Gerhard Bronner
Gerhard Bronner (* 23. Oktober 1922 in Wien; † 19. Jänner 2007 in Wien)war ein österreichischer Komponist, Musiker und Kabarettist.
Aufgewachsen in Favoriten, musste Bronner 1938 wegen rassistischer Verfolgung über Brünn und England nach Palästina fliehen und verdiente sich dort seinen Lebensunterhalt als Straßensänger, Barpianist und Komponist. 1948 kehrte er nach Wien zurück. Eigentlich kam er nur auf Besuch und wollte nicht mehr in Wien, das nicht mehr seine Heimat sei, bleiben.
Am 12. November 1952 hatte die Kabarettrevue „Brettl vor’m Kopf“ Premiere. Die fünfzehn Nummern des Programms stammten aus der Feder von Gerhard Bronner, Michael Kehlmann, Carl Merz und Helmut Qualtinger. Danach war erst mal Pause, weil Bronner und Kehlmann nach Hamburg gingen, da dort das erste und einzige Fernsehstudio im deutschen Sprachraum war und beide in diesem (damals völlig neuen) Medium arbeiten wollten. Bronner war dort bis 1955 musikalischer Leiter der Unterhaltungsabteilung beim NDR, (wo er dann auch die hochdeutsche Fassung vom „g’schupften Ferdl“ als „Der blasse Gustav“ herausbrachte, der dann von vielen, heute kaum noch bekannten Gruppen, wie etwa „Die drei Johls“ oder „Die drei Travellers“, nachgespielt wurde). Anschließend kehrte er dann nach Wien zurück.
1955 pachtete Bronner die „Marietta-Bar“, die bald ein beliebter Künstlerteff wurde, und engagierte für diese u.a. Peter Wehle und Georg Kreisler. 1956 pachtete er gemeinsam mit Kreisler das „Intime Theater“ in der Liliengasse. Dort brachte das „namenlose Ensemble“ (neben Bronner Merz, Qualtinger, Kehlmann, Kreisler, Wehle und Louise Martini u.A.) das Kabarettprogramm „Blattl vor’m Mund“ und weitere heraus. Als ihnen 1958 der Vertrag gekündigt wurde, spielten sie das nächste Programm, „Spiegel vor’m Gsicht“, im Fernsehen (ORF). Übertragen wurde zu Anfang aus dem „Bürgertheater“, später aus dem „Stadttheater“ (Etablissement Ronacher).
1959 übernahm Bronner das „Neue Theater am Kärntnertor“, wo das Programm „Dachl überm Kopf“ Premiere hatte. Als sich dann 1961, besonders durch den Weggang von Qualtinger, der von nun an lieber Theater spielen wollte, die Gruppe auflöste, führte Bronner das Theater mit Gastspielen und eigenen Programmen bis 1966 fort.
Die „Travnicek-Dialoge“ mit Helmut Qualtinger (Autoren: Merz und Qualtinger) sind (nicht nur) in die österreichische Kabarettgeschichte eingegangen.
Er arbeitete aber nicht nur mit bekannten Kabarettisten, sondern entdeckte auch damals junge Talente, denen er Lieder schrieb. So wurde Marianne Mendt mit der Glock’n, die 24 Stundn leit bekannt. Von 1979 bis 1988 leitete Bronner das Kabarett „Fledermaus“, die frühere Marietta-Bar.
Für den ORF moderierte Bronner die Sendung „Schlager für Fortgeschrittene“ und wirkte im Radiokabarett „Der Guglhupf“ mit. Er ist auch bekannt als Übersetzer von Ephraim Kishons Satiren (seit Friedrich Torberg 1979 verstarb), schuf 1969 eine Wiener Fassung von „My Fair Lady“ und bearbeitete das Musical „Cabaret“.
Bronners ältester Sohn, Oscar Bronner, ist der Gründer und Herausgeber der Tageszeitung Der Standard. Bronner war mit der Schauspielerin Bruni Löbel verheiratet und hat mir ihr einen Sohn Felix Bronner. 1988 übersiedelte Bronner in die USA, kehrte aber 1993 nach Wien zurück, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete.
Gerhard Bronner starb am 19. Jänner 2007 84-jährig in einem Wiener Spital an den Folgen eines Schlaganfalls.