Lebendige Erinnerung

15. März 1994

Jürgen von Manger-Koenig

Jürgen von Manger-Koenig (* 6. März 1923 in Ehrenbreitstein; † 15. März 1994 in Herne; als Bühnenfigur bekannt als Adolf Tegtmeier) war ein deutscher Schauspieler, literarischer Kabarettist, Komiker und Satiriker.

Sicher, über Herrn v. Manger alias Adolf Tegtmeier gibt es mehrere lesenswerte Nachrufe auf allen möglichen Medien, z.B.

http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag3474.html

Sinn dieses besonderen Portals der Erinnerung ist freilich, die ‚persönliche‘ Beziehung zu den Verstorbenen zu schildern – und da fällt mir einiges ein:
Meine Mutter hatte einen Band mit einigen Reden und Sketchen des damals (Mitte der 60er Jahre) erst vierzigjährigen, doch schon sehr bekannten Entertainers. So habe ich damals lesen gelernt – und durch Winnetou (also etwa 4000 Seiten Karl May).
Zum Amüsement meiner Mitschüler ‚parodierte‘ ich Anfang der 70er Jahre einigermaßen gekonnt den Parodisten – wobei ich noch nicht mal im Stimmbruch war: Meine Tegtmeier-Texte müssen (unfreiwillig) sehr komisch geklungen haben.
Klar war mir aber damals schon, dass v. Manger sich nicht etwa über den Ruhrpott-Kumpel lustig macht, sondern ihm vielmehr ein Denkmal setzt.
Anfang der 80er hatte v. Manger eine wunderbare Live-Fernsehreihe – und 1983 erlebte ich ihn als Schauspieler: Gemeinsam mit dem damals jungen Jürgen von der Lippe (als Ruhrpott-Pfarrer) trat er kurz vor Silvester in einer ‚Heimatgeschichte‘ als Bürgermeister auf – beide als Pendant zu Don Camillo und Peppone.
Im Sommer 1984 spielte v. Manger in einer „Traumschiff“-Folge bei einer komischen „Romeo und Julia“-Variante (freilich mit Happy End) mit: Die beiden Ruhrpott-Väter eines jungen Liebespaars sind Todfeinde, seit der eine von ihnen im Streit behauptet hat, der andere habe keine Ahnung von Fußball. Die sich Liebenden hecken für ihre sturen Väter einen raffinierten Plan aus: Beide laufen im berühmten Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro als ‚alte Herren‘ auf und erzielen gemeinsam (Vorlage, Vollstreckung) das Siegtor. Der Bann ist gebrochen, die Hochzeitsglocken dürfen läuten…
Das hätte noch jahrelang so weitergehen können; aber ein Schlaganfall beendete die ‚Ära Tegtmeier‘. Sein Sprachzentrum war betroffen – ganz ähnlich wie bereits 1970 bei seinem Kollegen Heinz Ehrhardt.

Es gibt eine Menge Spuren im Netz und Möglichkeiten, v. Mangers Humor zu genießen und ihn lebendig zu halten.
Eine herrliche Parodie auf Udo Jürgens‘ Erfolgstitel „Griechischer Wein“ z.B. dient als Beweis, dass v. Manger vieles konnte – nur nicht singen:

Der Refrain ist nicht nur komisch, sondern fast stilbildend: „Bottroper Bier, und dann fängs‘e schnell am Singen. Hier im Revier tun die Gläser kräftig klingen…“, hat später Otto zu seiner kongenialen Parodie ‚Friesischer Wein‘ inspiriert.
Köstlich ist auch v. Mangers Talkshowvortrag (am 6. März 1975 in der Talkshow „3nach9“, also an seinem 52. Geburtstag) über Gelenkmäuse, ärztliche Kunstfehler und seine auf Vorrat gekauften Einlagen:
http://www.radiobremen.de/mediathek/video3874-popup.html

Dürfen wir auch ihn uns vorstellen, wie er gemeinsam mit Heinz Ehrhardt, Herbert Hiesl, Peter Alexander auf einer Wolke sitzt und Bottroper Bier ‚verkasemadukelt‘?
Prostet er uns womöglich erhobenen Steinkruges augenzwinkernd zu, ruft lachend:
„Da muss man doch Mensch bleiben!“

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

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