Lebendige Erinnerung

 

7. November 2002

Rudolf Augstein

Rudolf Karl Augstein – Pseudonyme waren u.a. Moritz Pfeil und Jens Daniel – (* 5. November 1923 in Hannover; † 7. November 2002 in Hamburg) war ein deutscher Journalist, Verleger, Publizist und der Gründer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Leben

Augstein wurde in Hannover geboren. Seine Mutter war Gertrude Maria Augstein und sein Vater Friedrich Augstein, ein ehemaliger Kamerafabrikant und Fotokaufmann (Firma “Photo Augstein”). Augstein wuchs als jüngster Sohn unter sieben Geschwistern (fünf Schwestern, ein Bruder) in einer gutbürgerlichen katholischen Familie auf. Er besuchte ein humanistisches Gymnasium in Hannover und erlebte als Neunjähriger die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Augsteins Vater erklärte seinem Sohn, dass Hitlers Politik das Ende Deutschlands bedeute. 1941 legte Augstein sein Abitur ab und absolvierte anschließend ein Volontariat beim “Hannoverschen Anzeiger”. 1942 begann für Augstein der Kriegsdienst als Funker. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war er Artilleriebeobachter und Leutnant. Im April 1945 wurde Augstein das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

Gründer und Macher des Spiegels

Nach Ende des Krieges übernahm Augstein zusammen mit dem Fotografen Roman Stempka und dem Redakteur Gerhard R. Barsch die Zeitschrift Diese Woche von den Briten. Diese war nach dem Vorbild der britischen “News Review” und der amerikanischen Time entwickelt worden. Am 4. Januar 1947 erschien die Erstausgabe des Spiegels, des Diese-Woche-Nachfolgers. Augstein war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Im Januar 1949 wurde Augstein erstmals vor Gericht bestellt, als er im Spiegel geschrieben hatte, dass bei einer Hausdurchsuchung beim Kieler Ex-Agrarminister Erich Arp Fleischbüchsen gefunden worden waren. Augstein wurde freigesprochen. Nach verschiedenen Berichten im Spiegel über korruptionsverdächtige Geschäfte der Regierung ließ der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß am 26. Oktober 1962 Augstein und sieben andere Mitarbeiter unter Verdacht des Landesverrats festnehmen (siehe Spiegel-Affäre). Die Festnahmen lösten eine Welle der Empörung aus. Nach 103 Tagen Untersuchungshaft wurde Augstein im Februar 1963 entlassen, Strauß zog sich daraufhin zeitweise in die bayerische Landespolitik zurück. Man sprach bereits vom “Anfang des Endes” der Ära Adenauers, der auch im gleichen Jahr zurücktrat. Adenauer empfing Augstein noch kurz vor seinem Tod für ein Gespräch.

Buchautor und Maueröffnung

In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte Augstein mehrere Bücher. 1972 und 1973 saß er für die FDP, der er seit 1957 angehört, im Bundestag. 1974 schenkte Augstein 50 Prozent des Unternehmens den Mitarbeitern des Spiegels. 1988 führte er mit dem damaligen Parteichef der KPdSU, Michail Gorbatschow, ein Gespräch über dessen Politik der Perestroika. Kurz vor der Maueröffnung am 9. November 1989 schrieb der Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme einen Kommentar, “warum ich nicht wiedervereinigt werden möchte”. Wenig später distanzierte sich Augstein von Böhmes Position. Obwohl er jahrelang die CDU-Politiker attackiert hatte, schrieb Augstein am 23. April 1990 im Spiegel-Kommentar: “Glückwunsch Kanzler”. 1998 kündigte Augstein an, dass er sich 2003 komplett aus dem Spiegel zurückziehen wolle. Am 26. August 2002 schrieb er seinen letzten Spiegel-Kommentar über die Irak-Politik der USA.

Am 7. November 2002 starb Rudolf Augstein an den Folgen einer Lungenentzündung in Hamburg. Am 19. November 2002 wurde er auf Sylt beerdigt.

Augstein war fünfmal verheiratet und viermal geschieden, aus den fünf Ehen gingen vier Kinder hervor. Augsteins Tochter Franziska (*1964) ist ebenfalls Journalistin (Süddeutsche Zeitung), sein Sohn Jakob (*1967) ist als Verleger tätig (Rogner & Bernhard). Die älteste Tochter Maria Sabine (*1949) ist als Rechtsanwältin tätig und setzt sich aktiv für die Bürgerrechte homosexueller Menschen ein. Der jüngste Sohn Julian (*1973) ist Maler und Volkswirt.


aus Wikipedia, der freien Enzyklopaedie

Einträge:

Rudolf Augstein wurde, wegen seiner Rolle in der Spiegel-Affäre, immer wieder mit einem Linken verwechselt, was er in seinem Innersten zutiefst nicht gewesen zu sein scheint. Dies bemerkte man nicht erst anlässlich seiner Kommentare zur deutschen Wiedervereinigung, sondern schon 1976 bei seinem grossartigen posthumen Interview mit Martin Heidegger.

Augstein war einer der am fleissigsten gelesenen Autoren der deutschen Geschiche, eben weil er ein grosser Journalist war und weil er sich nicht scheute, sich dann und wann verhasst zu machen. Als Grabschrift könnte man sich die Formulierung vorstellen, die Lessing wählte, als er vom Ableben Voltaires hörte. Er wandte sich damals an die Kritiker Voltaires, die im französischen Schriftsteller und Philosophen immer nur das Destruktive sahen:

“Hier liegt, wenn man euch glauben wollte,
Der Kerl, der längst hier liegen sollte.”

Pirmin Meier, Historischer Autor, Beromünster/Schweiz

Eintrag by Pirmin Meier am 29.Januar 2009


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