Otto Wolff von Amerongen
Otto Wolff von Amerongen (* 6. August 1918 in Köln, † 8. März 2007 in Köln) galt als einer der einflussreichsten Unternehmer im Deutschland der Nachkriegszeit. Er wurde auch als „Wegbereiter des Osthandels“ und „heimlicher Osthandelsminister“ bezeichnet.
1933 wurde die Scharnhorst-Jugend, in der Wolff von Amerongen Mitglied war, in die Hitlerjugend übernommen. 1938 wurde er zur Wehrmacht einberufen und übernahm 1940 nach dessen Tod von seinem Adoptivvater Otto Wolff als persönlich haftender Teilhaber den Otto-Wolff-Konzern.Nach Internierung durch die Alliierten konnte er 1947 wieder in das Familienunternehmen zurückkehren, das er 1966 in eine Aktiengesellschaft umwandelte und bis 1986 als Vorstandsvorsitzender leitete. Er berief seinen Schwiegersohn Arend Oetker zum Vorstandsvorsitzenden, der 1990 den gesamten Konzern mitsamt seinen rund 200 Beteiligungen und 30.000 Mitarbeitern nach anhaltender Krise und vorangegangenen Teilverkäufen an die ThyssenKrupp AG verkaufte. In der Nachkriegszeit hatte Wolff von Amerongen zahlreiche Aufsichtsratsmandate inne und wurde als erster Deutscher in das Führungsgremium eines multinationalen Unternehmens, den US-amerikanischen Exxon-Konzern berufen.
Von 1969 bis 1988 war Otto Wolff von Amerongen Präsident des deutschen Industrie- und Handelstages und dann bis zu seinem Tod in zahlreichen Organisationen Ehrenpräsident, wie z. B. der Kölner IHK, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der Deutschen Olympischen Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und auch des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation. Er gehörte dem inneren Kreis der Bilderberg-Gruppe an.
Von 1955 bis 2000 leitete er den Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft und baute vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren wirtschaftliche Kontakte zur Sowjetunion auf. 1961 wurde er von Bundeskanzler Konrad Adenauer zum Leiter des Komitees zur Vorbereitung der Industriemesse Moskau 1962 berufen. Das deutsch-sowjetische Erdgas-Röhren-Geschäft – ein sogenanntes Barter-Geschäft – gilt als sein größter Erfolg mit Einfluss auf die Entspannungspolitik der Bundesrepublik.
Von Michail Gorbatschow wurde er lobend als „ältester Pionier der Arbeitsbrigade Deutschland/Sowjetunion“ bezeichnet.
Durch entsprechende Vermerke in Akten der US-Nachkriegsbesatzung und dem russischen KGB ist bewiesen, dass der Otto-Wolff-Konzern unter seiner Führung bis 1945 unter anderem jüdisches Eigentum in Form von Aktien, Gold und anderen Werten für die nationalsozialistische Regierung und deren Kriegsfinanzierung beschaffte und an den Börsen z.B. in der Schweiz anlegte.[5] Weiterhin übernahm sein Unternehmen eine wesentliche Rolle in der Beschaffung des kriegswichtigen Metalls Wolfram.
1992 gründete er die Otto Wolff von Amerongen-Stiftung zur Förderung von Bildung, Erziehung und Völkerverständigung, deren Vorstandsvorsitz er übernahm.
Ab dem 2. März 2006 lief eine Dokumentation mit dem Titel “Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?” in den deutschen Kinos.[7] Der Regisseur Gerhard Friedl beleuchtet darin die Rolle von Amerongens im Zusammenhang mehrerer Firmenzusammenbrüche. Dieser Film erhielt u.a. den Deutschen Kurzfilmpreis 2005 und den ARTE-Dokumentarfilmpreis 2004.