Lebendige Erinnerung

1. Dezember 2004

Bernhard zur Lippe-Biesterfeld

Bernhard Leopold Friedrich Eberhard Julius Kurt Karl Gottfried Peter Prinz zur Lippe-Biesterfeld (* 28. Juni 1911 in Jena; † 1. Dezember 2004 in Utrecht), Prinz der Niederlande war Ehemann von Juliana von Oranien-Nassau, der früheren Königin der Niederlande. Beide hatten zusammen vier Töchter: die spätere Königin Beatrix und ihre Schwestern Irene, Margriet und Christina. Außerdem hatte er zwei uneheliche Kinder, Alicia von Bielefeld (* 1954) und Alexia Grinda (* 1967).

Er war der älteste Sohn von Bernhard zur Lippe (Haus Lippe) und Armgard von Sierstorpff-Cramm. siehe Stammbaum

Biografie

Bernhard zur Lippe-Biesterfeld kam am 28. Juni 1911 im thüringischen Jena zur Welt. Zeitlebens wurde das offizielle Geburtsdatum aber mit dem 29. Juni angegeben. Wie die Differenz zu Stande kam, kann nicht sicher geklärt werden. Unterlagen im Jenaer Stadtarchiv belegen den 28. Juni als Tag der Geburt.

Er lebte in seiner Jugend auf dem heimatlichen Gut Reckenwalde im östlichen Brandenburg. Nach Privatunterricht im Elternhaus besuchte er seit dem zwölften Lebensjahr ein Internat in Züllichau. Das Abitur folgte dort im Jahr 1929. Danach studierte er Jura an der Universität von Lausanne und in Berlin. Hier entwickelte er ein Faible für schnelle Autos, Reiten und Safaris. Bei einem Bootsunfall und bei einem Flugzeugabsturz wurde er beinah getötet. Bei einem Autounfall mit 160 km/h erlitt er einen Halswirbelbruch und gebrochene Rippen.

Der Jura-Referendar trat 1935 in den Dienst der IG Farben und wurde noch im selben Jahr Direktionssekretär der Pariser Niederlassung. Prinz Bernhard war Mitglied in der Reiter-SS, der Schutzstaffel der Nationalsozialisten und später des NSKK, des Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps. 1936 lernte er Prinzessin Juliana, Tochter der niederländischen Königin Wilhelmina kennen. Als Protestant und Adeliger war er für die niederländische Königin Wilhelmina als Ehemann der Thronfolgerin akzeptabel. Trotzdem wurde seine Eignung Gegenstand öffentlicher Debatten in den Niederlanden.

Prinz Bernhards mangelndes politisches Gespür distanzierte ihn anfangs vom niederländischen Volk zu einer Zeit als die Spannungen in Europa mit dem deutschen Nachbarn wuchsen. Seine erste Reise führte ihn ausgerechnet nach Deutschland in die Reichskanzlei, wo er persönlich Adolf Hitler traf, der bei dieser Gelegenheit den Eindruck aufkommen ließ, dass die Heirat des deutschen Prinzen mit einer zukünftigen niederländischen Königin ein Zeichen einer Allianz zwischen den beiden Nationen wäre.

Kurz vor seiner Heirat empfing er im niederländischen Königspalais den SS-Offizier Langenheim. Er versorgte den SS-Gesandten mit einer Einschätzung zur politischen Situation in den Niederlanden und der Rolle der niederländischen Nazi-Partei. All dies wurde detailliert an den deutschen Außenminister, Joachim von Ribbentrop gemeldet. Ob dies ein bewusster Verrat niederländischer Interessen war, war Gegenstand öffentlicher Erörterungen. Kurz danach trat er – möglicherweise wegen der niederländischen Kritik hieran – aus allen nationalsozialistischen Gruppierungen aus. Am 7. Januar 1937 heiratete er Prinzessin Juliana. Ein Jahr später wurde Prinzessin Beatrix geboren, die seit 1980 Königin der Niederlande ist.

Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Bernhard im Londoner Exil auf, während die Familie des niederländischen Königshauses im kanadischen Ottawa lebte. In England wollte er im britischen Geheimdienst arbeiten, aber die britische Kriegsadmiralität und später General Eisenhowers alliierter Kommandostab trauten ihm nicht und gaben ihm keinen Zugang zu Geheimdienstinformationen. Auf Empfehlung von König George VI. erlaubte man ihm jedoch später die Mitarbeit in Planungsstäben. Als Luftwaffenpilot der Royal Air Force beteiligte Prinz Bernhard sich von 1942 bis 1944 an der Befreiung der Niederlande. Er organisierte den holländischen Widerstand und wurde 1944 von der niederländischen Königin Wilhelmina zum Oberkommandierenden der niederländischen Streikräfte ernannt. Als Offizier auf alliierter Seite nahm er an den Kapitulationsverhandlungen mit Deutschland in Wageningen am 5. Mai 1945 teil. Trotzdem beantworteten die Niederländer sein öffentlich geäußertes Mitleid mit dem deutschen General Johannes Blaskowitz, der für die Kapitulation der Deutschen in den Niederlanden verantwortlich war und später wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde, mit einem Aufschrei der Empörung.

Als Offizier und Prinz der Niederlande hatte er zeitweise die Funktion eines Generalinspekteurs der Marine und der Luftwaffe. Diese Stellung war am ehesten mit der Funktion des Wehrbeauftragten des Bundestages in Deutschland vergleichbar. Er nahm sich der Klagen der Soldaten an und inspizierte Kasernen, Schiffe und Flugzeuge.

Sein Engagement für den niederländischen Wiederaufschwung brachte Prinz Bernhard in viele niederländische Aufsichtsräte, z.B. der niederländischen Fluggesellschaft KLM und bei Fokker Aircraft.

1954 initiierte Prinz Bernhard die Bilderberg-Konferenz, ein seitdem jährliches wichtiges Treffen europäischer und nordamerikanischer Politiker und Wirtschaftsmagnaten, von denen jeweils nur die Teilnehmerlisten bekannt werden, nicht aber die Gesprächsthemen. Er hat den ursprünglichen Sinn der Bilderberg-Konferenz damit angegeben, dem Antiamerikanismus in Europa und dem Antieuropäismus in den USA dadurch entgegenwirken zu wollen, indem er wichtige Persönlichkeiten von beiderseits des Atlantiks zu Gesprächen zusammenführe, die nicht von Erwartungen und Kommuniqués belastet wären. Hier wurde auch der Gedanke des französischen Außenministers Robert Schuman einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gestärkt.

Obwohl während vieler Jahre Großwildjäger, änderte sich seine Einstellung gegenüber der Natur. Im Jahre 1961 spielte er eine wesentliche Rolle bei der Gründung des World Wildlife Fund, dessen Gründungspräsident er wurde.

Prinz Bernhard starb am 1. Dezember 2004 im Alter von 93 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung an Lunge und Darm im Universitätsklinikum Utrecht. Am 11. Dezember 2004 wurde er mit einer großen Zeremonie in der Familiengruft der Oranier in Delft beigesetzt.

Bei der Trauerfeier wurde eine Flugformation zu Ehren des Verstorben abgehalten. “The Missing Man” Formation zusammen mit F-16 Kampfflugzeugen und einer Spitfrie aus dem 2. Weltkrieg, flog man über “de nieuwe Kerk” in Delft. Die Spitfire ist eines der zahlreichen Flugzeugmodelle, die der Prinz in seiner sehr langen Flugkarriere pilotierte.

Flugzeuge und Autos waren große Leidenschaften des Prinzen. Seine Pilotenlaufbahn beendete er zusammen mit Prinz Willem Alexander über dem Flughafen von Amsterdam, Schiphol mit einem Looping. Der Flugbetrieb wurde für diese Phase extra unterbrochen. Der Prinz soll über 50 verschiedene Flugzeugtypen geflogen sein. U.a. nahm er auch an Testflügen für die Concorde (zumindest passiv im Cockpit) teil.

Skandale

Als seine Frau in den 1950er Jahren in den Einfluss der okkulitistischen Wunderheilerin Greet Hofmans geriet, wurden in der niederländischen Presse eine Reihe außerehelicher Affären und ausgelassener Partys in den niederländischen Botschaften, die der Prinz im Rahmen seiner verschiedenen Aktivitäten besuchte, nicht erwähnt.

