Lebendige Erinnerung

14. August 2003

Helmut Rahn

Helmut Rahn (*16.08.1929 +14.08.2003), bundesdeutscher Fußballheld

Eine bedeutende Persönlichkeit des (westlichen) Nachkriegsdeutschlands, die mit ihrem fußballerischen Können jeweils viel für den Sport, aber auch für unser Ansehen in der Welt geleistet hat, verdient einen echten Nachruf (und den finden wir nicht auf ‚Wikipedia‘, sowenig wie Worte des Trauerns).

Helmut Rahn: als Stimmungskanone (mit Akkordeon) und bei seinem ewigen Tor gegen Ungarn sechs Minuten vor Schluss

Helmut Rahn vollendete mit seinem grandiosen Tor das (in einem schönen gleichnamigen Film bzw. ansprechenden Musical verewigten) ‚Wunder von Bern‘ (vielleicht war es ohne göttliche Unterstützung auch einfach ‚nur‘ eine Sensation gegen das ungarische Wunderteam, das seit über vier Jahren nicht mehr verloren und England ebenfalls im Wembley-Stadion abgefertigt hatte); weit darüber hinaus bewies er, dass vor damals erst zwei Jahrzehnten um ihre einst demokratische Identität betrogene, in den Sog des Verbrechertums mithineingezogene, noch neun Jahre zuvor schwer gedemütigte Nation nach diesen schweren Niederlagen auch einmal wieder auf anständige Weise und ohne jede Überheblichkeit siegen konnte.
Deutschland war wieder wer. Das sogenannte ‚Wirtschaftswunder‘ tat sein Übriges, um einem geschundenen Volk wieder auf die Beine zu helfen.

Das waren noch Zeiten in den 50ern, 60ern, 70ern! Wir fieberten nicht mit millionenschweren Profis, sondern drückten noch Fußballern die Daumen, die alle ‚richtige‘ Berufe erlernt hatten, in unserem Fall zudem wieder rein ‚zufällig‘ ähnliche: Rahn war Autoelektriker, Emmerich Kraftfahrzeugmechaniker.

Über Helmut Rahn sollten andere Geschichten in Erinnerung bleiben als seine spätere Trunkenheitsfahrt und sein Rückzug aus der Öffentlichkeit – z.B. diese (gefunden bei ‚Die Helden von Bern‘):
„Mit Rot-Weiss Essen startete Rahn im April 1954 auf eine mehrwöchige Südamerikatour, ein unvergessliches Erlebnis… Man bot ihm 150.000 Mark, ein eingerichtetes Geschäft und eine bezahlte Überfahrt für die Familie an im Falle eines sofortigen Vereinswechsels nach Buenos Aires… Doch als Bundestrainer Sepp Herberger ihm telegrafierte, er solle sich am 24. Mai zum Trainingslager in Grünwald einfinden, musste Rahn nicht lange überlegen…“
Hier ist Rahn Vorbild für uns alle – auch wenn uns keiner zu einer WM einlädt: Was können wir für die Gemeinschaft / Gesellschaft leisten? Sollte die Leitfrage sein (und nicht: Wer macht uns das lukrativste Angebot?).
Der Rest ist Geschichte, die wir uns im Schnelldurchgang noch heute anschauen können:

 

 

 

 

Auch so lässt sich (wohl im Sinne der Verstorbenen) Trauerarbeit leisten.

Vielleicht sitzen Helmut Rahn und noch ein paar Freunde von einst (Fritz und Ottmar Walter, Trainer Sepp Herberger, dessen Nachfolger und ‚Namensvetter‘ Helmut Schön) nicht auf einer Wolke, sondern einem Stück echtem Rasen und leeren auf ihre Erfolge, aber auch auf ihre Niederlagen gemeinsam ein paar Flaschen Wein – auch auf das Wohl ihrer zahlreichen Fans, die sie nicht vergessen haben.

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

Gedanken und Erinnerungen an Helmut Rahn hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

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