Lebendige Erinnerung

 

23. November 2006

Alexander W- Litwinenko

Alexander Walterowitsch Litwinenko ( wiss. Transliteration Aleksandr Val’terovi? Litvinenko; * 30. August 1962 in Woronesch; † 23. November 2006 in London)

war ein ehemaliger Oberstleutnant des russischen Geheimdienstes KGB (später FSB), Buchautor und Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er stand dem ebenfalls in Großbritannien im Exil lebenden russischen Oligarchen und Putin-Gegner Boris Beresowski nahe.

Nach Abschluss der Mittelschule wurde Litwinenko 1980 in die Armee einberufen. Ab 1988 war er in der Abteilung für Spionageabwehr des sowjetischen Geheimdienstes KGB tätig. In verschiedenen Konfliktherden der Sowjetunion und später Russlands war er an Kampfeinsätzen beteiligt. Beim FSB, der Nachfolgeorganisation des KGB ab 1991, war Litwinenko im Kampf gegen Terrorismus und organisiertes Verbrechen eingesetzt.

Nachdem er 1998 aus dem FSB entlassen wurde, kritisierte Litwinenko auf einer Pressekonferenz in Moskau die Führung des Geheimdienstes. Er habe von dieser den Auftrag bekommen, den damals einflussreichsten russischen Oligarchen Boris Beresowski zu liquidieren.[1]

Im März 1999 wurde Litwinenko erstmals verhaftet und im November desselben Jahres freigesprochen, jedoch noch im Gerichtssaal erneut festgenommen und im Jahr 2000 wiederum entlassen. Litwinenko behauptete, die Anschuldigungen gegen ihn, die zu den Strafverfahren führten, seien konstruiert gewesen, außerdem sei seine letzte Entlassung aus der Haft nur nach Unterzeichnung einer Verpflichtung zum Verzicht auf eine Ausreise aus der Russischen Föderation erfolgt. In der Folge wurde ein drittes Strafverfahren gegen ihn eröffnet.

Nach eigenen Angaben wurden Litwinenko und seine Familie vom FSB bedroht, was ihn letztlich zur illegalen Ausreise bewogen habe. Mit seiner Familie lebte er seitdem in Großbritannien, wo ihm im Mai 2001 politisches Asyl gewährt wurde. Er gehörte zu den schärfsten, aber sicherlich nicht zu den bekanntesten Kritikern des russischen Präsidenten Putin, des ehemaligen Chefs des FSB.

Zusammen mit Juri Felschtinski, einem US-amerikanischen Historiker russischer Herkunft verfasste er das Buch Blowing Up Russia. Terror from within (New York 2002, ISBN 1561719382; russisch ??? ???????? ?????? ‘Der FSB sprengt Russland in die Luft’). Die zentrale These des Buches ist, dass die Sprengstoffanschläge von 1999 auf Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten, bei denen rund 300 Menschen den Tod fanden, nicht, wie von offiziellen russischen Stellen behauptet wird, von tschetschenischen Terroristen verübt wurden. Vielmehr gingen die Anschläge – so die Autoren – auf das Konto des russischen Geheimdienstes FSB und dienten als Vorwand für die Entfesselung des Zweiten Tschetschenienkriegs. Diese Darstellung fand jedoch kaum Resonanz in der Öffentlichkeit. Auf der Webseite der tschetschenischen Separatisten beschuldigte Litwinenko Wladimir Putin der Pädophilie [2], weil dieser vor laufenden Kameras einen Jungen auf den Bauch geküsst hatte. Eigenen Aussagen zufolge hat Litwinenko sich zuletzt mit dem Mord an der Moskauer Journalistin Anna Politkowskaja beschäftigt.