Der Lockheed-Skandal

Prinz Bernhard war in den so genannten Lockheed-Skandal verwickelt, bei dem der US-amerikanische Konzern Schmiergelder von 1,1 Millionen US-Dollar dafür zahlte, dass Flugzeuge vom Typ Starfighter F-104 für die Luftwaffe der Niederlande gekauft wurden. Nach Bekanntwerden des Skandals – der ähnlich in verschiedenen weiteren Ländern ablief – in der niederländischen und internationalen Presse gelangte auch der Kauf eines luxuriösen Appartements in Paris für seine Geliebte Helene Grinda an die Öffentlichkeit. Der Prinz unterhielt weiterhin ziemlich intensive Kontakte zu Tibor Rosenbaum, dem Schweizer Bankier und Strohmann des Mafia-Finanziers Meyer Lansky und mit Robert Vesco. Vesco benutzte Amsterdam als Postadresse, als er den größten Einzelbetrug aller Zeiten beging, bei dem er mehr als 220 Millionen US-Dollar von der Schweizer Firma Investors Overseas Services Ltd. erschlich.

Ein Untersuchungsausschuss des niederländischen Parlaments hatte 1976 offenbar zweifelsfreie Beweise für Gesetzesverstöße ermittelt. Darunter soll sich als schwerstes Anklagedokument ein persönliches Schreiben des Prinzen an Lockheed handeln, in dem er 1974 um die Überweisung der Provision für den Kauf der Starfighter durch die niederländische Armee bat. Die Untersuchungen sollen die Zahlung von mehr als einer Million US$ an den Argentinier Juan Perón für den Kauf von Eisenbahnausrüstungen in den Niederlanden zu Tage gefördert haben. Der Untersuchungsbericht wird bis in die Gegenwart (2004) geheim gehalten. Ministerpräsident Joop den Uyl ließ Prinz Bernhard die Wahl, sich von allen öffentlichen Ämtern zurückzuziehen, um im Gegenzug nicht vor Gericht gestellt zu werden. Er zog sich daraufhin von allen öffentlichen Ämtern zurück. Sein Nachfolger als Präsident des WWF wurde der britische Prinz Philip.
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Projekt Schloss

1988 verkauften Prinz Bernhard und die Königinmutter Juliana zwei Gemälde aus ihrer Privatsammlung um Geld für den WWF zu sammeln. Die Gemälde wurden für 700.000 £ verkauft, die auf ein Schweizer Bankkonto des WWF eingezahlt wurden. Trotzdem transferierte 1989 Charles de Haes, der Generaldirektor des WWF, 500.000 £ zurück an Prinz Bernhard – wie de Haes erklärte, für ein „privates Projekt“. 1991 meldeten Zeitungen, dass mit dem Geld überwiegend britische Söldner angeworben worden waren, die Wilderer in den Naturreservaten bekämpfen sollten. Die Söldner infiltrierten solche Organisationen, die vom illegalen Handel mit Elfenbein profitieren, um sie aufzurollen.

Dieses Projekt Schloss, wie es genannt wurde, schien in das Gegenteil umgeschlagen zu sein. Die Truppe von Prinz Bernhard hatte nicht nur den illegalen Handel infiltriert, sie nahm auch daran teil. Der irische Reporter Kevin Dowling enthüllte, dass die südafrikanische Armee ebenfalls an dem Handel beteiligt war, was darauf hindeutete, das es Verbindungen mit dem Kampf der Weißen für den Fortbestand der Apartheid gab. Überdies bezichtigte er Mitglieder der südafrikanischen Spionageabwehreinheit Koevoet (Afrikaans für Brecheisen), die unter dem Projekt Schloss trainiert wurden, für das Boipatong-Massaker 1992 verantwortlich zu sein.

1995 rief der erste schwarze südafrikanische Präsident Nelson Mandela die Kumleben-Kommission ins Leben, die neben anderen Fragen die Rolle des WWF in der Zeit der Apartheid in Südafrika ermitteln sollte. Im Untersuchungsbericht wurde angedeutet, dass die Söldner des Projekt Schloss Anschläge auf ANC-Mitglieder geplant hatten. Dazu hatten sie militärische Trainingscamps in den Naturschutzreservaten eingerichtet, in denen Kämpfer der UNITA und der Renamo ausgebildet wurden. Obwohl Prinz Bernhard niemals in diesem Zusammenhang angeklagt wurde, schadete das Projekt Schloss dem Ruf des Prinzen weiter.

aus Wikipedia, der freien Enzyklopaedie

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