
Seit etwa 1998 veränderte Immendorff seinen Stil und seine Thematik. Nach eigener Aussage befreite er nun seine Gemälde von dem erzählenden Lametta, um zu einer reineren Malerei zu kommen. Vor monochrome Hintergründe, manchmal schwarz, meistens aber pastellfarben, setzt er geheimnisvolle Figuren und Chiffren. Dabei macht er deutliche Anleihen bei der älteren Kunst. Eines seiner neuen Leitmotive hat er Hans Baldung Grien entlehnt. Die Füße einer nackten Frau sind an Kugeln gebunden. Um das Gleichgewicht zu halten (oder um sich fortzubewegen?), stützt sie sich auf eine Krücke und auf einen Stock. Immendorff hat das traditionelle Bild der „Fortuna“ in eine eigene Bildwelt versetzt. Vielleicht ist diese Figur mit dem labilen Stand ein Zeichen für Unsicherheit und Veränderung.
Auf den neueren surreal wirkenden Bildern tauchen weitere rätselhafte Motive auf, die aus der Kunstgeschichte bekannt sind, wie das Labyrinth, der Babylonische Turm und eine Weltkugel mit acht allegorischen Figuren nach einem Kupferstich von Jacques de Gheyn, der 1596/97 unter dem Motto „Allen Dingen ist der Wechsel eigen“ erschienen ist. Dieser Globus ersetzt bei manchen Gestalten den Kopf, auch auf Selbstdarstellungen Immendorffs. Das ist vielleicht ein Hinweis auf das Lebensgefühl des Künstlers, der immer wieder seinen Stil und seine künstlerischen Aussagen verändert und in Frage gestellt hat.
Als Künstler nutzte Immendorff geschickt die Massenmedien für seine Imageförderung. Die Hochzeit mit seiner über dreißig Jahre jüngeren Partnerin, der Bulgarin Oda Jaune, wurde im Jahr 2000 zu einem Medienereignis hochstilisiert (Tochter Ida * August 2001). Am 18. August 2003 gerät der Künstler wegen einer Drogen-Affäre jedoch in die Negativschlagzeilen. Nachweislich konsumierte er am 16. August 2003 und an mehreren weiteren Terminen in der Suite eines Düsseldorfer Nobelhotels zusammen mit Prostituierten größere Mengen Kokain. Der Künstler selbst gab zu, seit den frühen 1990er Jahren Kokain zu konsumieren. Am 4. August 2004 verurteilte ihn das Düsseldorfer Landgericht wegen Kokainbesitzes zu elf Monaten Freiheitsstrafe. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, u. a. mit der Auflage, 150.000 Euro an verschiedene gemeinnützige Einrichtungen zu zahlen. Immendorff konnte somit seinen Beamtenstatus und seine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie behalten, die er nach Beamtenrecht bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr verloren hätte. Ende Oktober 2003 war er von seiner Tätigkeit als Hochschullehrer an der Düsseldorfer Akademie offiziell entbunden worden. Anfang November 2004 wurde die Suspendierung als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie jedoch wieder aufgehoben. Damit durfte Immendorff wieder lehren.
Jörg Immendorff gründete eine Stiftung mit einem „Stipendium zur Erforschung von Ursache und Therapie der ALS“ an der Berliner Charité und stellte mehrfach eigene Kunstwerke zur Versteigerung zur Verfügung. Vom 23. September 2005 bis 22. Januar 2006 wurde er mit einer umfassenden Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin geehrt. Immendorf hat sich auch für die gemeinnützige Galerie fiftyfifty engagiert.
Immendorff wurde am 7. Oktober 2006 mit dem „Goslarer Kaiserring“ der Stadt Goslar für seine Kunst ausgezeichnet. Nach der Begründung der Jury sei Kunst für Immendorff „kein Selbstzweck“, sondern gehe es ihm um die „unmittelbare gesellschaftliche Wirkung“.
Dieser Eintrag basiert auf den gleichnamigen Artikel aus
der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz
fuer freie Dokumentation. Unter diesem Link sind in der Wikipedia
der original Beitrag sowie eine Liste der Autoren verfuegbar.