Am 1. November 2006 wurde Litwinenko in London vermutlich Opfer eines Mordanschlags. Die Polizei ermittelt derzeit in einem ungeklärten Todesfall. Nach letzten Informationen wurde er mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 kontaminiert, die sein Immunsystem zerstörte und seine Leber schwer schädigte. Am 23. November 2006 verstarb er um 21.21 Uhr Ortszeit an den Folgen der Strahlenschäden. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde seien in Litwinenkos Urin „hohe Konzentrationen“ der Substanz Polonium 210 entdeckt worden. Die Obduktion seiner Leiche wird immer wieder verschoben, weil die Strahlendosis für das medizinische Personal gesundheitsschädigend sein könnte. Der russische Ex-Spion hat in dem letzten Interview vor seinem Tod Russlands Präsidenten Wladimir Putin für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Die polizeilichen Ermittlungen zum Tod sind noch nicht abgeschlossen. Die meisten westlichen Medien deuten jedoch einen politischen Hintergrund an und verweisen auf Litwinenkos kritische Veröffentlichungen über die Rolle der Geheimdienste in Russland. Der britische Guardian zitiert britische Geheimdienstquellen. Diesen Quellen zufolge könnte es sich auch um eine zielgerichtete Diskreditierung Russlands handeln.

Polonium 210 hat eine Halbwertszeit von 138 Tagen und ist nicht allgemein verfügbar. Es wurde allein von den USA und der Sowjetunion in größeren Mengen in Reaktoren hergestellt. Eine Verfügbarkeit für nichtstaatliche Gruppen, wie Wladimir Putin in Helsinki angedeutet hat, ist nur durch eine präzise „just in time“-Belieferung vorstellbar. Dies würde wiederum eine staatliche Kooperation bedingen.

Kurz vor seinem Tod soll der ehemalige Geheimagent Alexander Litwinenko seinem Vater folgenden Abschiedsbrief diktiert haben, der ihn vor Fernsehkamers verlas, in dem er den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich machte. Die Nachrichtenagentur AFP dokumentiert die wichtigsten Passagen des Schreibens:

Während ich hier liege, höre ich in aller Deutlichkeit die Flügel des Todes. Möglicherweise kann ich ihm noch einmal entkommen, aber ich muss sagen, meine Beine sind nicht so schnell, wie ich es gerne hätte. Ich denke deshalb, dass es an der Zeit ist, ein oder zwei Dinge dem Menschen zu sagen, der für meinen jetzigen Zustand verantwortlich ist.

Sie [Putin, Anm. von afp] werden es vielleicht schaffen, mich zum Schweigen zu bringen, aber dieses Schweigen hat einen Preis. Sie haben sich als so barbarisch und rücksichtslos erwiesen, wie Ihre ärgsten Feinde es behauptet haben.

Sie haben gezeigt, dass Sie keine Achtung vor dem Leben, vor der Freiheit oder irgendeinem Wert der Zivilisation haben. Sie haben sich als Ihres Amtes unwürdig erwiesen, als unwürdig des Vertrauens der zivilisierten Männer und Frauen.

Sie werden es vielleicht schaffen, einen Mann zum Schweigen zu bringen. Aber der Protest aus aller Welt, Herr Putin, wird für den Rest des Lebens in Ihren Ohren nachhallen. Möge Gott Ihnen vergeben, was Sie getan haben, nicht nur mir angetan haben, sondern dem geliebten Russland und seinem Volk. (afp)

Putin wies die Anschuldigungen bezüglich der Beteiligung Moskaus an einer Ermordung zurück: “Schauen Sie auf europäische Länder, wo die Mafia systematisch Polizisten, Journalisten und Richter umbringt.”

Das Medieninteresse rund um den Anschlag auf Litwinenko begann Mitte November 2006, nachdem sich sein Zustand rasant verschlechtert hatte. Nach Angaben des Guardian wurde eine Kampagne von Chime Communications, einer von Tim Bell geleiteten PR-Agentur organisiert, deren Auftraggeber der russische Oligarch im britischen Exil Boris Beresowski war. Die Agentur verbreitete Informationen über den Gesundheitszustand von Litwinenko mit Fotos aus dem Krankenhaus.



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Einträge:

Diktator Putin machts möglich. Alles wird getötet was nicht richtig flötet…

Eintrag by Pablo am 29.November 2006


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