Lebendige Erinnerung

 

24. November 2005

Harry Thürk

Harry Thürk (* 8. März 1927 in Zülz, Oberschlesien; † 24. November 2005 in Weimar) war ein deutscher Schriftsteller.

Nach seiner Kindheit und dem Besuch der Volks- und Handelsschule in Oberschlesien wurde Thürk Arbeiter bei der Deutschen Reichsbahn. Im Zweiten Weltkrieg 1944 eingezogen, kehrte er nach Ende des Krieges von der Front in seine Heimat zurück, um der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Von dort floh er schließlich vor der Ghettoisierung durch die neuen polnischen Herrscher nach Westen und fand in Weimar seine zweite Heimat. Von 1946 bis 1948 war er hauptberuflicher Funktionär der Freien Deutschen Jugend. Nach diversen Gelegenheitsjobs arbeitete Thürk als Journalist für verschiedene Zeitungen und war in den Vietnamkriegen und in Korea als Reporter tätig. Dort zog er sich eine schwere Vergiftung mit dem vom US-Militär eingesetzten “Agent Orange” zu, die ihn ab 1980 an Weimar und später dauerhaft ans Bett fesselte.

1953 heiratete er und zwischen 1956 und 1958 war Thürk Berater bei der chinesischen Illustrierten China Pictorial in Peking. Nach weiteren Ostasienreisen zwischen 1964 und 1980 (u. a. nach Laos, Kambodscha, Vietnam, Korea, China) kehrte Thürk nach Weimar zurück. Dort war er von 1971-83 Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Thüringen (Bezirksorganisation Erfurt).

1995 trat Thürk aus dem deutschen P.E.N.-Zentrum (Ost) aus.

Nach langer Krankheit starb Harry Thürk am 24. November 2005 im Alter von 78 Jahren in Weimar.

Werk
Mit seinem Ende 2004 erschienen Buch “Treffpunkt Wahrheit” hat Thürk insgesamt 60 Bücher veröffentlicht (Romane, Dokumentationen, Reportagen, Krimis, Kinderbücher und andere) und 15 Drehbücher geschrieben. Seine Sujets und seine spannende Erzählweise machten ihn insbesondere in Ostdeutschland populär – mit einer Gesamtauflage von 9 Millionen Exemplaren in 9 Sprachen (3 Millionen allein in Deutschland) war Thürk einer der meistgelesenen und populärsten deutschen Nachkriegsautoren. Im Westen blieb er jedoch weitgehend unbekannt.

Einige seiner bekanntesten Werke sind der Antikriegsroman “Die Stunde der toten Augen”, die Romane “Amok” und “Der Gaukler” sowie die Dokumentation “Pearl Harbor”. Die meisten seiner Romane und Dokumentationen sind entweder im südostasiatischen Raum (während des Kampfes gegen die Kolonialherrschaft), in dem sich Thürk viele Jahre aufhielt, oder in seiner Heimat Oberschlesien (kurz vor bzw. während des Zweiten Weltkrieges) angesiedelt. Vor allem in seinen letzten Lebensjahren befasste sich Thürk auch mit dem aktuellen politischen Geschehen im vereinigten Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft.

Mit seinen Werken richtete sich Thürk vor allem gegen zeitgenössische Tendenzen der Kriegspolitik und Medienverdummung. Dabei schöpfte er aus seinen Erlebnissen in vier Kriegen sowie seiner Zeit als Journalist in verschiedenen Krisengebieten und kritisierte gesellschaftliche wie politische Aspekte der Gegenwart. Politische und historische Zusammenhänge spannend aufzubereiten und zu erzählen, das war sein vornehmliches Anliegen gewesen: „Mein Vorbild ist ein Erzähler auf dem orientalischen Basar. Wenn seine Geschichten gut sind, sitzt eine ganze Traube von Menschen um ihn herum. Wenn er schlecht ist, hört ihm keiner zu. Ich möchte unterhalten.“ (Interview mit Christine Brühl in: Die Zeit, 17. Oktober 1997)

Thürk war stets ein umstrittener Schriftsteller. Während ihm der Spiegel (Ausgabe 29/1995) “pubertären Schwulst und politisches Pathos” vorwarf und ihn – nicht zuletzt aufgrund der vielen Sexszenen in seinen Romanen – als “Konsalik des Ostens” betitelte, bescheinigte ihm das Neue Deutschland “untrüglichen Realitätssinn” und nannte ihn einen der besten Schriftsteller seines Genres. In die Kritik der westlichen Presse war Thürk vor allem aufgrund des Romans “Der Gaukler” geraten, der das sowjetische Dissidententum anprangerte und Alexander Solshenizyn als Marionette der CIA darstellte. Doch auch mit der DDR-Obrigkeit hatte Thürk, der Mitglied der SED war, wegen mehrerer Romane Schwierigkeiten. Seinem Antikriegs-Bestseller “Die Stunde der toten Augen” (1957), der in stark autobiografischer Weise den Kampf einer deutschen Fallschirmjägereinheit gegen die Rote Armee in Ostpreußen Ende 1944 schildert, wurde in der DDR Verharmlosung der nationalsozialistischen Wehrmacht vorgeworfen. (Siehe hierzu auch den unten angeführten ND-Artikel.) Die Veröffentlichung der Trilogie “Taifun”, die in China in der Zeit vom chinesischen Bürgerkrieg bis zur Kulturrevolution spielt und die Arbeit eines US-amerikanischen Geheimdienstmannes beschreibt, der die politische Entwicklung der Volksrepubilk China zu beeinflussen sucht, verzögerte sich bis 1988, da eine solche negative Darstellung des Aufbaus des chinesischen Sozialismus in einer Zeit sich normalisierender Beziehungen zwischen der UdSSR und der VR China nicht mehr erwünscht war.

Thürk erhielt zwei Nationalpreise der DDR und wurde mehrfach international ausgezeichnet.

Weblinks

HARRY THÜRK FORUM

aus Wikipedia, der freien Enzyklopaedie

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