Lebendige Erinnerung

31. Juli 1944

Antoine de Saint-Exupéry

Antoine de Saint-Exupéry (* 29. Juni 1900 in Lyon; † 31. Juli 1944 nahe Marseille) war ein französischer Pilot und Schriftsteller – aus seiner bescheidenen, sympathischen Sicht in eben dieser Reihenfolge.

se

Es gibt Menschen, zu denen fallen uns spontan Zitate ein, die zu ‚geflügelten Worten‘ geworden, sich zu Aphorismen für die Ewigkeit weiterentwickelt haben.
Tatsächlich ist der französische Dichterpilot mit einem Namen, der schon allein wie ein Gedicht klingt, für einige seiner Sätze nicht nur berühmt, sondern ihretwegen unsterblich.
Rufen wir sie uns also noch einmal in Erinnerung; lassen wir sie uns auf unserer poetischen Zunge zergehen. Sie ersetzen hier auch einen Lebenslauf, der sich überall nachlesen lässt.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer…“ (aus ‚Citadelle‘, 1948 posthum und unvollendet; deutsch ‚Die Stadt in der Wüste‘) – ein großer Grundsatz moderner Pädagogik!

„Bitte … zeichne mir ein Schaf!“

„Zähmen, das ist eine in Vergessenheit geratene Sache“, sagte der Fuchs. „Es bedeutet ‚sich vertraut machen‘…“

„Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar…“ (sämtlich aus ‚Le petit prince‘ von 1943, deutsch ‚Der kleine Prinz‘ – ein lehrreiches Märchen für Erwachsene, das sogar der streitbare Theologe Eugen Drewermann 1984 tiefenpsychologisch gedeutet hat).

Aber der Dichterpoet Antoine de St. Exupéry und seine weltberühmte Hauptfigur aus seinem weltberühmten gleichnamigen Buch („Le petit prince“) tauchen auch in weiteren literarischen Texten auf – sozusagen ihrer ‚Sekundärliteratur‘.
In Reinhard Meys ‚numinoser‘ Schauerballade „All die sturmfesten Himmelhunde“ von 1980 z.B. heißt es:
„Kasakov, Blériot, Lindbergh, vertraute Gesichter, / Und der mit dem roten Schal, das muss von Richthofen sein, / Gleich neben ihm Antoine de St. Exupéry, der Dichter…
Grad‘ erzählt St. Exupéry, daß ihm vor ein‘gen Jahren / Beim letzten Flug der kleine Prinz wiederbegegnet ist…“ – eine langlebige Legende, die zwar surreal, dafür aber schöner ist als die grausame Wirklichkeit (dass nämlich höchstwahrscheinlich ein Deutscher ihn hinsichtlich seiner Identität ahnungslos abgeschossen hat).

Große Bücher inspirieren auch ihre Leser. So habe ich vor gut zwei Jahren über die berühmte Märchenfigur ein kleines Gedicht geschrieben, das diesen Nachruf würdig beschließen möge.
Damals jedenfalls hat sich ein Brautpaar über diese bescheidene Widmung und die im Text enthaltene Anspielung gefreut.

Die Ballade vom kleinen Prinzen 06.04.13

Über Dichtung zu sprechen sei wie über Architektur zu tanzen
Sind doch ‚Wörter die Quelle aller Missverständnisse‘
Ahnen wir dass wir ‚nur mit dem Herzen gut sehen‘
Ist doch ‚das Wesentliche für die Augen unsichtbar‘

Aber wissen wir auch um unsere Verantwortung
Für jene, die wir uns vertraut gemacht haben?
Doch treu müssen wir auch selbst uns sein
Mit Herz Verstand Gefühl und Leidenschaft

Ob der Dichter bei seinem letzten Flug den kleinen Prinz traf
Und der bat ihn: ‚Bitte zeichne mir ein Schaf!‘?
Schau zum Himmel hinauf in die unendliche Ferne
Und sieh: Es lachen dir alle Sterne

Kleiner Prinz du zählst nun 70 Jahre
Und hast doch noch deine flachsblonden Haare
Längst versöhnt mit deiner launischen blauen Blume
Hast du dein Schaf aus seiner engen Kiste längst befreit

Solange Verliebte sich dein kleines Büchlein schenken
Aus ihm zitierend aneinander denken
Solange wir uns zärtlich Briefe schreiben
wirst Kleiner Prinz du unsterblich bleiben

Dipl.-Päd. RL Fred Maurer

Gedanken und Erinnerungen an Antoine de Saint-Exupéry hinterlassen:

Um Missbrauch zu vermeiden erscheint der Eintrag jedoch erst nach Sichtung durch die Redaktion.

© 2016 Portal der Erinnerung ist ein Projekt von hassheider koeln
Wp | Anmelden |