Lebendige Erinnerung

 

15. November 2004

Annemarie Böll

Annemarie Böll, geb. Cech (* 23. Juni 1910 in Pilsen, Österreich-Ungarn, heute Plze?, Tschechien; † 15. November 2004 in Langenbroich) war eine deutsche Übersetzerin.

Annemarie Böll, die spätere Frau des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, wurde als Annemarie Cech in Pilsen geboren. Ihr Vater war ein tschechischer Jurist, ihre Mutter stammte aus dem Rheinland. Ihre Eltern starben früh und sie wuchs bei Verwandten in Köln auf. 1942 heiratete sie Heinrich Böll. 1945 wurde der Sohn Christoph geboren, der aber bald nach der Geburt starb. 1947 wurde ihr Sohn Raimund geboren, 1948 René und schließlich 1950 Vincent. Bevor sie freiberuflich als Übersetzerin arbeitete, war sie Lehrerin. In den Nachkriegsjahren lebte die ganze Familie von ihrem Lehrergehalt.

Am bekanntesten sind ihre Übersetzungen aus dem Englischen, so zum Beispiel der Bestseller Der Fänger im Roggen (“The Catcher in the Rye”) von Salinger. Sie übersetzte ferner Werke von Brendan Behan, Flann O’Brien, George Bernard Shaw, Saul Bellow, O. Henry und Patrick White. Bei einer Reihe von Übersetzungen arbeitete sie mit ihrem Mann zusammen. Über die gemeinsame Übersetzungsarbeit schrieb Heinrich Böll 1956 an den Verleger Witsch: „Was die Übersetzungsarbeit betrifft (…) ich mache sie ausgesprochen gern, es ist eine großartige Stilübung (…). Es ist eben nur quantitativ eine Mordsarbeit; doch ist es ja so, daß wirklich 90% der Arbeit von meiner Frau allein getan werden.“

Annemarie Böll gehörte 1987 zu den Gründern der Heinrich-Böll-Stiftung und war seit 1991 Vorsitzende und Jurymitglied des Vereins Haus Langenbroich, der Stipendien an verfolgte Künstler vergibt.

In ihren letzten Jahren beteiligte sie sich an der Aufarbeitung des Nachlasses ihres Mannes und an der Herausgabe der Heinrich-Böll-Werkausgabe, die seit 2002 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheint. Annemarie Böll starb am 15. November 2004 im Alter von 94 Jahren.

aus Wikipedia, der freien Enzyklopaedie

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