Lebendige Erinnerung

 

3. August 2006

Elisabeth Schwarzkopf

Dame Olga Maria Elisabeth Frederike Schwarzkopf DBE (* 9. Dezember 1915 in Jarotschin, Posen; † 3. August 2006 in Schruns, Vorarlberg, Österreich, geb. Olga Maria Elisabeth Frederike Schwarzkopf) war eine britische Kammersängerin deutscher Herkunft. Sie gilt als eine der führenden Sopranistinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die besonders für ihre Interpretationen von Mozart- und Strauss-Opern bewundert wurde.

Elisabeth Schwarzkopf wurde als Tochter eines Oberstudiendirektors geboren. Von Kindheit an zeigte sie großes Interesse an der Musik, mit 13 Jahren sang sie die Eurydice in einer Schulaufführung von Glucks Orfeo ed Euridice in Magdeburg. 1934 begann sie ihr Gesangsstudium an der Berliner Hochschule für Musik, zunächst als Mezzosopran, später als Koloratursopran.

Ihr Debüt erfolgte am 15. April 1938 am Deutschen Opernhaus in Charlottenburg als zweites Blumenmädchen in Wagners Parsifal. Sie blieb vier Jahre lang in Berlin.

Nach dem Krieg wurde sie Mitglied im legendären Ensemble der zerbombten Wiener Staatsoper unter Karl Böhm. Im Ausweichquartier im Theater an der Wien gab sie unter anderem die Mimi in Giacomo Puccinis La Bohème und die Violetta in Verdis La Traviata. Die Europatourneen der Wiener Staatsoper führten sie 1947 als Donna Elvira in Mozart’s Don Giovanni nach London (Royal Opera House) und 1948 an die Mailänder Scala, in der Rolle der Marschallin aus Strauss’ Der Rosenkavalier, die eine ihrer wichtigsten Rollen wurde.

Das offizielle Debut am Royal Opera House machte Schwarzkopf am 16. Januar 1948 als Pamina in Mozarts Die Zauberflöte und an der Scala am 29. Juni 1950 in Beethovens Missa Solemnis. Am 11. September 1951 sang sie die Anne Trulove in der Uraufführung von Stravinskys The Rake’s Progress. Ihr Debut an der Metropolitan Opera machte sie am 13. Oktober 1964 als Marschallin.

Im März 1946 wurde die Sängerin zu einem Probesingen bei Walter Legge, einem klassischen Musikproduzenten, eingeladen. Sie sang Hugo Wolfs Lied Wer rief dich denn? und bekam einen Exklusivvertrag mit der EMI. Aus der beruflichen Zusammenarbeit mit Legge wurde auch eine persönliche Beziehung, und sie heirateten am 19. Oktober 1953 in Epsom (England).

In den 1960er Jahren fokussierte Schwarzkopf ihre Auftritte fast ausschließlich auf fünf Opernrollen: Donna Elvira in Don Giovanni, Gräfin in Le Nozze di Figaro, Gräfin in Strauss’ Capriccio und die Marschallin im Rosenkavalier. Daneben sang sie auch manchmal die Rolle der Alice Ford in Verdis Falstaff.

In den 1980er Jahren begann Schwarzkopf Gesang in ihren Meisterklassen zu unterrichten. Ihre rücksichtslose Härte gegenüber sich selbst forderte sie ebenso von ihren Schülern. Ein bedingungsloser Wille zur Klarheit der Artikulation, des Legatos, und zur stimmlichen Perfektion ließ ihre Eleven durch “Stahlgewitter” gehen, dessen Rigorosität manche an die Prosa Ernst Jüngers erinnerte. [1] So sehr ihre Kurse gefürchtet waren, so begehrt waren andererseits die damit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Zu ihren vielen Schülern zählen unter anderem Renée Fleming, Thomas Hampson, Matthias Goerne, Mitsuko Shirai, Uwe Heilmann und Cornelius Hauptmann.

Ihren Abschied von der Oper hatte Schwarzkopf am 31. Dezember 1971 im Brüsseler Monnaie-Theater in ihrer Paraderolle, der Marschallin. In den folgenden Jahren widmete sie sich nur dem Lied, der letzte Liederabend fand am 17. März 1979 in Zürich statt. Ab 2002 lebte die Sängerin in Vorarlberg und gab nur noch selten Unterricht.
1983 wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Staatsoper verliehen, 1990 wurde sie vom Land Baden-Württemberg zur Professorin ernannt und der schwedische König Gustav VI. Adolf schmückte sie mit dem Orden „Litteris et artibus“. 1992 machte sie Königin Elizabeth II. von England zur Dame of the British Empire. 2006 wurde ihr der ECHO-Preis zuerkannt.


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