Lebendige Erinnerung

 

3. Mai 2007

Walter Schirra

Walter Marty „Wally“ Schirra, Jr. (* 12. März 1923 in Hackensack, New Jersey, USA; † 3. Mai 2007 in La Jolla, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Astronaut. Er war der Einzige, der an jedem der ersten drei Raumfahrtprogramme der USA – Mercury, Gemini und Apollo – aktiv als Raumfahrer beteiligt war. Schirra studierte Luftfahrttechnik am Newark College of Engineering von 1940 bis 1942 und ging dann an die United States Naval Academy, wo er im Juni 1945 sein Diplom erhielt.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs diente er an Bord der USS Alaska, doch der Krieg war zu Ende, ehe das Schiff die Kampfgebiete erreichte.

Ab 1948 war er Kampfflieger der US-Marine und flog auch Einsätze im Koreakrieg. Von 1952 bis 1954 war er Testpilot in China Lake, Kalifornien, wo er auch an der Entwicklung von Luft-Luft-Raketen mitwirkte. Weitere Stationen seiner Karriere waren der Flugzeugträger USS Lexington und Ausbildungen in Kalifornien und Maryland.

Walter Schirra war einer der 110 Testpiloten, die in die engere Auswahl für die erste Astronautengruppe des Mercury-Programms kamen. Am 9. April 1959 wurde er dann von der NASA als einer der sieben ersten amerikanischen Astronauten der Öffentlichkeit vorgestellt. Als Spezialgebiet übernahm er die Lebenserhaltungssysteme an Bord der Mercury-Kapsel und den Raumanzug. Für den zweiten Flug einer Mercury-Kapsel in der Erdumlaufbahn, Mercury-Atlas 7, war Schirra als Ersatzpilot eingeteilt. Als dem ursprünglich nominierten Pilot Deke Slayton die Flugfähigkeit abgesprochen wurde, kam jedoch nicht Schirra, sondern Scott Carpenter zum Zug.

Seinen ersten Weltraumeinsatz hatte Schirra dann mit Mercury-Atlas 8, als er am 3. Oktober 1962 die Kapsel Sigma 7 sechsmal um die Erde steuerte. Dieser Flug ging als „Raumflug aus dem Lehrbuch“ in die Geschichte der NASA ein. Schirra war somit der neunte Mensch im Weltraum, davon der fünfte Amerikaner.

Ab Januar 1963 übernahm Schirra bei der NASA neue Aufgaben in der Koordination von Gemini- und Apollo-Aktivitäten.

Ab April 1964 bereitete er sich für den ersten amerikanischen Zwei-Mann-Flug Gemini 3 vor, für den er als Ersatz-Kommandant eingeteilt wurde. Nachdem dieser Flug am 23. März 1965 erfolgreich von Virgil Grissom und John Young durchgeführt wurde, erhielt er das Kommando für den nächsten verfügbaren Flug: Gemini 6.

Dieser Flug hätte die erste Kopplung zweier Raumflugzeuge in der Erdumlaufbahn werden sollen, der Einsatzplan musste aber nach einem Fehlstart des Zielsatelliten geändert werden und sah statt dessen ein Rendezvous mit Gemini 7 vor.

Walter Schirra bewies eiserne Nerven, als er während eines misslungenen Startversuchs von Gemini 6 die Schleudersitze nicht auslöste, obwohl die Rakete ungesichert auf der Startrampe stand.

Der dritte Versuch beförderte Gemini 6 mit ihm und Tom Stafford am 15. Dezember 1965 in die Erdumlaufbahn, wo sie, zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt, gesteuerte Annäherungsmanöver zweier Raumschiffe durchführten.

Nach der erfolgreichen Mission von Gemini 6 wechselte Schirra zum Apollo-Programm, wo er am 29. September 1966 als Kommandant des zweiten bemannten Flugs nominiert wurde. Er bekam Donn Eisele und Walter Cunningham zugeteilt. Im November 1966 wurde dieser Flug abgesagt, und die drei Astronauten wurden die Ersatzmannschaft für den ersten bemannten Apollo-Flug, Apollo 1. Bei einem Test am 27. Januar 1967 kamen jedoch alle drei Mitglieder der Hauptmannschaft ums Leben, und alle Mannschaftseinteilungen waren vorerst hinfällig. Am 9. Mai 1967 wurden dann Schirra, Eisele und Cunningham als Mannschaft für den ersten bemannten Apollo-Flug bekannt gegeben. Diese Mission trug nun die Bezeichnung Apollo 7.

Apollo 7 startete am 11. Oktober 1968 und blieb 11 Tage in der Erdumlaufbahn. Aus technischer Sicht lief dieser Flug hervorragend, es wurde ein Rendezvous mit der oberen Stufe der Saturn 1B-Rakete durchgeführt und die ersten Fernsehbilder aus einem amerikanischen Raumschiff zur Erde gesendet. Die Astronauten litten jedoch unter Schnupfen, und es herrschte eine ziemlich gereizte Stimmung zwischen der Flugleitzentrale und dem Raumschiff.

Schirra hatte bereits angekündigt, dass Apollo 7 sein letzter Raumflug sein würde und verließ die NASA am 1. Juli 1969. Er arbeitete als Vorstand und Geschäftsführer in mehreren Firmen, bis er 1979 sein eigenes Unternehmen Schirra Enterprises gründete. Außerdem war er im Aufsichtsrat mehrerer Firmen tätig und machte Fernsehwerbung für Actifed, das Medikament, das er während des Apollo 7-Flugs nahm. Walter Schirra war verheiratet und hatte zwei Kinder: Walter Marty III (* 1950) und Suzanne (* 1957).

Schirra starb im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung im Scripps Green Hospital in La Jolla (Kalifornien).

Die Eltern von Walter Schirra haben Schweizer Wurzeln. Die Familie stammte ursprünglich aus dem Tessin (Centovalli).


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