Lebendige Erinnerung

25. März 1983

Hans Rauch

Hans Rauch, bundesdeutscher Musiker (1929-1983);
deutscher Akkordeon-Meister 1950, Lehrer am Trossinger HOHNER-Konservatorium, Dirigent des legendären ‚Schittenhelm-Orchesters‘

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten (seit 1996) bin ich mir meines musikalisch-musikantischen Ursprungs endgültig bewusst – nach einer Phase pianistischer Überheblichkeit (als ließe sich ein Musikinstrument gegen das andere ausspielen und als hätten nicht alle ihre jeweilige Berechtigung).
Nun spiele ich wie einst (ab 1965) als Kind, Jugendlicher, Student, Junglehrer wieder dieses schöne, vielseitige Instrument – und denke an jene Meister ihres / unseres Fachs zurück, die uns inzwischen verlassen haben:

Fritz Breunig

Fritz Breunig

Rudolf Würthner

Rudolf Würthner

Gervasio Marcosignori

Gervasio Marcosignori

In diesen illustren Kreis reiht sich Hans Rauch ein.
„ … ‚Rhythmus und Freude – Musik für Ohr und Herz!‘, so könnte man die musikalische Lebensmaxime Hans Rauchs beschreiben“ (so die Trossinger Homepage), dessen Lebensweg ich zweimal kreuzen durfte: 1973, als er das Festkonzert anlässlich des 40jährigen Jubiläums unseres Mannheimer Akkordeonvereins dank seines großen Könnens und seiner launigen Conference in beiden Programmteilen ganz erheblich bereicherte, und fünf Jahre später, als ich 1978 gemeinsam mit dem damals besten, noch lebenden Akkordeonisten und heutigen Lehrerkollegen Peter Schekulin am Trossinger HOHNER-Konservatorium einen Dirigierkurs besuchte.

Dort war der geniale Akkordeonist und Komponist Hans Rauch bis zuletzt, bis zu seinem allzu frühen Tod einer der beliebtesten Lehrer.

Was uns imponierte, war seine Bescheidenheit – und zugleich sein Talent, sich in die bundesdeutsche wie internationale Akkordeonkultur einzubringen.

Auch sein Humor und eine Portion Selbstironie sind uns in Erinnerung.
So fragte er uns einmal, worin sich ein Komponist, ein Musiker und ein Komponist unterschieden.
Da uns dieser Vergleich merkwürdig erschien, fuhr er fort:
„Lassen Sie ein Neugeborenes wählen zwischen einem Geldbeutel und einem Mini-Akkordeon. Strecken Sie ihm beides entgegen. Nimmt das Baby den Geldbeutel, wird es später mal ein Dieb; greift es nach dem Instrument, wird es Musiker. Grabscht es zugleich nach beidem, … ja dann wird aus ihm mal ein bekannter Komponist!“

Sein Tod mit erst 53 Jahren war ein Schock und noch heute bin ich traurig.
Musikanten wie ihn gab und gibt es nicht allzu viele.

Wer sich ein (klingendes) Bild machen will, kann sich auf YouTube einige seiner zahlreichen originellen Musikstücke anhören, z.B.
die viersätzige Suite „Großstadtbilder“ (die wir 1974 eben in Mannheim spielten)

oder
„ Souvenir des Suisse“

Zum Abschluss könnten wir uns das gleiche Stück gespielt von einem einst bekannten, auch längst verstorbenen Akkordeonisten genießen, der auch einen Nachruf verdient hätte: von Will Glahé (gleiches Stück)

Mit ihm und den oben erwähnten Leuchttürmen des Akkordeons hat Hans Rauch vielleicht auf Wolke 7 eben ein solches Quintett gegründet, wie wir es (ab 1972) auch für ein paar Jahre waren.
Es muss herrlich klingen da oben in den akkordeonistischen Sphären der Ewigkeit.

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

Einträge:

Ich war 30 Jahre lang Lehrer für Allgemeinbildung beim Musik-Studio Frey, der vielleicht angesehensten und erfolgreichsten Akkordeonschule der Schweiz im aargauischen Reinach. Über diesen Konnex bedeutete mir Rudolf Würthner meinerseits viel. Er hat massgeblich zum Stellenwert seines Instruments in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich beigetragen.

Eintrag by Meier Pirmin am 7.März 2016


Rudolf Würthner ist tatsächlich noch immer d e r Akkordeonist, Komponist, Dirigent, Lehrer weit über Trossingen und Deutschland hinaus.
Wir alle, die wir seine Stücke gespielt haben, sind seine Schüler – was wir nicht vergessen sollten.
Hans Rauch, um den es auf dieser Seite geht, ist ein nahezu ebenbürtiger Kollege Würthners – und ebenfalls viel zu früh verstorben.

Eintrag by Fred Maurer am 17.März 2016


Gedanken und Erinnerungen an Hans Rauch hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

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