Lebendige Erinnerung

22. Februar 1985

Daniel Jacob

Daniel Jacob (* 1963; † 1985), Student / Schauspieler / Liebling der Götter

Gibt es ‚männliche Schönheit‘, die mit der weiblichen Anmut, Grazie mithalten kann? Reicht es für uns Männer nicht, halbwegs ansehnlich zu sein? Lassen wir den Damen nicht ansonsten (durchaus auch in eigenem Interesse) gerne den Vortritt?
Es gibt Ausnahmen. Manche Männer sprengen selbst in fortgeschrittenem Alter die ästhetischen Grenzen.

als 19Jähriger in „Ärztinnen“ (links, 1983) kurz vor seinem Tod in „Ich heirate eine Familie“ (1985)

Daniel Jacob wäre noch heute (mit etwa 50 Jahren) ein schöner Mann; und zur Schönheit im umfassenden Sinn gehören wie bei ihm, dem allzu früh Verstorbenen, auch Charme, Intelligenz, Liebenswürdigkeit.

Daniel Jacob war der Sohn der heute 85jährigen, noch immer attraktiven bedeutenden Charakterdarstellerin und Theaterintendantin Ellen Schwiers („Das Erbe von Björndal“ 1960, „3096 Tage“ von 2013) und des Filmproduzenten Peter Jacob; er war der jüngere Bruder der einst ebenfalls verführerisch schönen, noch vor Jahren TV-präsenten Schauspielerin (und als Nachfolgerin ihrer Mutter Theaterchefin) Katerina Jacob („Derrick“ in den 70ern, „Die Schwarzwaldklinik“ in den 80ern, „Der Bulle von Tölz“ in den 90ern und bis 2006).
Daniel starb (von uns zunächst unbemerkt) vor 30 Jahren, 1985, im Alter von 21 Jahren unrettbar an einem zu spät erkannten Tumor.

In vielen Filmen haben wir ihn leider nicht erleben dürfen – dafür sind diese seiner Präsenz wegen umso unvergesslicher: als 19Jähriger in dem kritischen Drama „Ärztinnen“ (l1983); als leicht renitenter Schüler mit Liebeskummer in dem ZDF-Spezial mit Klaus Schwarzkopf „Der Lehrer“ (1984: http://www.zelluloid.de/filme/kritik.php3?tid=3865); kurz vor seinem Tod in der beliebten Familienserie „Ich heirate eine Familie“ (1985: http://www.zelluloid.de/filme/kritik.php3?id=6858&tid=9621).

Daniel Jacob war nur nebenbei Schauspieler, um dazu zu verdienen, „wollte zuerst Jura studieren und dann später an der Filmakademie den Beruf des Produzenten erlernen“, informiert uns seine Mutter in einem Interview von 2013 auf FOCUS.Online.
Lassen wir nochmals seine noch heute trauernde Mutter Ellen Schwiers zu Wort kommen: Der Tod ihres Sohnes „… ist eine Wunde, die nie verheilt und da kann ich auch heute noch kaum drüber sprechen. Man lernt, damit zu leben, aber verwinden kann man es nie. Es ist ein hartes Schicksal, wenn man als Mutter sein eigenes Kind überlebt. Daniel ist bis heute präsent in meinem Leben. Für [seine Schwester] Katerina war das auch eine harte Prüfung, ihren Bruder zu verlieren.“

‚Eine Wunde, die nie verheilt… verwinden kann man es nie…‘.
Es ist meist schlimm und schmerzhaft, von Familienmitgliedern für immer Abschied zu nehmen: Das gilt z.B. auch für die 88jährige Großmutter, die nach einem erfüllten Leben von ihrem Mittagsschlaf nicht mehr aufwacht; dies gilt noch weit tragischer, wenn die eigenen Geschwister oder gar die eigenen Kindern (womöglich jung) sterben (wie auch ich vor Wochen es bitter lernen musste und bis heute nicht begriffen habe).
Man macht sich Vorwürfe, wird von Sterbeszenarien geplagt – erinnert sich freilich auch an die schönen Stunden. Immerhin durften Mutter und Schwester ihren Sohn bzw. Bruder über mehr als zwei Jahrzehnte erleben, „haben ihn bis zum Schluss gepflegt“…

Warum müssen uns ans Herz gewachsene junge Mitmenschen so früh sterben?
,Quem dei diligunt adulescens moritur’? Hat der römische Komödiendichter Plautus Recht mit seiner Theorie (die freilich auf uns Überlebenden nur bedingt ein positives Licht wirft)?: ‚Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben!‘
War Daniel Jacob ein Liebling der Götter, den sie ohne Rücksicht auf seine Familie, Freunde, Fans unbedingt in ihrer Mitte haben wollten? Geht es ihm auf seiner Wolke womöglich besser als uns (angesichts von heute schon wieder 33 Grad Celsius), freut er sich daran, dass wir (seine Familie und seine Fans) noch immer an ihn denken?
Weiß er, dass er uns nur eine kleine Weile vorausgegangen ist und den Seinen wiederbegegnen wird?
Daniel Jacob ist und bleibt jedenfalls für uns alle unvergessen. In seinen wenigen Filmen lebt er weiter – wie überhaupt Schönheit unsterblich ist.

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

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