Lebendige Erinnerung

 

17. März 2002

Luise Rinser

Luise Rinser (* 30. April 1911 in Pitzling, Oberbayern; † 17. März 2002 in Unterhaching) war eine deutsche Schriftstellerin.

Luise Rinser wurde in Pitzling geboren, studierte in München Pädagogik und Psychologie. Nach dem Examen arbeitete sie seit 1935 als Aushilfslehrerin an verschiedenen oberbayerischen Schulen. Sie verweigerte den Eintritt in die NSDAP und kam 1939 der Entlassung aus dem Schuldienst durch eigene Kündigung zuvor. Schreibverbot durch die Nazis. 1944 wurde sie wegen angeblicher “Wehrkraftzersetzung” denunziert und verhaftet, ihre Hinrichtung wurde angeblich nur durch das Kriegsende verhindert. Ihre Erlebnisse im Frauengefängnis Traunstein schildert sie in ihrem “Gefängnistagebuch” von 1946. Ihr bekannt gewordenes Lobgedicht auf Adolf Hitler relativiert jedoch das von ihr selbst gezeichnete Bild einer Widerstandskämpferin. Ihr erster Mann und Vater ihrer beiden Söhne, der Komponist und Kapellmeister Hans Günther Schnell ist 1943 im Russland-Feldzug gefallen. Danach ging sie eine Scheinehe mit dem homosexuellen kommunistischen Schriftsteller Klaus Herrmann ein. 1945-1953 freie Mitarbeiterin bei der “Neuen Zeitung” München.

1953 heiratete sie den Komponisten Carl Orff. Diese Ehe wurde jedoch bereits 1959 wieder geschieden. Im Anschluss pflegte sie engere Freundschaften mit dem Komponisten Isang Yun, mit dem Abt eines Klosters, sowie mit dem Theologen Karl Rahner. Rinser lebte abwechselnd an ihrem Zweitwohnsitz in Rocca di Papa bei Rom, wo sie auch zur Ehrenbürgerin ernannt wurde und in der Nähe von München.

Rinser mischte sich aktiv in die politische und gesellschaftliche Diskussion in Deutschland ein, unterstützte Willy Brandt 1968 auf seinen Wahlkampfreisen, demonstrierte mit dem Schriftsteller Heinrich Böll gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik Deutschland und wurde zu einer scharfen Kritikerin der katholischen Kirche, die sie jedoch nicht verließ. Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm sie als akkreditierte Journalistin teil. 1972 bis 1975 bereiste sie die Sowjetunion, die Südstaaten der USA, Spanien, Indien, Indonesien und Südkorea. Sie engagierte sich für das Ende des Verbots der Abtreibung und für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen § 218 in der damaligen Form. Sie war eine führende Stimme des so genannten Linkskatholizismus in der Bundesrepublik Deutschland. 1984 wurde sie für die Grünen als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen, unterlag aber Richard von Weizsäcker klar (s. Bundespräsidentenwahl 1984).

aus Wikipedia, der freien Enzyklopaedie

 

  

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