Lebendige Erinnerung

23. Juni 1998

Prof. Walter Riethmüller

Prof. Walter Riethmüller, Heidelberg (1926 – 1998) So rasch vergehen 10 Jahre: Es scheint noch nicht lange her, der Augenblick ist zum Greifen nah, dass ich am Telefon fassungslos vom überraschenden Tod meines einstigen Lehrers und langjährigen väterlichen Freundes erfahren musste.

Fast wöchentlich fahre ich mit dem Zug durch die kleine schwäbische Stadt, in der er geboren wurde (und dem er diesen unvergleichlichen feinen Dialekt verdankte).
Ich schaue aus dem Fenster meines Abteils und denke an ihn.

Oft lese ich in Büchern, die er noch weit besser kannte als ich, sehe die Literaturverfilmungen von Romanen, die er mir voraus hatte (und die ich in den verbleibenden geschätzten zwei Dekaden auch nicht mehr schaffen werde, weil mir wie ihm das Schreiben weit wichtiger ist).

Oft stelle ich mir vor, wie wir gemütlich und doch angeregt plaudernd beisammen saßen: 1978 in der Heidelberger Mensa, 1988 in einer stilvollen Kneipe, 1998 ohne jegliche Vorahnung seines Todes in einem italienischen Restaurant am Bismarckplatz (wohin ich gelegentlich noch komme).

Wir haben uns nicht verabschieden können, so plötzlich kam der Herzinfarkt im erst 72. Lebensjahr – so ist er mir gegenwärtig geblieben und manchmal ist mir, als säße er wie damals neben mir.

Wir haben einen edlen Bildungsbürger verloren, einen Schöngeist, einen großartigen Menschen. Ich bin stolz und glücklich, ihn gekannt zu haben.

In dankbarer Erinnerung, Fred Maurer

Gedanken und Erinnerungen an Prof. Walter Riethmüller hinterlassen:

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