Lebendige Erinnerung

 

14. Mai 2006

Günther Nenning

Günther Nenning (* 23. Dezember 1921 in Wien; † 14. Mai 2006 in Tirol) war ein bekannter österreichischer Journalist, Autor, politischer Aktivist und Religionswissenschafter.

Bereits während des Studiums begann er seine journalistische Karriere, zunächst als Journalist, später als stellvertretender Chefredakteur der Grazer sozialistischen Tageszeitung “Neue Zeit”. 1958 wechselte er als Miteigentümer zum Kulturjournal “FORVM” nach Wien. 1965 übernahm er dessen Leitung, Friedrich Torberg als Eigentümer und Chefredakteur ersetzend, und änderte den Namen zu “NEUES FORVM”. Als er in dieser Zeitschrift Textausschnitte des Marquis de Sade veröffentlichte, legte das Innenministerium, gestützt auf das sog. Schmutz- und Schundgesetz, der Zeitschrift Verbreitungsbeschränkungen auf, wogegen Nenning Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof erhob. Dieser sah in diesen Beschränkungen zensurartige Maßnahmen und hob diese daher auf (Erkenntnis des VfGH 16. 12. 1971, VfSlg 6615 u 6626) – es war dies der wohl letzte Fall von Zensur in Österreich.

1970 überließ Nenning das Journal einem Verein aus Journalisten und Mitarbeitern. 1973 gründete er eine Jugendzeitschrift, die er jedoch 1975 aufgrund rechtlicher und finanzieller Probleme einstellen mußte. Seit den frühen 1970er Jahren schrieb er als Kolumnist unter anderem für das “Profil” und die “Kronenzeitung”.

Nachdem er der sozialistischen Fraktion des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) beigetreten war, wurde er 1960 zum Vorsitzenden der Gewerkschaftssektion Journalisten und zum Vizepräsidenten der Gewerkschaft Kunst und Medien gewählt. Aufgrund von Vorwürfen, er plane eine eigene Mediengewerkschaft zu gründen, wurde er 1985 aus dem ÖGB ausgeschlossen. Hunderte Journalisten traten darauf hin aus Protest aus dem ÖGB aus. 1990 rehabilitierte man ihn vollständig, und ehrte ihn 2000 für 50jährige Mitgliedschaft.

1997 gründete Nenning zusammen mit Wolf in der Maur den Österreichischen Journalisten Club (ÖJC).

Nenning bezeichnete sich selbst als “Rot-Grün-Hellschwarzen”. Er nahm 1964 an den Protesten für eine österreichische Medienreform teil, in den frühen 1970er Jahren an den Protesten gegen den Vietnamkrieg, und 1978 an den Protesten gegen das geplante Kernkraftwerk Zwentendorf.

1984 übernahm er eine führende Rolle bei den Protesten gegen das geplante Donaukraftwerk bei Hainburg, sowie bei der Besetzung der Hainburger Au. Da er in diesem Zusammenhang bei Pressekonferenzen ein Hirschgeweih auf dem Kopf trug, erhielt er den Beinamen “Auhirsch”. Nenning war einer der Mentoren der österreichischen Grünen in deren Gründungsphase. Seine grünen Aktivitäten und ökologisch motivierte Kritik an sozialistischen Nationalratsabgeordneten führten 1985 zu seinem Ausschluss aus der Sozialistischen Partei Österreichs. Nur einen Monat später trat Nenning den Schweizer Sozialdemokraten bei.

Er war ein unermüdlicher Kämpfer für Frauenrechte, und bezeichnete sich selbst als “überzeugten Feministen”.

Günther Nenning war ein produktiver Autor und hat auch Regie in zwei Fernsehfilmen und einer Dokumentation des österreichischen Fernsehens geführt. Neben anderen Sendungen hat Nenning den Club 2 (ORF) und die Talkshow III nach 9 (ARD) moderiert. Für die letztgenannte Sendung, in der Nenning Anfang der 1980er Jahre als Gastgeber und Moderator fungierte, bekam er 1984 die “Saure Gurke” überreicht, da er die überzeugte Frauenrechtlerin Gerlinde Schilcher und den Zuhälter Karl-Heinz Germersdorf in ein Studio setzte und diese sich während der gesamten Sendung verbissen anschrien. Schilcher kippte Germersdorf nach einer Beleidigung sogar Rotwein übers Hemd und verließ lauthals fluchend das Studio.

Für das Jubiläumsjahr der Republik Österreich 2005 plante er die Herausgabe eines Sammelwerks in 18 Bänden mit Texten der wichtigsten österreichischen Autoren seit 1945 unter dem Titel “Landvermessung” (vormals “Austrokoffer”). Allerdings waren dann 50 österreichische Autoren aus unterschiedlichen Gründen abgesprungen.



Dieser Eintrag basiert auf den gleichnamigen Artikel aus
der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz
fuer freie Dokumentation. Unter diesem Link sind in der Wikipedia
der original Beitrag sowie eine Liste der Autoren verfuegbar.

Gedanken und Erinnerungen an Günther Nenning hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

© 2012 Portal der Erinnerung ist ein Projekt von hassheider koeln
Wp | Anmelden |