Arnold Newman
Arnold Newman ( * 3. März 1918 in New York City; † 6. Juni 2006 in New York City) war einer der einflussreichsten Portrait-Fotografen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Newman wuchs auf in New York und Miami und interessierte sich bereits als Junge sehr für bildende Kunst. Aus finanziellen Gründen musste er sein Kunststudium in Miami abbrechen und fand einen Job in einem billigen Porträtstudio in Philadelphia. Trotz der stupiden Arbeit dort lernte er, wie wichtig die Zuwendung zum Kunden ist; 1938 begann er, in der Freizeit Freunde zu fotografieren und dabei seinen eigenen Stil zu entwickeln. 1941 ging er mit einem Portfolio nach New York, wo er seine Arbeiten Beaumont Newhall (Kurator der fotografischen Abteilung am Museum of Modern Art) vorstellte. Dessen Frau Nancy schickte ihn zu Alfred Stieglitz. Auch der erkannte sein Talent und seine Begeisterung für Personen – besonders Künstler – und förderte ihn. Bald konnte er seine Arbeiten in einer Galerie ausstellen und bekam Aufträge von führenden Zeitschriften. Seit 1945 arbeitete er als freiberuflicher Fotograf in New York. Anders als manche seiner Kollegen (etwa Henri Cartier-Bresson) kehrte er nie zu seinem ursprünglichen Plan, Maler zu werden, zurück.
Mit seinem individuellen Stil wurde Newman einer der wichtigsten und einflussreichsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Als seine Kollegen die Vorteile der Kleinbildkamera – Beweglichkeit und Schnelligkeit – erkannten und nutzten, tat er das Gegenteil: er ließ sich gern von der Großformatkamera dazu zwingen, mit Ruhe und Überlegung an seine Aufgaben heranzugehen. Newman sagte (sinngemäß), dass „wir Bilder nie mit der Kamera allein“ aufnehmen, sondern „mit dem Herzen und dem Verstand. … Meine Arbeiten sind ein Ausdruck meiner selbst, der Art, wie ich fühle und denke. … Ich bin interessiert daran, was Individuen antreibt, was sie mit ihrem Leben anstellen. … Das Porträt ist eine Art von Biographie … Selbst wenn die Person unbekannt ist oder fast vergessen, sollte das Foto für den Betrachter interessant sein oder sogar aufregend.“ Mit dieser Haltung geht Newman auf die Porträtierten zu und bezieht nicht einfach die Person, sondern deren Werk bzw. den geistigen Hintergrund ein – scheint diese manchmal in den Vordergrund zu stellen. So meint man, Marc Chagall (1942) verschmelze mit den Gemälden in seinem Atelier, während der Vater von Anne Frank (1960) von dem Schatten an der Wand seines Zimmers fast erdrückt wird. Newmans „Kunden“ wurden häufig auch seine Freunde. Berühmt wurden seine Porträts von Piet Mondrian, Man Ray, George Segal, Leonard Bernstein, Igor Strawinsky, Isaac Asimov, Allen Ginsberg, Norman Mailer, Robert Oppenheimer oder Arno Penzias.